Ein fast vergessener Star der Theatergeschichte rückt in Dresden wieder ins Rampenlicht: Johann Georg Geisselbrecht. Der Mechanikus und Puppenspieler prägte zwischen 1799 und 1826 die Bühnen Europas – und spielte vor den mächtigsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Nun widmet sich ein Vortrag seinem Leben und Wirken und zeichnet das Bild eines Künstlers, der lange unterschätzt wurde.
Geisselbrecht galt zu Lebzeiten als Ausnahmefigur. Er gastierte unter anderem an Höfen in Sachsen-Meiningen, Sachsen-Gotha sowie bei den Großherzögen von Mecklenburg-Schwerin und Sachsen-Weimar-Eisenach. Selbst der preußische König und seine Familie – darunter der spätere Kaiser Wilhelm I. – zählten zu seinem Publikum. Kaum ein Puppenspieler war so vernetzt und gefragt.
Nach seinem Tod nahm die Geschichte jedoch eine andere Wendung: Während seine Marionetten verloren gingen, blieben seine handschriftlichen Textbücher erhalten und lagern heute im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. Rund um seine Person entstanden Mythen, die ihn als schrullig oder gescheitert darstellten. Doch genau dieses Bild wird nun hinterfragt. Geisselbrecht war kein Außenseiter, sondern ein präziser Beobachter seiner Zeit – sein Kasper kommentierte gesellschaftliche Zustände oft treffsicher und direkt.
Grundlage des Vortrags ist die jahrzehntelange Forschung von Puppentheater-Experte Lars Rebehn, der sich seit über 40 Jahren intensiv mit Geisselbrecht beschäftigt. Veranstaltet wird der Abend vom Verein „Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e.V.“.
Auch der kulturelle Rahmen ist besonders: Seit 2021 zählt das Kaspertheater zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland, aktuell laufen Bestrebungen, es sogar international anerkennen zu lassen. Besucher können vor dem Vortrag die Ausstellung der Puppentheatersammlung besichtigen und so direkt in die Welt des historischen Puppenspiels eintauchen.
Ort: Puppentheatersammlung, Kraftwerk Mitte, Dresden
Zeit: Donnerstag, 7. Mai 2026, 18:30 Uhr (Einlass ab 18:00 Uhr)
Eintritt: frei



