Heilpraktikerin Theresa Scholz schildert, warum körperliche Beschwerden Ausdruck von ungelösten Emotionen wie Trauer, Wut oder Stress sein können. Foto © BranczeiszHeilpraktikerin Theresa Scholz schildert, warum körperliche Beschwerden Ausdruck von ungelösten Emotionen wie Trauer, Wut oder Stress sein können. Foto © Branczeisz

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Immer wieder sitzen Menschen vor mir, die eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben. Sie erzählen von ständigen Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Erschöpfung, Müdigkeit oder Infekten, die einfach nicht verschwinden wollen. Oft haben sie bereits zahlreiche Arzttermine hinter sich. Es wurde Blut abgenommen, geröntgt, untersucht. Doch am Ende hören sie immer wieder denselben Satz: „Der Arzt findet nichts.“

Für viele Betroffene ist das ein frustrierender Moment. Denn die Beschwerden sind real. Der Schmerz ist da. Die Erschöpfung ist da. Nur die Ursache scheint unsichtbar zu bleiben. Genau dort beginnt meine Arbeit als Heilpraktikerin. Ein Satz begleitet mich seit vielen Jahren: „Sag Du es ihm, sagt die Seele zum Körper, auf mich hört er nicht.“ Das bringt sehr treffend auf den Punkt, was ich häufig erlebe. Nicht alles, was einen Menschen krank macht, lässt sich auf einem Röntgenbild erkennen oder in einem Laborwert ablesen.

Oft sind körperliche Beschwerden Ausdruck von inneren Konflikten, unverarbeiteten Emotionen oder seelischen Belastungen. Das bedeutet keineswegs, dass jemand simuliert. Im Gegenteil. Einer der größten Irrtümer ist die Aussage: „Sie sind kerngesund.“ Denn der Mensch hat Beschwerden – auch wenn sie sich medizinisch nicht eindeutig erklären lassen.

Aus dieser Hilflosigkeit heraus werden Symptome häufig mit Schmerzmitteln oder anderen Medikamenten unterdrückt. Das kann kurzfristig Erleichterung verschaffen, beseitigt aber selten die eigentliche Ursache. Und genau deshalb kehren viele Beschwerden immer wieder zurück.

In meiner Arbeit betrachte ich den Menschen ganzheitlich. Unsere Organe stehen nicht nur mit körperlichen Funktionen in Verbindung, sondern oft auch mit bestimmten Emotionen. Beim Magen begegnet mir häufig das Thema Machtlosigkeit. Die Lunge steht symbolisch für Trauer. Die Nieren reagieren empfindlich auf Stress – nicht umsonst sagt man: „Das geht an die Nieren.“ Die Leber wiederum ist eng mit Wut verbunden.

Gerade die Leber beschäftigt mich immer wieder. Es gibt Menschen, die schlank sind, keinen Alkohol trinken, Sport treiben und trotzdem eine Fettleber entwickeln. Viele fühlen sich dann nicht ernst genommen, wenn sofort die Frage nach dem Alkoholkonsum gestellt wird. Doch manchmal liegt die Ursache an einer Wut, die über Jahre nicht gelebt oder ausgedrückt werden durfte. Wird eine solche Emotion dauerhaft unterdrückt, kann sie sich ihren Weg über den Körper suchen.

Wie stark Gefühle auf unsere Gesundheit wirken können, habe ich auch in meiner eigenen Familie erlebt. Meine Großeltern führten eine wunderbare Ehe. Für mich waren sie immer ein Vorbild für Liebe, Verbundenheit und Lebensfreude. Als mein Opa starb, brach für meine Oma eine Welt zusammen. Kurz darauf erkrankte sie an Lungenkrebs. Die Trauer über den Verlust war so tief, dass sie sie nie wieder losließ. Selbst zehn Jahre später konnte sie über seinen Tod weinen, als wäre es erst gestern gewesen.

Wenn die eigentliche Ursache nicht erkannt wird, entwickeln sich Beschwerden oft weiter. Ein Symptom bleibt selten allein. Es kann sich ausweiten, andere Organsysteme beeinflussen und neue Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Deshalb ist es so wichtig, den Blick hinter die Symptome zu richten.

Trauer will verarbeitet werden. Wut möchte verstanden werden. Gerade Männer haben oft schon als Kinder gelernt, Gefühle zu unterdrücken. „Reiß dich zusammen“ – solche Sätze kennen viele. Doch Emotionen verschwinden nicht, nur weil wir sie ignorieren. Dabei ist Wut eigentlich eine sehr kraftvolle Emotion. Wer einmal mit echter Wut seine Wohnung geputzt hat, weiß, wie viel Energie darin steckt. Die Kunst besteht darin, diese Kraft zu kanalisieren, statt sie gegen sich selbst oder andere zu richten. Deshalb geht es für mich nicht nur darum, Symptome zu betrachten. Es geht darum, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Denn oft beginnt Heilung dort, wo Menschen lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen, anzunehmen und zu verarbeiten.

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