Heilpraktikerin Theresa Scholz aus Radebeul erklärt, weshalb langsames Gehen, Stille und Natur heute wichtiger denn je sind. Foto © BranczeiszHeilpraktikerin Theresa Scholz aus Radebeul erklärt, weshalb langsames Gehen, Stille und Natur heute wichtiger denn je sind. Foto © Branczeisz

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Theresa Scholz bittet ihre Zuhörer, für einen Moment die Augen zu schließen. Kein Handy. Kein Verkehr. Keine Termine. Stattdessen nur das Rascheln von Blättern, das Knacken eines Astes und Vogelstimmen. „Genau das“, sagt die Heilpraktikerin, „haben viele Menschen verlernt.“ Der Wald ist an diesem Abend kein Ausflugsziel. Er ist Gesprächspartner. Oft spricht Scholz über Stress. Darüber, dass Menschen heute ständig funktionieren, Grenzen überschreiten und oft erst dann merken, wie erschöpft sie sind, wenn der Körper längst auf die Bremse tritt. Heilung, sagt sie, brauche vor allem eines: Ruhe. Und genau deshalb lande sie immer wieder beim Wald.

„Dort kommen wir her“, erklärt sie. Evolutionär sei der Wald das Zuhause des Menschen gewesen. Heute müssten viele erst wieder lernen, sich auf diese Umgebung einzulassen. Nicht möglichst viele Kilometer laufen. Nicht den Puls hochtreiben. Sondern langsam werden. Scholz beschreibt keinen Leistungssport, sondern einen Spaziergang, bei dem plötzlich Dinge auffallen, die sonst untergehen. Der Duft von Harz. Das Knistern trockener Zweige. Moos unter den Schuhen. Oder unter nackten Füßen. „Selbst die Luft schmeckt anders“, sagt sie.

Eine wichtige Rolle spielen für sie die Terpene – Duftstoffe, die Bäume und Pflanzen abgeben. Vor allem Nadelbäume verströmen sie in größerer Menge. Studien zum sogenannten Waldbaden, unter anderem des japanischen Forschers Dr. Qing Li, deuten darauf hin, dass Aufenthalte im Wald Stress reduzieren und sich positiv auf bestimmte Prozesse des Immunsystems auswirken können. Gleichzeitig betonen Fachleute, dass viele Zusammenhänge noch weiter erforscht werden. Für Scholz steht trotzdem fest: Der Wald wirkt auf Körper und Geist.

Je nach Baumart schreibt sie den Düften unterschiedliche Eigenschaften zu. Kiefern und Fichten verbinde sie mit freiem Durchatmen, Weißtannen mit Ruhe, Lärchen mit neuer Klarheit. In Buchenwäldern sei es dagegen oft das sanfte Licht unter den Kronen, das Menschen herunterfahren lasse. Eichen vermittelten vielen ein Gefühl von Schutz, Birken Leichtigkeit. Ob das wissenschaftlich immer trennscharf messbar ist, spielt an diesem Abend fast eine Nebenrolle. Entscheidend ist etwas anderes: Die Teilnehmer beginnen, sich an ihre eigenen Waldmomente zu erinnern. An Spaziergänge mit den Großeltern. An das Pilze Sammeln. An den Geruch nach einem Sommerregen.

Scholz empfiehlt, den Wald nicht wie einen Fitnessparcours zu behandeln. Wer ständig joggt oder aufs Smartphone schaut, nehme vieles gar nicht wahr. Lieber langsam gehen. Zwischendurch auf einer Bank sitzen. Oder sich einfach einmal an einen Baum lehnen und nichts tun. „Die meisten Menschen halten Stille heute kaum noch aus“, sagt sie. „Dabei kommen gerade dann Gedanken und Gefühle hoch, die endlich Platz brauchen.“

Nicht jeder könne täglich stundenlang durch den Wald streifen. Das müsse auch gar nicht sein. Manchmal reiche schon ein kurzer Abstecher auf dem Heimweg. Oder zehn Minuten im geparkten Auto mit geöffnetem Fenster am Waldrand. Für zu Hause empfiehlt sie Düfte wie Kiefer oder Zeder oder sogar kleine Vogelstimmen-Boxen. Der Wald, so bleibt nach dem Vortrag hängen, verlangt keine Eintrittskarte. Nur etwas Zeit. Und die Bereitschaft, sie nicht sofort wieder mit dem nächsten Blick aufs Display zu beenden.

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