Jens Seidel macht die Kutschen für Bacchus und den Herbst fit. Foto © privatJens Seidel macht die Kutschen für Bacchus und den Herbst fit. Foto © privat
Das ist die Route vom Winzerzug.
Das ist die Route vom Winzerzug.

Radebeul. Elf Jahre nach dem letzten großen Winzerzug kehrt am 3. Oktober 2026 ein Stück Radebeuler Festgeschichte auf die Straßen der Oberlößnitz zurück. Um 11 Uhr setzt sich der rund drei Kilometer lange Zug an der Ecke Hoflößnitzstraße/Weinbergstraße in Bewegung. Über Weinbergstraße, Eduard-Bilz-Straße, Augustusweg und Bennostraße geht es bis zum Hörningplatz, wo er gegen 13 Uhr ankommen soll.

Hinter den Kulissen steckt viel Arbeit. Jens Seidel macht Kutschen und Wagen fit für den Zug. Seit 2015 haben sich die Anforderungen verändert: Weil heute mehr Traktoren als Zugmaschinen eingesetzt werden und die Auflagen für Pferdegespanne gestiegen sind, mussten Deichseln umgebaut werden. Dazu kamen Farbe, Dekoration und viel Organisation. Selbst der Transport mancher Gefährte in Seidels „Werkstatt“ war nur privat über eine befreundete Spedition möglich. Vier Pferdekutschen sollen an frühere Winzerzüge erinnern. Darin fahren der Oberbürgermeister, die sächsischen Weinhoheiten sowie die Figuren Bacchus und Herbst. Die Gespanne kommen vom Kutschbetrieb Gürntke aus Bärwalde. Der Betrieb ist auf Kutsch- und Kremserfahrten spezialisiert und hat auch Landauer und Jagdwagen im Fuhrpark. Die eingesetzten Pferde sind erfahren. Weitere Festwagen ziehen historische Traktoren.

Nach der Absicherung durch Feuerwehr und Polizei eröffnet ein Fanfarenzug den Umzug. Es folgen Kutschen und Wagen, Winzer der Region und Vereine wie der Schützenverein Kötzschenbroda. Mit dabei sind außerdem Vorkriegsfahrzeuge von Ford, Chrysler, Buick, Maxwell, Adler und Austin. Später folgt ein weiterer Fanfarenzug. Drei Wartburg 311 und ein Framo schlagen die Brücke in die 1960er-Jahre. Jens Seidel hat recherchiert: Solche Fahrzeuge fuhren bereits beim Winzerzug 1964 über die damalige Thälmannstraße, die heutige Hauptstraße.

Der Zug soll nicht nur angeschaut werden. Hinter einem Kremser darf sich das Publikum anschließen und selbst Teil des Winzerzuges werden. Willkommen sind traditionelle Kleidung, fantasievolle Deko zum Thema Wein oder einfach gute Laune. Damit die Strecke frei bleibt, werden entlang der Route Flyer verteilt – mit der Bitte, dort am 3. Oktober keine Autos abzustellen. An drei Stellen wird der Winzerzug moderiert: vor der Einfahrt in die Weinbergstraße, an der Ecke Eduard-Bilz-Straße und am Hörningplatz. Dort geht das Fest weiter. Die Freiwillige Feuerwehr sorgt für Essen und Getränke, dazu sind Bühne mit Livemusik, Hüpfburg, Alpakas und Stände geplant. Historische Aufnahmen rund um den Platz zeigen, wie die Winzerzüge früher aussahen.

Der Umzug ist Höhepunkt des 10. Churfürstlichen Weinbergfestes der Hoflößnitz. Am 3. und 4. Oktober wird jeweils von 12 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt gefeiert. Geplant sind Händlermarkt, Livemusik, Kreativangebote, Kindereisenbahn, Alpakas und Puppentheater. Frank Andert, Geschäftsführer der Stiftung Hoflößnitz, bietet Sonderführungen durch das Sächsische Weinbaumuseum an. Auch Weingüter und Straußwirtschaften der Umgebung laden zu sächsischem Wein und regionalen Spezialitäten ein. So wird aus dem historischen Winzerzug ein Fest zum Zuschauen, Mitlaufen und gemeinsamen Feiern.

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