Anja Kiesewalter mit ihrem Kuchen-Rad vorm Kulturbahnhof Ost. Foto © BranczeiszAnja Kiesewalter mit ihrem Kuchen-Rad vorm Kulturbahnhof Ost. Foto © Branczeisz

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Wo endet Radebeul-Ost und wo beginnt Mitte? Anja Kiesewalter überlegt einen Moment und lächelt. So ganz sicher ist sie sich nicht. Seit vergangenem Jahr arbeitet sie im Familienzentrum in Radebeul-West als Projektverantwortliche für „Mitte-Ost“. Ganz schön kompliziert. „Mitte-Ost“? Was zunächst nach einem geografischen Mix klingt, hat einen ganz anderen Hintergrund. „Das Mitte bezieht sich auf den Kulturbahnhof Radebeul-Ost“, erklärt sie schmunzelnd. Der verstehe sich als Mitte des Stadtteils Ost. Hier verortet das Familienzentrum viele seiner Angebote für die Menschen in diesem Teil der Stadt.

Doch allein diese kleine Erklärung zeigt bereits, wie spannend die Frage nach Identität in Radebeul sein kann. Ost und West haben seit Jahrzehnten ihre eigene, manchmal durchaus diffizile Geschichte. Man hat aufeinander geschaut, sich verglichen, sich gelegentlich abgegrenzt. Gleichzeitig sind die Grenzen im Alltag kaum wahrnehmbar. Wer durch die Stadt fährt oder spaziert, erlebt keinen Übergang. Was für West die Bahnhofstraße ist, ist für Ost die Hauptstraße. Und Altkötzschenbroda? Das war ohnehin schon immer ein eigenes Kapitel. Tourimeile, Aushängeschild, ein Mitte für sich.

Tatsächlich verläuft die Grenze zwischen Radebeul-Ost und Radebeul-Mitte eher in den Köpfen als auf einer Karte. Historisch und städtebaulich beginnt die Mitte ungefähr dort, wo die Meißner Straße auf die Eduard-Bilz-Straße trifft. Nach Westen zieht sie sich entlang der Meißner Straße bis in Richtung Weißes Roß und Augustusweg. Nach Osten verliert sich die Definition irgendwann auf dem Weg nach Dresden. So genau möchte das offenbar in diese Richtung niemand wissen. Aber über Ost und Mitte wird wieder gesprochen. Vielleicht, weil mit der „Neuen kulturell-sportlichen Mitte“, die als grünes durchgehendes Band mit Sport- und Veranstaltungsmöglichkeiten zwischen Ost und West entstehen soll, der Blick gerade neu geschärft wird. Ein neuer Stadtteil entsteht dadurch nicht. Aber neue Fragen entstehen durchaus. Was wird diese Mitte für Ost und West bedeuten?

Wie tickt nun Radebeul-Ost? Wie lebt es sich hier? Wo trifft man sich? Was fehlt? Und was macht den Stadtteil besonders?

Der Terrassenplatz am Kulturbahnhof ist tatsächlich ein Mittelpunkt. Er versteht sich als offener Anziehungsort, als Treffpunkt und Aufenthaltsraum. Gerade im Sommer wird deutlich, wie sehr die Menschen diesen Platz angenommen haben. Gleichzeitig bringt Offenheit auch Herausforderungen mit sich. Müll, Vandalismus und zuletzt aufgeschlitzte Sonnenschirme sorgen für Diskussionen. Wie offen kann und soll ein öffentlicher Ort sein? Diese Frage beschäftigt Anwohner zum Beispiel. Auf ihren Terrassengarten verzichten möchte keiner.

Wer nach Zahlen sucht, um Ost besser zu verstehen, stößt schnell an Grenzen. Die Datenlage im Rathaus ist überraschend dünn. Viele Erhebungen stammen aus den Jahren 2018 oder 2022. Demnach leben heute 1.492 Menschen im Gebiet, fast doppelt so viele wie 2007. Das Durchschnittsalter ist von 38 auf 46 Jahre gestiegen. Die Zahl der Wohnungen wuchs von 479 auf 748. Bei Gewerbe und Handel wird es deutlich ungenauer. Die offiziell erfassten Betriebszahlen haben sich kaum verändert, während sich die tatsächliche Handelsfläche durch neue Ansiedlungen wie Rossmann oder die Ladenzeile in den Sidonienhöfen vermutlich mindestens verdoppelt hat.

Der „Aufbau Ost“ ist längst nicht abgeschlossen. Natürlich allem voran der Neubau des Erweiterungsbau vom Karl-May-Museum, der gerade in aller Munde ist. Gegenüber steht noch der Abbruch des Eckgebäudes Meißner Straße/Gutenbergstraße mit Neubebauung und einer Vergrößerung des Radius für die Straßenkreuzung an. Auch das Grundstück Pestalozzistraße 14 (ehemaliger Schulgarten) soll bebaut werden, ebenso die Gewerbebrache Gartenstraße 13, neben dem MADAUS-Klubhaus, die Ostseite des Turnerweges und die verlängerte Gartenstraße. Abgerissen und zur Grünfläche soll dagegen die Doppelhaushälfte Dresdner Straße 14 werden. Und ganz frisch – die Sanierung der Kita Gartenstraße in Trägerschaft der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen e.V. für 1,12 Millionen Euro. Trotz sinkender Kinderzahlen gilt der Standort als unverzichtbar.

Vielleicht liegt genau darin eine Antwort auf die Frage, wie Radebeul-Ost tickt. Der Stadtteil befindet sich weiter im Wandel, obwohl das große Sanierungsgebiet offiziell abgeschlossen ist.

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