Die Deutsche Weinkönigin Anna Zenz und die Weinprinzessinnen Emma Meinhardt und Katja Simon zu Gast bei Flacks in Radebeul. Foto © BranczeiszDie Deutsche Weinkönigin Anna Zenz und die Weinprinzessinnen Emma Meinhardt und Katja Simon zu Gast bei Flacks in Radebeul. Foto © Branczeisz

Wenn jeder Sachse pro Jahr nur eine halbe Flasche sächsischen Wein trinken würde, wären die heimischen Winzer glücklich. Eine „Weinmädchenrechnung“ sozusagen – aber eben auch ein Hinweis darauf, wie stark sich der Markt verändert. Denn die Sachsen trinken statistisch gesehen kaum 100 Milliliter „ihrer Weine“, bei einem Gesamtkonsum von 20 Litern Wein. Natürlich trinken Kinder keinen Wein, viele ältere Menschen konsumieren deutlich weniger Alkohol als frühere Generationen und dazu greifen zahlreiche Verbraucher lieber zu internationalen Tropfen aus Italien, Frankreich oder Spanien. Kommt dann noch mehr Sparsamkeit im Alltag hinzu, sieht die Lage für viele Winzer schnell schwierig aus. Nicht nur Deutschlands Winzer klagen inzwischen über sinkende Absätze, auch die heimischen Brauereien spüren den Wandel deutlich.

Umso wichtiger wird es, die eigenen Weine sichtbar zu machen und Menschen wieder stärker für regionale Produkte zu begeistern. Genau dafür sind derzeit die Deutsche Weinkönigin Anna Zenz von der Mosel sowie die Deutschen Weinprinzessinnen Emma Meinhardt aus Saale-Unstrut und Katja Simon von der Hessischen Bergstraße unterwegs. Begleitet werden sie von den ehemaligen Weinhoheiten Alona Chesnok, Sabine Leonhardt und Maria Lehmann. Gemeinsam vertreten sie alle deutschen Weinbaugebiete und reisen quer durch die Regionen, besuchen Winzer, Gästeführer und erleben dabei die Besonderheiten der jeweiligen Weinlandschaften ganz direkt.

In Sachsen führt die Tour zunächst zu Schloss Wackerbarth nach Radebeul. Beim „Sekt im Park“ feiern dort mehr als 3.000 Gäste das prickelnde Getränk in den historischen Anlagen des Staatsweinguts. Danach geht es weiter zu den Weingütern Drei Herren, Hoflößnitz und Karl-Friedrich Aust. Doch die Reise besteht nicht nur aus Prestigeadressen. Auch Flacks Fachmarkt gehört fest zum Programm. Das Geschäft gilt inzwischen als echte Vinothek der Sächsischen Weinstraße. Mehr als 400 Weine von rund 40 Weingütern stehen dort in den Regalen – darunter auch zahlreiche Tropfen kleinerer Winzer aus Sachsen, Brandenburg und Saale-Unstrut. Manche Weine gibt es dort sogar exklusiv, obwohl sie sonst ausschließlich direkt im jeweiligen Weingut erhältlich sind.

Für die Weinhoheiten wird die Tour schnell zum sportlichen Programm. In den Weinbergen informieren sie sich über die berühmten Steillagen des Elbtals, laufen durch die Reben und lernen den Goldriesling kennen – eine Rebsorte, die es fast nur in Sachsen gibt. Anschließend geht es per Schiff weiter nach Pillnitz und später noch zu Fuß über den Dresdner Neumarkt. Spätestens an solchen Tagen zeigt sich: Wer Weinhoheit ist, braucht keine High Heels, sondern gute Laufschuhe.

Nach vielen Stationen ist die Freude entsprechend groß, bei Flacks erstmal einen Imbiss zu bekommen. Dort wird nicht nur gegessen, sondern natürlich auch gefachsimpelt. Verkostet wird unter anderem der Jubiläumswein „1903“ von Flacks. Schnell kommt dabei auch die Frage auf, was moderne Weinhoheiten heute eigentlich können müssen. Reicht ein sympathischer Auftritt oder braucht es tiefes Fachwissen? Technische Feinheiten müssen sie sicher nicht bis ins letzte Detail beherrschen. Entscheidend ist vielmehr solides Wissen, das sie charmant, humorvoll und verständlich vermitteln können. Schließlich sind sie in erster Linie Botschafter der deutschen Weinregionen.

Deshalb gehören inzwischen Seminare dazu: Weinbaugeschichte, Sensorik, Rhetorik und Social Media stehen dort genauso auf dem Plan wie der Austausch mit Weingästeführern. Gerade diese Gästeführer gelten vielerorts als wandelnde Weinlexika. Sie kennen nicht nur die Geschichten hinter den Weinen, sondern auch die Menschen, Landschaften und Traditionen. Und genau darum geht es am Ende: Sachsens Weinwelt nicht nur zu erklären, sondern als Erlebnis sichtbar zu machen.

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