Sie studierte, fand keinen Job und ist jetzt Jahrgangsbeste der neuen Winzer-Generation - Lotte Mann vom Weingut Schuh. Foto © BranczeiszSie studierte, fand keinen Job und ist jetzt Jahrgangsbeste der neuen Winzer-Generation - Lotte Mann vom Weingut Schuh. Foto © Branczeisz
Acht junge Winzer - alle bleiben in Sachsen. Foto © Branczeisz
Ein besonderes Geschenk: eine Flasche Goldriesling 2025 vom Pillnitzer Königlichen Weinberg. Dort hatte jeder der jungen Winzer selbst mitgearbeitet.
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Felix Hößelbarth, Chef der Hoflößnitz, als Gastgeber der diesjährigen Freisprechung der Winzer.
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Da stehen sie – acht junge Menschen, acht Geschichten und ein Jahrgang, der etwas Besonderes geschafft hat. Nele Keller vom Weingut Karl Friedrich Aust, Josephine Wolf von der Weinmanufaktur am Mariaberg, Wendel Alex Rost vom Weingut Hoflößnitz, Max Luis Lerche vom Weingut Schloss Proschwitz, Salvino Danó und Thassilo Uhlig vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth sowie Maximilian Streck und Lotte Mann vom Weingut Schuh haben ihre Ausbildung geschafft. Diesmal gibt es ein Novum: Alle acht bleiben zunächst in sächsischen Weingütern.

Dass ihr Berufsweg sie irgendwann trotzdem in die Ferne führen darf, ist ausdrücklich erwünscht. Felix Hößelbarth, Chef der Hoflößnitz, würde seine jungen Winzer sogar gern hinausziehen sehen: andere Weingüter kennenlernen, neue Erfahrungen sammeln, einen eigenen Blick auf Wein entwickeln. Und dann, so seine Hoffnung, mit diesem Schatz im Gepäck wieder nach Sachsen zurückkommen.

Eine, auf die genau solch ein Weg warten könnte, ist Lotte Mann. Sie ist 33 Jahre alt, Jahrgangsbeste mit einem Durchschnitt von 1,44 – und, wie sie selbst lachend sagt, eine „totale Quereinsteigerin“. Zunächst studierte sie Umwelt-Ressourcen-Management. Einen Job fand sie danach nicht. Zwei Jahre arbeitete sie in der Gastronomie, bis sie einen Schlussstrich zog, sich ein Herz fasste und noch einmal ganz neu begann: drei Jahre Winzerausbildung. Mit dem Erasmusprogramm sammelte sie bereits Erfahrungen in Belgien, Schweden und Deutschland. Heute lebt sie in Dresden-Trachau und bleibt zunächst beim Weingut Schuh. Wohin ihre Reise später führt? Das lässt sie entspannt auf sich zukommen. Jetzt heißt es erst einmal: bodenständig Erfahrungen sammeln.

Genau diese Bodenständigkeit verbindet sich in der sächsischen Winzerausbildung mit erstaunlicher Vielfalt. Einer, der den Nachwuchs dabei begleitet, ist Alexander Krah, Ausbilder der jungen sächsischen Winzer. Denn guter Wein entsteht längst nicht nur zwischen Reben und Fässern. Im Weinberg, im Keller und bei der Vermarktung muss alles zusammenspielen. Und Sachsen zeigt dabei, was möglich ist: Obwohl das Anbaugebiet als ausgewiesene Weißweinlage gilt, entstehen hier längst auch Spitzen-Rotweine. Dahinter stehen gut ausgebildete Winzerinnen und Winzer – und eine Ausbildung, die sich ständig weiterentwickelt.

Hößelbarth freut sich besonders über junge Menschen, die sich ganz bewusst für einen Beruf entscheiden, der viel draußen und eben nicht ausschließlich im Büro stattfindet. Ganz ohne Schreibtisch geht es trotzdem nicht. Vermarktung, Dokumentation und Aufgaben in Ämtern gehören heute genauso zum Weingeschäft wie Weinberg und Keller. Wie sehr sich der Beruf verändert hat, zeigt ein Blick zurück. Zu DDR-Zeiten war der damalige „Facharbeiter für Weinbau“ keineswegs automatisch an der Weinherstellung beteiligt. „Der Keller“ blieb in der Ausbildung weitgehend dem Küfer vorbehalten, berichtete Christian Kröling, Referatsleiter Obst-, Gemüse- und Weinbau im Landesamt. Heute sei gerade die Vielfalt der Ausbildung ein Privileg – und öffne entsprechend viele berufliche Wege.

Kröling hatte für die Absolventen außerdem ein besonderes Geschenk dabei: eine Flasche Goldriesling 2025 vom Pillnitzer Königlichen Weinberg. Dort hatte jeder der jungen Winzer selbst mitgearbeitet. Deshalb bekam auch jeder eine ganz persönliche Flasche – mit dem eigenen Namen auf dem Etikett. „Ja, es war ein guter Jahrgang“, fasste Karin Schmidt, zuständig für die grünen Berufe im Landkreis, zusammen.

Und dieser Jahrgang trifft auf einen Weinbau, der sich ebenfalls verändert. „Das Verständnis von Landwirtschaft entwickelt sich“, sagt Hößelbarth. Auch im nicht biologischen Anbau würden zunehmend Elemente des ökologischen Weinbaus übernommen – etwa Begrünung im Weinberg, alternativer Pflanzenschutz, Entblätterung sowie neue Lösungen bei Bewässerung und Beschattung. Dazu kommen Kennzeichnungspflichten, neue Technologien, neue Trends und neue Geschmacksrichtungen.

Für die acht jungen Winzer bedeutet das vor allem eines: Sie starten in einen Beruf, der Tradition kennt, aber niemals stehen bleibt. Vielleicht führt manche Reise noch weit hinaus. Doch erst einmal bleiben alle hier. Zwischen Elbtal, Weinbergen und Kellern beginnt ihr eigener Weg. Und für Sachsens Wein ist das ein ziemlich guter Jahrgang.

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