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Viele Menschen glauben, ein Familienwappen sei ausschließlich dem Adel vorbehalten. Tatsächlich dürfen jedoch bereits seit etwa 500 Jahren auch bürgerliche Familien ein eigenes Wappen führen. Genau deshalb stammen heute rund 99 Prozent meiner Auftraggeber nicht aus adligen Häusern, sondern aus ganz normalen Familien, die ihre Geschichte sichtbar machen möchten.
Mich fasziniert dabei vor allem eines: Jedes Wappen erzählt eine Geschichte. Es zeigt, wo eine Familie herkommt, welche Berufe ihre Vorfahren ausgeübt haben oder welche Eigenschaften über Generationen hinweg überliefert wurden. Oft lässt sich sogar der Familienname selbst in ein Bild übersetzen. In der Heraldik nennt man das ein „redendes Wappen“. Familiennamen wie Bär, Wasser oder Schweinsteiger liefern dafür naheliegende Symbole. Doch häufig entstehen auch deutlich kreativere Lösungen, die erst auf den zweiten Blick ihre Bedeutung offenbaren.
Bevor ich mit dem Entwurf beginne, recherchiere ich deshalb intensiv. Herkunftsorte, Familienchroniken, alte Berufe und überlieferte Familiengeschichten fließen in die Gestaltung ein. Zusätzlich nutze ich ein Nachschlagewerk mit rund 20.000 deutschen Familiennamen, um deren Ursprünge und Bedeutungen zu entschlüsseln. Aus diesen Informationen entwickelt sich Schritt für Schritt ein individuelles Wappen, das nicht nur optisch überzeugt, sondern auch eine nachvollziehbare Geschichte erzählt.
Dabei arbeite ich streng nach den Regeln der Heraldik. Diese Regeln sind teilweise mehrere hundert Jahre alt und haben ihren Ursprung in der Ritterzeit. Damals musste ein Ritter bereits von weitem erkennen können, wer ihm auf dem Schlachtfeld gegenüberstand. Deshalb gibt es bis heute die wichtigste heraldische Regel: Farbe darf niemals direkt auf Farbe treffen und Metall niemals auf Metall. Zu den klassischen Farben zählen Rot, Blau, Grün und Schwarz. Als Metalle gelten Gold und Silber, die in Wappen meist als Gelb und Weiß dargestellt werden. Ein rotes Symbol auf blauem Grund wäre deshalb heraldisch falsch.
Doch die Heraldik kennt weit mehr als nur Farben. Es gibt genaue Vorgaben für die Proportionen eines Wappens. Der Schild besitzt andere Maße als der Helm, die Helmzier wiederum folgt festen Größenverhältnissen. Auch die Helmdecke unterliegt Regeln: Außen muss die Farbe, innen das Metall erscheinen. Bürgerliche Familien führen traditionell einen sogenannten Stechhelm, während Adlige einen Bügelhelm verwenden. Manchmal wünschen sich Kunden dennoch einen Bügelhelm – möglich ist vieles.
Besonders spannend finde ich die sogenannte Blasonierung. Sie ist gewissermaßen die Geheimsprache der Heraldik. Ein Wappen wird nicht in erster Linie gezeichnet, sondern exakt beschrieben. Diese Beschreibung legt fest, welche Farben, Figuren und Anordnungen verwendet werden. Solange sich ein Künstler an diese Blasonierung hält, kann er den Stil frei interpretieren. Ob modern, klassisch oder barock – rechtlich bleibt es immer dasselbe Wappen.
Neben Farben und Metallen gibt es außerdem sogenannte Pelzwerke. Dazu zählen Hermelin und Feh, Musterungen, die historischen Tierfellen nachempfunden sind und in der Heraldik als eigene Farbklasse gelten. Solche Elemente verleihen einem Wappen zusätzliche Tiefe und knüpfen an jahrhundertealte Traditionen an.
Meine Aufgabe besteht heute darin, diese historische Kunst mit moderner Technik zu verbinden. Auf einem digitalen Grafiktablet restauriere ich alte Familienwappen oder entwickle neue Entwürfe, die den strengen heraldischen Anforderungen entsprechen. Selbst moderne Berufe lassen sich dabei in die Sprache der Heraldik übersetzen. Wer heute in der IT arbeitet, erhält nicht einfach einen Computer im Wappen. Stattdessen suche ich nach historischen Symbolen mit ähnlicher Bedeutung, etwa einem Abakus. Für die Automobilindustrie kann ein Wagenrad stehen. So bleibt die Gestaltung zeitlos und fügt sich harmonisch in die Tradition ein.
Wer sein Familienwappen dauerhaft schützen möchte, kann es in eine Wappenrolle eintragen lassen. Dabei arbeite ich unter anderem mit der Ostdeutschen Wappenrolle zusammen. Dort wird geprüft, ob ein Wappen tatsächlich einmalig ist und keinem bereits bestehenden Wappen zu ähnlich sieht. Die Eintragung umfasst die Blasonierung, die Darstellung des Wappens, den Namen des Wappenstifters sowie die Registriernummer. Man könnte sagen: Es ist eine Art Patentamt für Wappen.
Heute betreue ich Kunden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Finnland. Jede Woche entstehen neue Familienwappen und digitale Restaurierungen historischer Vorlagen. Was einst als kreatives Nebenprojekt mit Karikaturen begann, hat sich zu meiner größten Leidenschaft entwickelt: Familiengeschichte sichtbar machen und für kommende Generationen bewahren. Denn ein gutes Wappen ist weit mehr als Dekoration – es ist Identität, Erinnerung und ein Stück Familiengeschichte in einem einzigen Bild.
www.wappen-erstellen-lassen.de
Kontakt: mail@wappen-erstellen-lassen.de


