Radebeul-Ost. Ein Jahr nach der feierlichen Einweihung des Radebeuler Friedensweges wird auf dem Anger von Altkötzschenbroda wieder gemeinsam gefeiert: Am Sonntag, 30. August, lädt die Friedenskirchgemeinde zum zweiten Radebeuler Friedensmahl ein. Schon bei der Premiere im vergangenen Jahr stand die Idee im Raum, daraus eine Tradition zu machen – als sichtbares, friedliches Zeichen mitten in Radebeul.
Eingeladen sind alle: Kirchgemeinde, Radebeuler, Touristen und Menschen, die einfach vorbeikommen. Alle an einem Tisch. Das passt zur Geschichte dieses Ortes, denn in der Friedenskirche wurde am 27. August 1645 der Waffenstillstand zwischen Sachsen und Schweden geschlossen. Für Sachsen war damit der Dreißigjährige Krieg beendet.
Pfarrerin Annegret Fischer und Carola Schul, Mitinitiatorin des Friedensweges, werden beim Fest erzählen, was hinter der Idee steckt. Und musikalisch bekommt dieser Sonntag noch eine ganz besondere Note: Der neue Kantor Elieser Kauschke wird in sein Amt eingeführt. Der 26-Jährige ist einer von vier Kantoren im Kirchspiel in der Lößnitz – neben Mirjam Stange-Döring für Radebeul, Barbara Albani für Reichenberg und Moritzburg sowie Dorothea Franke, die auf Honorarbasis für die Johanneskapelle tätig ist.
Dass die Stelle neu besetzt werden konnte, freut Annegret Fischer sehr. Für Elieser Kauschke war der Weg hierher allerdings kein Selbstläufer. Rund 15 Bewerbungen hat er geschrieben, auf manche kam nicht einmal eine Antwort. Auch das gehört offenbar zum Berufsstart im Jahr 2026. Dabei bringt er einiges mit. Fünfeinhalb Jahre hat er Kirchenmusik studiert, einschließlich Orgelimprovisation, und bereits erste Berufserfahrungen gesammelt. Nun also Radebeul – ein Ort mit großer kirchenmusikalischer Tradition. Eine klassische Anfangsstelle war die Friedenskirche übrigens zuletzt vor gut 60 Jahren, als der spätere Kirchenmusikdirektor Hans Bernhard Hoch nach seinem Studium hier begann. Er blieb 30 Jahre. Ein gewisser Erwartungsdruck ließe sich daraus ableiten – muss man aber nicht. Kauschke kommt aus Berlin-Friedrichshain und zieht in Kürze nach Dresden-Löbtau. Im Juni stellte er sich in der Lutherkirche vor: mit Orgelspiel, Jugendchorprobe und Vesper.
Der Wunsch, beruflich „etwas mit Musik“ zu machen, war bei ihm früh da. Er stammt aus einem christlichen Elternhaus und ist das jüngste von fünf Kindern. Auffällig sind schon die Namen: Seine älteste Schwester heißt Genoveva, er selbst Elieser – ein alter hebräischer Name, bekannt als Name des Knechtes Abrahams.
Musik gehörte ohnehin zum Leben: Klavier, Akkordeon, Chorgesang als Bass – und Karate. Den entscheidenden Schubs gab aber die Orgel. Als Jugendlicher durfte er an der Amalien-Orgel der Paul-Gerhardt-Kirche in Berlin-Karlshorst Unterricht nehmen. Dort war für ihn klar: Das ist sein Instrument. Und ausgerechnet Paul Gerhardt begegnet ihm nun in Radebeul wieder. 2026 jährt sich der Tod des evangelischen Liederdichters zum 350. Mal. Gerhardt erlebte den Dreißigjährigen Krieg, verlor seine Kinder und früh seine Frau – und schrieb trotzdem Lieder voller Trost, Tiefe und manchmal erstaunlicher Fröhlichkeit.
Bleiben noch die Radebeuler Orgeln. Und wie klingen sie? Die Lutherkirchen-Orgel kennt Kauschke bereits aus seinem Bewerbungsverfahren. Sie ist moderner und besitzt eine Setzeranlage – vereinfacht gesagt einen kleinen Spickzettel-Computer für Klangmischungen: Registrierungen werden gespeichert und können beim Spielen per Knopfdruck abgerufen werden. Die Orgel der Friedenskirche lernte er gleich an seinem zweiten Arbeitstag kennen. Sie ist spätromantisch, besitzt vier freie Kombinationen und vor allem einen Klang, den Kauschke wunderbar beschreibt: „voluminös und bauchig“. Für einen neuen Kantor ist das vermutlich kein schlechter Arbeitsplatz. Und für ein Friedensmahl kaum eine schönere musikalische Begleitung.
Wo: Friedenskirche, Altkötzschenbroda 40
Wann: Sonntag, 30. August, 14 Uhr
Was: Friedens- und Gemeindefest für alle
Infos zum Friedensweg: Friedensweg Kötzschenbroda



