Für Bahnfreunde war der Zeitpunkt besonders bitter. Die Sonderfahrt war um 13.10 Uhr in Radeburg gestartet und sollte um 14.07 Uhr Radebeul Ost erreichen. Foto © Roland HalkaschFür Bahnfreunde war der Zeitpunkt besonders bitter. Die Sonderfahrt war um 13.10 Uhr in Radeburg gestartet und sollte um 14.07 Uhr Radebeul Ost erreichen. Foto © Roland Halkasch

BÄRNSDORF. Ausgerechnet am ersten Tag des Schmalspurbahn-Festivals ist die Lößnitzgrundbahn am Sonnabend in einen Verkehrsunfall verwickelt worden. Gegen 13.35 Uhr kollidierte am Bahnübergang der Bärnsdorfer Hauptstraße (S 96) ein Renault Megane mit einem in Richtung Radebeul fahrenden Museumszug. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Renaultfahrer die herannahende Bahn offenbar übersehen.

Der Zusammenstoß hatte deutliche Folgen: Die Beifahrerin und ein Kind im Renault wurden verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Im gut besetzten Zug blieben die Fahrgäste nach aktuellem Stand unverletzt. Die Freiwillige Feuerwehr Radeburg sicherte die Unfallstelle, unterstützte den Rettungsdienst und half dabei, den Bereich rund um den Bahnübergang abzusichern.

Während am Renault Totalschaden entstand, kam die historische Dampflok vergleichsweise glimpflich davon. Betroffen war die grüne 99 586, eine 1912 bei Hartmann in Chemnitz gebaute Lok der sächsischen Baureihe IV K. An ihr entstand lediglich geringer Sachschaden. Die Staatsstraße musste wegen der Unfallaufnahme zeitweise voll gesperrt werden. Auch der Bahnverkehr geriet ins Stocken. Erst kurz vor 15 Uhr konnte die Lok ihre Fahrt in Richtung Radebeul fortsetzen.

Der Unfall trifft die Bahn ausgerechnet an einem Wochenende, an dem sie sich eigentlich von ihrer schönsten Seite zeigen will. Am 19. und 20. September läuft zwischen Radebeul, Moritzburg und Radeburg das Schmalspurbahn-Festival mit historischen Zügen, Sonderfahrten und mehreren Dampfloks. Der Crash sorgte damit mitten im Festbetrieb für einen unerwarteten Einschnitt.

Ganz neu sind solche Zusammenstöße auf der Strecke allerdings nicht. Im Juni 2024 kollidierte im Moritzburger Ortsteil Reichenberg ein VW Golf mit einer Dampflok der Lößnitzgrundbahn. Der 69-jährige Fahrer und zwei Mitfahrer wurden damals leicht verletzt. Im Oktober desselben Jahres krachte ein Kleinwagen am unbeschrankten Übergang Weinbergstraße in Radebeul in den „Lößnitzdackel“ und wurde rund 30 Meter über die Gleise geschoben. Verletzt wurde dabei niemand. Nach Angaben der Sächsischen Zeitung entfällt auf diesen Übergang etwa ein Drittel der Gleisunfälle der Bahn.

Auch 2026 gab es bereits einen ähnlichen Zwischenfall: Im Februar stieß in Radebeul ein Opel Corsa mit der Lößnitzgrundbahn zusammen. Die Fahrerin hatte den herannahenden Zug offenbar übersehen. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden wurde damals mit rund 4.000 Euro angegeben.

Besonders einschneidend bleibt jedoch der September 2009. Beim Festival zum 125-jährigen Bestehen der Strecke kam es zunächst zu einem Unfall mit einem Auto an einem Radebeuler Bahnübergang. Nur wenige Stunden später kollidierten nahe Friedewald zwei Schmalspurzüge frontal. Rund 250 Menschen saßen in beiden Zügen, später wurde die Zahl der Verletzten mit 120 angegeben. Tote oder Schwerstverletzte gab es nicht. Das Festival wurde am Abend abgebrochen.

Ob der aktuelle Unfall Auswirkungen auf den weiteren Festbetrieb hat, war zunächst offen. Der Verkehrsunfalldienst der Polizei ermittelt zur genauen Ursache. Klar ist aber schon jetzt: Der Zusammenstoß von Bärnsdorf erinnert erneut daran, wie schnell an Bahnübergängen aus einem kurzen Moment der Unachtsamkeit ein folgenreicher Unfall werden kann.

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