Das Glasdach müsste aus Sicherheitsglas bestehen - so ist es ein Risiko. Foto © BranczeiszDas Glasdach müsste aus Sicherheitsglas bestehen - so ist es ein Risiko. Foto © Branczeisz
Der Anbau führt in den Keller und nach draußen - dort droht der nächste Ärger.
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Der Anbau führt in den Keller und nach draußen – dort droht der nächste Ärger. Foto © Branczeisz
Jetzt soll an der Seite ein Durchbruch mit einer Not-Tür kommen, die nach außen öffnet.
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Jetzt soll an der Seite ein Durchbruch mit einer Not-Tür kommen, die nach außen öffnet. Foto © Branczeisz

Moritzburg. Im alten Rathaus geht es längst nicht mehr nur um bröckelnden Sandstein. Nach einer ganzen Reihe von Prüfungen steht die Gemeinde unter Zugzwang. 25 Mängel müssen abgestellt werden. Zwei davon sind so gravierend, dass dem denkmalgeschützten Haus sogar die Sperrung droht. Besuch gab es unter anderem vom Rechnungsprüfungsamt Wurzen, von der Unfallkasse und der Landesdirektion. Die Arbeitsstättenschau fand zuletzt 2008 statt – also vor 18 Jahren. „Warum die jetzt alle zu uns kommen, weiß ich auch nicht“, sagt Bürgermeisterin Katrin Sontag. Für sie ist die Mängelliste jedenfalls eine weitere Baustelle auf einem ohnehin gut gefüllten Schreibtisch. Nicht jeder Punkt ist gleich ein Drama. Mal fehlt die richtige Kennzeichnung an einem Feuerlöscher, mal geht es um andere Vorschriften, die erfüllt werden müssen. Daneben gibt es Empfehlungen. Doch bei Punkt 17 wird aus Papierkram ein handfestes Problem.

Ein Glasdach wird zum Risiko

Das Dach des maroden Rathaus-Anbaus besteht aus einfachem Glas. Fällt beispielsweise ein Ast darauf, könnte es zersplittern. Der Anbau führt unter anderem hinunter zu den Toiletten im Keller und zum hinteren Ausgang. Eigentlich müsste hier Sicherheitsglas eingesetzt werden. Nur: Geld in ein neues Glasdach zu stecken, obwohl der gesamte Anbau sanierungsbedürftig ist, ergibt wenig Sinn. Die Gemeinde muss innerhalb von drei Monaten eine Lösung schaffen, sonst droht die Sperrung des Rathauses. Geplant ist deshalb eine Zwischendecke, die das Risiko abfangen soll. Eine pragmatische Lösung statt einer teuren Reparatur am ohnehin maroden Bestand.

Auch die Fluchtwege machen Ärger

Damit nicht genug. Die Türen im alten Rathaus öffnen sich nach innen. Für die vorgesehenen Notausgänge ist das ein Problem: Im Ernstfall müssen sich die Türen in Fluchtrichtung öffnen lassen. Auch hier steht eine mögliche Sperrung im Raum. Automatische Drehtüren scheiden wegen des Denkmalschutzes aus. Also wird es wohl einen seitlichen Durchbruch am Anbau samt Metalltreppe geben. Schön ist anders. Sontag rechnet selbst damit, dass dieses Provisorium lange bleiben könnte. Denn eine grundlegende Sanierung des alten Rathauses liegt noch Jahre entfernt.

Dabei hat das Haus Geschichte: 1874 als sogenannte Lorenzvilla errichtet, wird es seit 1923 als Rathaus genutzt. Schon länger sorgt der Eingangsportikus mit seinen vier Sandsteinsäulen für Ärger. Der Balkon darüber ist seit mehr als zwei Jahren gesperrt. Wie „www.Moritzburg-aktuell.de“ bereits berichtete, sind für die Portikus-Sanierung rund 300.000 Euro eingeplant, 70 Prozent davon sollen gefördert werden. Der Baustart ist für Anfang November vorgesehen, die Fertigstellung für Mai 2027. Während vorn also endlich saniert wird, muss die Gemeinde hinten erst einmal verhindern, dass das Rathaus dichtmacht. Die großen Lösungen bleiben Zukunftsmusik – die Frist für die kleinen läuft bereits.

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