Sie macht kaum ein Geräusch. Statt Motorenlärm hört man das Plätschern der Elbe und das Klacken der Fahrräder auf dem Deck. Seit dem 7. Juli verbindet die neue Elektrofähre „Ritter Karras“ Coswig-Kötitz und Gauernitz – lokal emissionsfrei, barrierefrei und mit einem klaren Ziel: Menschen schneller, komfortabler und nachhaltiger über den Fluss zu bringen.
Mit der Indienststellung ist die „Ritter Karras“ bereits die dritte vollelektrische Fähre, die auf der Elbe im Landkreis Meißen unterwegs ist. Bis zu 80 Fahrgäste und 25 Fahrräder finden an Bord Platz. Gerade auf dem stark frequentierten Elberadweg dürfte das viele Radfahrer freuen. Statt langer Umwege heißt es künftig wieder: rauf auf die Fähre, kurz übersetzen und weiterrollen. Gemeinsam mit ihren Schwesterschiffen bildet die neue Fähre inzwischen so etwas wie einen schwimmenden Radweg zwischen den Elbufern. Doch die eigentliche Besonderheit steckt unter der Wasserlinie. Der Schiffsrumpf wurde eigens an die Bedingungen der Elbe angepasst. Sein geringer Tiefgang sorgt dafür, dass die Fähre auch dann noch unterwegs sein kann, wenn andere Schiffe wegen Niedrigwassers längst pausieren müssen. Gerade in den trockenen Sommern der vergangenen Jahre war genau das immer wieder ein Problem. Das Steuerhaus entstand unabhängig vom Rumpf und wurde erst nach seiner Fertigstellung als komplette Einheit auf das Schiff gesetzt – fast wie ein großes Bauteil aus einem Baukasten.
Nicht nur auf dem Wasser hat sich etwas verändert. Auch die Fährstelle zwischen Coswig-Kötitz und Gauernitz wurde umfassend modernisiert. Neue technische Anlagen und barrierefreie Zugänge sollen dafür sorgen, dass Fahrgäste mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen künftig deutlich einfacher an Bord gelangen. Gleichzeitig wurde die Infrastruktur auf die Anforderungen der kommenden Jahrzehnte vorbereitet.
Dass die Elbfähren mehr sind als touristische Ausflugsboote, zeigt ein Blick auf ihre Entwicklung. Seit 2021 gehören vier Fährverbindungen offiziell zum öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis Meißen. Damit wurde ihr Betrieb langfristig gesichert und zugleich der Weg für die Erneuerung der gesamten Flotte frei gemacht. Vor rund drei Jahren fiel schließlich die Entscheidung, die Fähren Schritt für Schritt auf vollelektrischen Antrieb umzustellen. Neben dem Klimaschutz spielte vor allem der wachsende Radverkehr entlang der Elbe eine wichtige Rolle. Die neuen Schiffe sollen den Alltag ebenso erleichtern wie Ausflüge in die Region.
Die „Ritter Karras“ ist Teil des Projekts MEI_eFAIR. Gemeinsam beschaffen der Landkreis Meißen, die Verkehrsgesellschaft Meißen mbH und mehrere Kommunen insgesamt vier vollelektrische Fähren. Zum Projekt gehören außerdem neue schwimmende Anleger, moderne Landanlagen und die passende Ladeinfrastruktur. Die Nationale Klimaschutzinitiative fördert das Gesamtvorhaben mit rund 7,88 Millionen Euro.



