Dieses Fahrzeug scannt jetzt jede Straße in Dresden – sogar Risse, die kaum sichtbar sind. Foto © DresdenDieses Fahrzeug scannt jetzt jede Straße in Dresden – sogar Risse, die kaum sichtbar sind. Foto © Dresden

Es sieht aus wie ein Fahrzeug aus einem Vermessungslabor. Kameras auf dem Dach, Sensoren an Bord, dazu ein Laserscanner, der jede Unebenheit registriert. Ab dem 22. Juni fährt dieses orangefarbene Spezialfahrzeug durch Dresden – und sucht nach den kleinsten Schwächen im Straßennetz.

Nicht nach Schlaglöchern, die jeder Autofahrer längst kennt. Sondern nach den Schäden, die noch niemand bemerkt. Risse ab einer Breite von 0,5 Millimetern. Winzige Verformungen im Asphalt. Stellen, an denen die Fahrbahn langsam nachgibt.

Bis September 2026 wird das Messfahrzeug rund 1.830 Kilometer Straßen erfassen. Es fotografiert, scannt und vermisst die Fahrbahnen im gesamten Stadtgebiet. Was dabei entsteht, ist eine digitale Bestandsaufnahme des Dresdner Straßennetzes – genauer als jede klassische Sichtprüfung.

Denn Straßen altern nicht plötzlich. Sie altern schleichend. Ein heißer Sommertag hier, ein schwer beladener Lkw dort. Im Winter dringt Wasser in kleine Risse ein, friert und sprengt den Asphalt Stück für Stück auseinander. Jahre später entsteht daraus das Schlagloch, über das sich Autofahrer ärgern. Genau diesen Prozess will Dresden besser verstehen.

Dafür reicht die Befahrung allein nicht aus. An mehreren Standorten im Stadtgebiet messen Sensoren rund um die Uhr, welche Belastungen auf die Straßen wirken. Auf der Tharandter Straße, der Dohnaer Straße und der Washingtonstraße erfassen sie Fahrzeuggewichte und Temperaturen in verschiedenen Tiefen des Straßenkörpers. Weitere Messstellen folgen auf der Bergstraße und der Stauffenbergallee.

So entsteht ein digitales Abbild der Dresdner Straßen. Die Daten sollen künftig helfen vorherzusagen, welche Abschnitte zuerst saniert werden müssen und wo sich Reparaturen besonders lohnen. Statt erst zu reagieren, wenn der Asphalt sichtbar zerbricht, soll die Stadt früher eingreifen können.

Das Projekt kostet rund 1,3 Millionen Euro und wird größtenteils über das Smart-City-Förderprogramm des Bundes finanziert. Für die meisten Dresdner bleibt davon vorerst nur ein kurzer Anblick im Straßenverkehr. Für die Stadtverwaltung könnten die gesammelten Daten jedoch darüber entscheiden, welche Straßen in den kommenden Jahren Baustellen werden – und welche davon verschont bleiben.

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