Aktuelle Entscheidung: Die Stadt Radebeul hat mit dem Reinhard Zabka vom Lügenmuseum einen Vergleich geschlossen. Zabka hat erstens bis zum 31. Dezember Zeit, das Haus zu räumen und der Stadt übergeben. Der Betreiber verpflichtet sich zweitens, bis zum Auszug eine monatliche Nutzungsentschädigung zu zahlen. Mit dieser Übereinkunft wird das laufende Berufungsverfahren beendet.
HINTERGRUND: Das Oberlandesgericht Dresden beschäftigte sich diesen Donnerstag mit dem Lügenmuseum Radebeul. Durfte die Stadt Museumsdirektor Reinhard Zabka kündigen oder nicht? Nachdem das Landgericht im November 2025 die Räumungsklage bestätigt hat, muss nun die nächste Instanz den Fall prüfen. Grundlage war ein unbefristeter Nutzungsvertrag aus den Jahren 2012/2013, den die Stadt 2024 ordentlich kündigte. Das Landgericht Dresden entschied daraufhin, dass Zabka das Gebäude räumen und an die Stadt herausgeben muss. Die Stadt hat nach dem Urteil des Landgerichts bereits den angrenzenden Garten verkauft und bereitet den Verkauf des früheren Serkowitzer Gasthofes weiter vor – Reinhard Zabka ist als möglicher Käufer ausdrücklich ausgeschlossen. Warum die Stadt derart harsch reagiert, hat wie immer im Leben eine Vorgeschichte:
Der Gasthof muss laut einem Gutachten mindestens für 3,5 Millionen Euro saniert werden, um das Haus zu retten. Ein Investor musste her – und wurde mit dem Berliner Autor, Verleger und Kunstmäzen Wilhelm Ruprecht Frieling tatsächlich auch gefunden! Der Berliner hatte nicht nur die nötigen Mittel, sondern wollte aus dem Ort ein Zentrum für freie Kunst machen – Zabka sollte in einem Teil des Gebäudes verbleiben. Der Stadtrat stimmte dem Verkauf an Frieling am 18. Oktober 2023 zu, alles sah nach einem neuen „wahr gewordenem Wunder“ für die Stadt aus.
Doch schon im Frühjahr 2024 zog Frieling sein Kaufangebot offiziell zurück. Es hatte zwischen den beiden Herren offenbar deutliche Verstimmungen über die künstlerische Ausrichtung des Hauses gegeben. Die Stadt warf Zabka ab da vor, diese einmalige Chance vertan und den Investor vergrault zu haben. Zabka wird stattdessen nicht müde das Lügenmuseum als „einmalig wertvoll“ zu loben und den Weiterbestand zu fordern. Zabka argumentiert vor Gericht, die Kündigung sei treuwidrig. Das Lügenmuseum habe überregionale Bedeutung als Gesamtkunstwerk und öffentlicher Bildungsort. Es war bezeichnend, dass Zabka als Aprilscherz die kostenfreie Übergabe des Gasthofes an den Künstler veröffentlichte. Den desolaten Zustand des Objektes thematisiert er nicht.
OB Bert Wendsche hat seitdem unverkennbar eine harte Gangart eingelegt. Er will das Haus „lastenfrei“ – ohne das Lügenmuseum – verkaufen und zwar an einen Investor, der eine Sanierung und eine Nutzung fundiert darlegen kann. Zwar bleibt der Stadtrat noch bei der Option eines Kulturzentrums, allerdings ist das lediglich eine Absichtserklärung, die bislang nicht geändert wurde.



