„Gustav Mahlers Musen“ präsentieren Werke des Komponisten in der Besetzung eines Streichquartetts. Foto © Branczeisz„Gustav Mahlers Musen“ präsentieren Werke des Komponisten in der Besetzung eines Streichquartetts. Foto © Branczeisz

Wurden in Radebeul jemals so viele Großgemälde gleichzeitig unter freiem Himmel präsentiert? Wohl kaum. Und wer steckt hinter einer solchen Idee? René Kuhnt natürlich. Der Bauherr und Besitzer der Villa Kolbe ist bekannt dafür, in großen Dimensionen zu denken. „Ich kann nicht klein“, sagt er über sich selbst lachend. Samstag, nur am 20. Juni von 13 bis 18 Uhr, präsentiert Kuhnt rund 30 großformatige Gemälde auf eigens angefertigten Staffeleien im Parkgelände. Damit die Werke Wind und Wetter trotzen, wurden sie mit einem speziellen Schutzlack versiegelt. Entstanden ist eine Open-Air-Galerie, die in dieser Größenordnung selbst für die kulturverwöhnte Lößnitz außergewöhnlich sein dürfte.

Der besondere Clou: Etwa 20 der gezeigten Werke stammen von René Kuhnt selbst. Über zwei Jahrzehnte hinweg entstanden die Bilder meist nachts, wenn der Schlaf ausblieb. „Dann gehe ich an meine Farbtöpfe“, erzählt er. Herausgekommen sind abstrakte Arbeiten und ausdrucksstarke Stimmungsbilder, die inzwischen katalogisiert, beschrieben und mit Preisen versehen wurden. Einige erreichen dabei deutlich vierstellige Summen. Besonders am Herzen liegt Kuhnt die „Kathedrale“. Obwohl sich bereits Kaufinteressenten fanden, blieb das Werk letztlich in seinem Besitz. Von diesem Bild wollte er sich einfach nicht trennen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten professioneller Künstler. Zu sehen ist unter anderem „Tango“ von Heinz Haberkorn. Sich selbst betrachtet Kuhnt mit einem Augenzwinkern eher als ambitionierten Sonntagsmaler als als klassischen Künstler. Gerade diese Mischung aus Leidenschaft, Experimentierfreude und persönlicher Handschrift verleiht der Ausstellung ihren besonderen Charakter. Zu den Blickfängen zählt auch das großformatige Bild „Gustav Mahler“. Es entstand im vergangenen Jahr anlässlich des Saisonauftakts der Dresdner Philharmonie. Damals hing das Werk im Kulturpalast Dresden, nun kehrt es gewissermaßen als kreative Hommage nach Radebeul zurück. Aus dem Porträt wurde inzwischen ein eigenes Kunstprojekt mit dem Titel „Denkmal wieder kreativ“.

Doch „Kunst geht in Gärten“ in der Villa Kolbe ist weit mehr als eine Gemäldeschau. Besucher können durch den Park flanieren, genießen und Musik erleben. Pianistin Ilka Kraske sorgt mit Jazz-Lounge-Klängen für entspannte Atmosphäre. Die Formation „Gustav Mahlers Musen“ präsentiert ganz in Weiß Werke des Komponisten in der Besetzung eines Streichquartetts und verbindet Musik und Gartenkunst auf besondere Weise. Auch dreidimensionale Kunst findet ihren Platz. Wolfram und Johannes Ehnert bringen gestaltete Metallarbeiten in den Park. Die beiden Künstler sind in Radebeul keine Unbekannten: Sie fertigten einst auch die markanten Turmspitzen der Villa Kolbe an.

Unübersehbarer Mittelpunkt der Anlage ist jedoch ein überdimensionales Gehirn. Das ursprüngliche Modell entdeckte Kuhnt in einer Radebeuler Gärtnerei. Niemand wollte es haben. Also modellierte er es nach, strich es goldfarben und machte daraus ein Kunstobjekt. Da in der Villa Kolbe vieles Gold glänzt, fügt sich auch dieses außergewöhnliche Werk perfekt ins Ensemble ein. Wer den Park besucht, wird daran kaum vorbeikommen.

Bei aller Strahlkraft der Villa Kolbe sollte jedoch eines nicht vergessen werden: „Kunst geht in Gärten“ lebt von seiner Vielfalt. Insgesamt öffnen rund 30 weitere Gärten ihre Tore. Dort warten kleine und feine Installationen, überraschende Kunstideen, Live-Musik und viele stille Momente zum Entdecken und Entspannen. Gerade dieses Zusammenspiel macht den besonderen Reiz des beliebten Radebeuler Kulturformats aus.

Alle teilnehmenden Gärten und das vollständige Programm finden Interessierte auf der Website der Stadt Radebeul.

www.radebeul.de/gaerten

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