Heike Keil packt die Kartons - die Volkshochschule Meißen zieht an den Baderberg. Foto © BranczeiszHeike Keil packt die Kartons - die Volkshochschule Meißen zieht an den Baderberg. Foto © Branczeisz

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Meißen. Wer glaubt, eine Volkshochschule passe auf einen USB-Stick, hat noch nie einen VHS-Umzug erlebt. Davon kann Heike Keil ein Lied singen. Die verantwortliche Mitarbeiterin der Volkshochschule am Standort Meißen blickt derzeit auf Kartonstapel statt auf Kursunterlagen. Denn die Tage der VHS an der Niederauer Straße sind gezählt. Am 18. Juni findet dort der letzte Kurs statt.

Bis dahin und vor allem danach wartet jede Menge Arbeit. Rund 70 Tische, 120 Stühle, Bücher, Unterrichtsmaterialien, Technik und Möbel müssen an den neuen Standort am Baderberg 10 gebracht werden. Besonders Kopfzerbrechen bereiten die schweren Tafeln. Sie müssen auseinandergebaut werden, dürfen beim Transport aber keinen Schaden nehmen. Dazu kommt die Situation im bisherigen Gebäude. „Wir haben nur einen schmalen Personenaufzug“, beschreibt Keil die Herausforderung. Vieles wird deshalb aus dem zweiten Obergeschoss per Muskelkraft nach unten getragen werden müssen.

Ein professionelles Umzugsunternehmen wird dabei nicht helfen können. Die Volkshochschule stemmt den kompletten Standortwechsel selbst. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisieren den Umzug gemeinsam mit Partnern in Eigenregie. „Und die meisten von uns sind nun einmal Frauen“, sagt Keil mit einem Schmunzeln. Hintergrund ist die Finanzierung: Die Volkshochschule im Landkreis Meißen ist ein gemeinnütziger Verein und muss den Umzug aus eigenen Haushaltsmitteln bezahlen. Ganz allein steht die Einrichtung dennoch nicht da. Unterstützung kommt aus der Region. Von der Feuerwehr an der Zinzendorfer Straße in Radebeul erhielt die VHS zusätzliche Tische und Stühle, weil zwei Unterrichtsräume am neuen Standort größer ausfallen als bisher. Auch aus dem ehemaligen Laborgebäude an der Meißner Straße in Radebeul, das derzeit zur kulturellen Mitte entwickelt wird, konnten einige Möbel übernommen werden.

Selbst die Transportfahrzeuge mussten organisiert werden. Einen großen 40-Tonner wird man allerdings vergeblich suchen. Stattdessen setzt die Volkshochschule auf einen 3,5-Tonner, der mehrfach pendelt. Der Grund ist einfach: Die engen Gassen rund um den Baderberg lassen größere Fahrzeuge kaum zu. Der Umzug erfolgt in mehreren Etappen. Bereits am 15. und 16. Juni wird die Lehrküche ausgebaut. Ein Küchenbauer übernimmt dabei den fachgerechten Ab- und Wiederaufbau. Die restliche Ausstattung folgt am 23. und 24. Juni. Dann werden Möbel, Technik, Unterrichtsmaterialien und Büroeinrichtungen an den neuen Standort gebracht. Für Heike Keil ist der Umzug allerdings nicht nur eine logistische Herausforderung. Parallel musste sie bereits die Zukunft organisieren. Die neue Raumaufteilung am Baderberg 10 kennt sie längst auswendig. Kurse, Belegungen und Raumpläne wurden bereits vorbereitet, damit der Unterricht möglichst nahtlos weiterlaufen kann. Der neue Standort in Meißen zählt mit seinen dann rund 30 Dozentinnen und Dozenten, sieben Unterrichtsräumen und einer Lehrküche zu den größten Einrichtungen ihrer Art im Landkreis.

Der neue Standort selbst bringt Geschichte mit. Das Gebäude am Baderberg 10 wurde einst als Laurentius-Spital genutzt und hat mehrere Jahrhunderte Meißner Stadtgeschichte erlebt. Im Vorfeld des Umzugs recherchierte die Volkshochschule im Stadtarchiv. Dort fanden die Mitarbeiter historische Rechnungen, Baupläne und Dokumente, die teilweise nur mit Handschuhen angefasst werden durften. Auch auf der Baustelle kamen interessante Funde ans Licht – Geschichten, die zu einem späteren Zeitpunkt erzählt werden sollen.

Doch zunächst zählt der Blick nach vorn. Der letzte Kurs an der Niederauer Straße wird ein Pilates-Angebot sein. Bereits am 6. Juli beginnt am neuen Standort am Baderberg 10 das nächste Kapitel der Volkshochschule. Den Auftakt macht ein Französischkurs. Gleichzeitig sucht die VHS weitere Dozentinnen und Dozenten. Wer besondere berufliche Erfahrungen, Fachwissen oder kreative Ideen mitbringt, ist willkommen. Ein pädagogisches Studium ist dafür nicht zwingend erforderlich. Gesucht werden Menschen, die ihr Wissen weitergeben möchten. Dass ungewöhnliche Themen gefragt sind, erlebt die Volkshochschule immer wieder. Kurse zur Selbstversorgung, durch das Kräuter- und Pflanzenjahr oder zum Räuchern in den Raunächten treffen aktuell auf großes Interesse.

Mit dem Abschied von der Niederauer Straße endet für Heike Keil und ihre Kollegen ein vertrauter Abschnitt. Nach dem Schleppen, Packen und Organisieren soll am Baderberg jedoch nahtlos weitergehen, was die Volkshochschule seit Jahrzehnten ausmacht: Menschen zusammenbringen, Wissen vermitteln und Raum für neue Begegnungen schaffen.

www.vhs-lkmeissen.de

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