Helmut Zimmermann reiste mit "Winnetou" unterm Arm in Radebeul-Ost an. Foto © BranczeiszHelmut Zimmermann reiste mit "Winnetou" unterm Arm in Radebeul-Ost an. Foto © Branczeisz
Dr. Volkmar Kunze und Helmut Zimmermann präsentieren die Kohlezeichnung erstmals.

Mit Sommerhut, Koffer und einem verpackten Kunstwerk unter dem Arm steigt Helmut Zimmermann in Radebeul-Ost aus dem Zug. Trotz drei Stunden Verspätung und drückender Hitze führt ihn sein Weg direkt ins Karl-May-Museum. Dort soll eine besondere Kohlezeichnung ein neues Zuhause finden: Winnetou, gezeichnet vom berühmten deutschen Plakatkünstler Klaus Dill. Zimmermann ist dafür eigens aus München angereist. Er kannte Dill persönlich, betreute ihn mit seiner Medienagentur und erhielt das Bild vor mehr als drei Jahrzehnten als Geschenk. Nun übergibt er es dem Museum – an den Ort, an dem es seiner Ansicht nach dauerhaft bewahrt, gezeigt und kunsthistorisch eingeordnet werden kann.

Klaus Dill prägte die deutsche Film- und Westernkunst der Nachkriegszeit. In den 1980er-Jahren gestaltete er die Titelbilder für 33 Bände von Karl Mays Hauptwerk. Rund 120 seiner insgesamt 645 Filmplakate widmeten sich Westernstoffen. Dramatische Szenen, galoppierende Pferde und markante Gesichter brachten ihm den Beinamen „deutscher Hollywoodmaler“ ein.

Seine Motive warben für Klassiker wie „Zwölf Uhr mittags“, „Zwei glorreiche Halunken“ und „Butch Cassidy und Sundance Kid“. Auch zahlreiche Winnetou- und Karl-May-Verfilmungen tragen seine unverwechselbare Handschrift. Daneben arbeitete Dill für große Hollywoodstudios und gestaltete Plakate für Filme mit Marilyn Monroe sowie für Werke von Alfred Hitchcock. Horror- und Science-Fiction-Produktionen wie „Tanz der Vampire“, „Tarantula“ und „Die Zeitmaschine“ gehörten ebenfalls zu seinem Repertoire.

Sämtliche Motive und sogar die Schriftzüge entstanden von Hand. Darüber hinaus malte Dill mehr als 500 Titelbilder für Heftromane und Comics. 1997 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Die übergebene Winnetou-Zeichnung entstand am 13. Februar 1992 während Dreharbeiten zu einem Beitrag über Dills Apachen-Kalender. Weil dem Filmteam eine bewegte Szene fehlte, griff der Künstler spontan zur Kohle. Aus der improvisierten Aufnahme wurde ein eigenständiges Werk, das Dill später Zimmermann schenkte.

Nun gehört das Bild dem Karl-May-Museum – und damit einem Ort, der sich intensiv mit Karl May und den indigenen Kulturen Nordamerikas beschäftigt.

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