Schloss Wackerbarth hat jetzt eine eigene Briefmarke – zum großen 190-jährigen Sektjubiläum. Schon die berühmte Sektmanufaktur Bussard hatte sich auf einem Postwertzeichen verewigen lassen. Die neue Marke ist bei der Deutschen Post in einer exklusiven Auflage erschienen und nur im Shop von Schloss Wackerbarth erhältlich.
Sammeln – möglich. Aber Martin Junge möchte sie natürlich in alle Welt verschickt sehen. Denn genau das ist die Genuss-Botschaft aus Sachsen: Kommt zu uns nach Radebeul, nach Sachsen, auf Schloss Wackerbarth.
Wie wichtig diese Botschaft ist, zeigt allein die Tatsache, dass Staatsministerin Barbara Klepsch selbst zur Präsentation der Sonderbriefmarke nach Radebeul kam. Während das Finanzministerium auf Wackerbarth fiskalischer Hausherr ist, hat Klepsch die schöne Aufgabe, Kultur und Tourismus zu fördern. Da konnte sie überzeugende Zahlen mitbringen: 240.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr – damit zählt Schloss Wackerbarth zu den weltweit bestbesuchten Weingütern.
Klepsch: „Das Thema Genuss, das Thema sächsischer Wein hat für uns einen hohen Stellenwert.“ Weintouristen entscheiden sich ganz bewusst für ihre Ziele: Stimmt die Qualität, wo kann ich etwas erleben, wie ist das Umfeld? So wird Urlaub gebucht. Und Weintouristen gehören zu den attraktivsten Touristen – sie geben elf Prozent mehr Geld aus als andere Übernachtungsgäste und sogar 55 Prozent mehr als andere Tagesgäste. Der Freistaat zählte im vergangenen Jahr in Sachsen drei Millionen Übernachtungs- und Tagesgäste sowie 300 Millionen Euro Umsatz. Das Staatsweingut gehört damit zu den führenden Tourismus-Leuchttürmen in Sachsen. Ein großes Dankeschön gilt allen – vom Winzer bis zum Kellermeister, und das über Generationen hinweg.
Vor allem deshalb, weil das Wissen über die moussierenden Weine über Jahrhunderte weitergegeben wurde, wie Marketingleiter Michael Thomas mit Stolz sagen konnte. Im Jahr 1836 gründeten drei visionäre Winzer in Radebeul einen „Actienverein zur Fabrikation moussierender Weine“. Damit legten sie im Elbtal nicht nur den Grundstein für die erste Sektkellerei Sachsens, sondern auch für eine der ältesten Sektmanufakturen Europas.
Die Expertise für die Produktion feinster Flaschengärsekte holten sich die sächsischen Gründer aus dem Schaumweinherzen Frankreichs, aus Reims. Ihr erster Kellermeister, Johann Joseph Mouzon, war ein erfahrener Fachmann und brachte die klassische Flaschengärung aus seiner französischen Heimat nach Radebeul. Bis heute führt Schloss Wackerbarth die Tradition und Handwerkskunst des Hauses Bussard fort. Nach dem Vorbild Monsieur Mouzons vermählen die Radebeuler Kellermeister ausgewählte sächsische Trauben zu prickelndem Genuss und gehören damit zu den besten Wein- und Sektmanufakturen Deutschlands. So wurde die „Hommage 1836“ im vergangenen Jahr bei Meiningers Deutschem Sektpreis zum besten trockenen Sekt Deutschlands gewählt.
Ein langer Weg, den man zurückgelegt hat. Entscheidend dazu beigetragen hat auch der Freistaat Sachsen, der 2002 die Vision hatte, Schloss Wackerbarth als erstes Erlebnisweingut Europas zu etablieren. Das war damals ein echtes Novum. Aber genau diese Verbindung von Produktion, Erlebnis, Kultur und Tourismus macht Wein und Sekt als Kulturgut heute nachhaltig erlebbar.
Selbst nach altbewährtem Verfahren rütteln, um die Trübung des Sekts zu verhindern, durfte die Ministerin unter den aufmerksamen Blicken von Füllmeister Thomas Milster. In der Praxis heißt das: 21 Tage lang wird nach exakten Abläufen immer wieder gerüttelt. Zu Beginn liegt die Flasche zwei Wochen fast waagerecht im schrägen Rüttelpult und wird zunächst nur leicht gedreht. Dann folgen eine Vierteldrehung und ein kräftiger Ruck, sodass die Hefe immer ein kleines Stück nach unten wandert – und die Flasche langsam klar wird. In den kilometerlangen Gängen mancher Champagnerhäuser laufen die Rüttler mit Gummihämmern entlang und klopfen die Hefe vorsichtig vom Rand.
Das klingt leichter, als es tatsächlich ist: In Frankreich gibt es eine Ausbildung zum Rüttler, die vier Jahre dauert, ehe man den Dreh wirklich raus hat – sozusagen. Ein erfahrener Rüttler schafft etwa 40.000 Flaschen am Tag. Noch heute wird auf Schloss Wackerbarth etwa die Hälfte des Sekts ganz klassisch von Hand gerüttelt, die andere Hälfte maschinell.



