Keine großen Festivalbühnen, keine abgesperrten VIP-Bereiche und kein typischer Jazztage-Abend: In der historischen Villa Kolbe in Radebeul läuft Pfingsten bewusst anders. Am 24. Mai verwandelt sich das Gelände an der Zinzendorfstraße von 14 bis 22 Uhr erneut in eine offene Kulturkulisse zwischen Garten, Terrasse, Musik und Begegnung. Gastgeber René Kuhnt setzt diesmal auf ein eigenes Format – kleiner, persönlicher und experimenteller. Flanieren, zuhören, essen, entdecken: Genau darum soll es gehen. Es gibt wieder Gastrostände im Garten, nur auf den angekündigten „VK“-Wein für „Villa Kolbe“ müssen Besucher noch warten.
Zum ersten Mal kostet die Veranstaltung Eintritt. 20 Euro werden fällig. Für Kuhnt ist das ein Versuch. „Mal sehen, was angenommen wird“, sagt er offen. Zwischen 100 und 300 Gäste erwartet er. Wenn es funktioniert, könnte daraus ein weiteres festes Format entstehen. Wenn nicht, sei es eben ein Experiment gewesen. Genau diese Mischung aus Improvisation und Leidenschaft macht die Villa Kolbe inzwischen aus.
Musikalisch und literarisch wird das Programm breit. Philipp Lux liest fünf Erzählungen von Anton Tschechow – Geschichten über Sommerfrische, Romanzen, Rendezvous und Ehe. Tragisch-komisch, menschlich. Philipp Lux selbst kannte die Villa Kolbe bisher nur aus der Straßenbahn-Perspektive. Beim ersten Rundgang zeigte er sich beeindruckt: „Wow, so groß muss man träumen!“, sagte er zu René Kuhnt.
Die Lesung von Philipp Lux wird von der Band TRIOZEAN musikalisch begleitet, danach spielt TRIOZEAN das Konzertprogramm „Lyrik trifft Jazz“ mit Olga Nowikowa, Lars Födisch und Krishan Zeigner. Außerdem zu hören sind: Duo Ilka Kraske am Piano und Timm Wolf am Kontrabass und das Jazz-Duo Frank Nestler und Carsten Nachtigall.
Doch selbst zwischen den Auftritten bleibt die Villa Kolbe eine Bühne. Im Garten stehen in Gold angesprühte Instrumente – Cello, Saxophon, Trompete, Geige, Akkordeon oder Keyboard. Es sind kaputte Instrumente des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden, die Kuhnt für seine Pfingst-Installation bekommen hat. Überhaupt steckt überall ein Stück „große Welt“: Die provisorische Treppe zur Terrasse stammt ursprünglich als Bühnentreppe aus der Semperoper, eingesetzt im Stück „Bolero“. Und das Hasenkostüm, in das Kuhnt bei früheren Aktionen schlüpfte, gehörte bekanntlich Schauspieler Rainer König vom Boulevardtheater Dresden.
Genau daraus entsteht der besondere Charakter dieses Ortes. Die Villa Kolbe ist längst mehr als nur eine Baustelle oder ein Denkmal. Sie wird immer wieder selbst zur Kulisse, zur Bühne und zum Erlebnisraum mitten in Radebeul.



