Radebeul. Von wegen Schrebergärten sind nur für Spießer – im Kleingartenverein „Elblößnitz“ e.V. geht’s lebendig zu. Und das muss man im Alter von 115 Jahren erst einmal schaffen. Dass der Verein so quirlig ist, dafür sorgen unter anderem der Vorstand mit Mirco Roßberg, Jan Lukaschek und Marlen von Locquinghien. Dabei geht der Blick nicht nur über die eigene Parzelle hinaus, sondern über die Gärten der gut 150 Pächter – und immer wieder auch darüber hinaus in die Stadt.
Am 29. August ist es wieder so weit: „Spielen unterm Apfelbaum“ findet zum zweiten Mal statt. Eingeladen sind alle Spieler, Neugierigen und diejenigen, die einfach Lust haben, Brett-, Karten- und Würfelspiele auszuprobieren. Egal ob jung oder alt – jeder ist willkommen. Und wie immer ist der Eintritt frei. Der Grill wird angeworfen, Kuchen wird gebacken – und vor allem wird gespielt. Jan Lukaschek hat dafür schon jede Menge Spiele angeschleppt. Unterstützt wird er von zwei Meißner Spielesammlern. Mehr als 200 Brettspiele sollen am Ende bereitstehen: vom Würfelspiel über Spiele mit Hütchen bis zu den „Siedlern von Catan“, „Matsch Quatsch“ ab drei Jahren oder „Stadt, Land, Vollpfosten“. Dazu kommen Outdoor-Spiele und Strategiespiele, mit denen man sich auch über Stunden allein oder zu zweit beschäftigen kann.
Wo das alles stattfindet? Im Vereinshaus, der ehemaligen Gaststätte „Zur Erdbeere“, mitten zwischen den Gärten. Heute ist es einfach ein großer Saal – und gleichzeitig ein Ort, an dem ziemlich viel passiert. Die Sparte machte bei „Radebeul liest“ mit, ein stets aktueller Thalia-Aufsteller präsentiert neue Schmöker, die Theatergruppe „Heiterer Blick“ ist hier schon aufgetreten. Der Verein pflegt Kontakte zur Kita, zum Lößnitzgymnasium, zur Volkshochschule und sogar zu den Landesbühnen. Wie cool ist das denn? Kein Wunder also, dass hier kaum ein Garten lange frei bleibt. Auch Jan Lukaschek trägt seinen Teil dazu bei. Von Haus aus ist er Braumeister, heute arbeitet er als Qualitätsmanager und ist viel auf Dienstreisen. Da kann es schon mal vorkommen, dass er irgendwo im Hotel sitzt und auf dem Laptop aus der Ferne Kleingarten-Angelegenheiten regelt. Kleingärtner remote sozusagen.
Und es gibt noch viel zu tun. Der Tresen soll gemeinsam mit einem benachbarten Schreiner erneuert werden, neue Lampen müssen her und der Kachelofen soll so umgebaut werden, dass er wieder nutzbar ist. Die Küche ist bereits top erneuert. Klar, der Saal hat noch seinen 70er-Jahre-Charme. Aber mal ehrlich: Wer hat schon einen 123 Quadratmeter großen Saal mitten in einer Kleingartenanlage für sich?
Am 29. August einfach vorbeikommen, ein Spiel schnappen, Kuchen probieren und schauen, was unter dem Apfelbaum so geht. Und wer danach immer noch behauptet, Kleingärten seien nur etwas für Spießer, hat vermutlich beim Spielen verloren.
Wo: Kötzschenbrodaer Straße 94, Kleingartenverein „Elblößnitz“
Wann: 29. August, ab 10 Uhr, Eintritt frei
Was: Spielen unterm Apfelbaum



