Radebeul streitet über die künftige Radverkehrsführung Richtung Coswig. Foto © BranczeiszRadebeul streitet über die künftige Radverkehrsführung Richtung Coswig. Foto © Branczeisz

Wie will die Stadt Radebeul ihre Radfahrer in Richtung Coswig führen? Direkt auf der Meißner Straße, die jetzt in Radebeul-West ausgebaut wird, samt Haltepunkt an der Brücke – oder soll der Radverkehr z.B. über den Lachenweg geführt werden? Damit muss sich jetzt erneut der Stadtentwicklungsausschuss befassen, nachdem der Stadtrat die Debatte in den Ausschuss zurückverwiesen hat. Hinter der Frage steckt weit mehr als nur die Wahl zwischen zwei Straßen. Es geht um Fördergelder, Planungszeiten und um einen politischen Streit, der inzwischen deutlich macht, wie unterschiedlich die Vorstellungen über die Zukunft des Verkehrs in Radebeul sind.

Denn eine Verlagerung des Radverkehrs auf den Lachenweg hätte Folgen. Die Strecke verläuft teilweise über Coswiger Gebiet. Damit wäre die Nachbarstadt automatisch in die weiteren Planungen einzubeziehen. Nach Einschätzung von Baubürgermeister Dr. Jörg Müller könnte allein dieser Schritt die Planungen um bis zu sechs Monate verzögern.

Dazu kommt die finanzielle Komponente. Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass der Umbau der Meißner Straße als Gesamtmaßnahme gefördert wird. Werden wesentliche Bestandteile der Planung verändert, könnten Fördermittel auf dem Spiel stehen. Eine Garantie, dass alles wie bisher finanziert wird, gibt es dann nicht mehr.

Die Diskussion hat den Stadtrat inzwischen in zwei Lager geteilt. Während CDU, Freie Wähler und AfD die vorgelegte Planung stoppten und zur erneuten Beratung in den Ausschuss zurückschickten, drängen Grüne, Linke und SPD auf eine schnelle Entscheidung.

Für die Gegner der aktuellen Planung ist die Meißner Straße schlicht zu eng. Sie befürchten, dass Schutzstreifen für Radfahrer den Verkehr zusätzlich ausbremsen, Parkplätze verloren gehen und neue Konflikte zwischen Autos, Straßenbahn und Radfahrern entstehen. Ihrer Ansicht nach sollten Radfahrer künftig stärker über parallel verlaufende Nebenstraßen wie den Lachenweg geführt werden.

Die Befürworter halten dagegen. Wer auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen Radebeuls unterwegs sei, müsse dort auch sicher Rad fahren können. Eine umfassende Sanierung der Meißner Straße ohne zeitgemäße Radverkehrslösung sei aus ihrer Sicht nicht mehr vermittelbar. Die erneute Vertagung bewerten sie deshalb als unnötigen Zeitverlust.

Dabei ist die Debatte nicht ganz so eindeutig, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Denn das bestehende Radverkehrskonzept der Stadt verfolgt grundsätzlich bereits den Ansatz, Radfahrer von der Meißner Straße auf parallele Routen zu lenken, siehe die geplante Fahrradstraße in der Pestalozzistraße. Der Grund liegt in den beengten Verhältnissen vor Ort: Zwischen Fahrspuren, Straßenbahngleisen, Haltestellen und bestehenden Nutzungen sind die Platzreserven entlang der Meißner Straße einfach zu knapp.

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