Petra Dornblut (re.) mit Kursteilnehmerin Silke Schweigel aus Meißen. Foto © BranczeiszPetra Dornblut (re.) mit Kursteilnehmerin Silke Schweigel aus Meißen. Foto © Branczeisz

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Wenn Petra Dornblut über Nachbarschaftshilfe spricht, merkt man sofort: Da steht jemand mit Entertainer-Qualität. Sie lacht, gestikuliert, spielt Szenen durch, erzählt von ihrer eigenen Mutter – und plötzlich wird klar, Nachbarschaftshilfe ist viel mehr als ein kleiner Nebenjob. Es geht um Vertrauen, um Nähe, auch um die Frage, wie viel Einblick man anderen Menschen in das eigene Leben gibt.

Gerade im Dorf ist das eine heikle Sache. „Da kennt doch jeder jeden“, sagt Petra Dornblut, die bei den Johannitern im Regionalverband Meißen/Mittelsachsen Leiterin für Breitenausbildung ist. Wenn plötzlich eine Nachbarin regelmäßig vorbeikommt, um zu helfen, spricht sich das schnell herum. Lässt man jemanden in die Wohnung? Zeigt man, wie man lebt? Und wenn jemand beim Putzen oder Einkaufen hilft, kommt vielleicht gleich der nächste Kommentar: „Kümmert sich denn die Familie nicht?“ Diese Nähe kann helfen – aber sie kann auch Druck erzeugen. In der Stadt ist es oft genau umgekehrt. Nachbarn bleiben anonym. Man kennt sie als „die Frau mit den drei Kindern“ oder ihn als „den Mann mit dem Mercedes“. Wenn dort jemand klingelt und ein bisschen Zeit mitbringt, ist das für viele eher eine willkommene Abwechslung. Manchmal merkt im Haus nicht einmal jemand, dass überhaupt Besuch da ist. Petra Dornblut will ihre Schützlinge bei diesem Kurs auf möglichst viele echte Situationen vorbereiten, nicht nur Theorie herunterbeten.

Nachbarschaftshilfe ist letztlich Ehrenamt mit Aufwandsentschädigung. Maximal zehn Euro pro Stunde können Helfer abrechnen – nicht einmal Mindestlohn. Dafür eine zutiefst menschelnde Aufgabe. Entlastungsbetrag, Pflegegrad, Sachleistungen – wer sich da nicht auskennt, verliert schnell den Überblick. Genau deshalb gibt es bei den Johannitern dafür Kurse. Die Schaltstelle für Nachbarschaftshelfer in Radebeul, Moritzburg, Coswig, Weinböhla und am Dresdner Rand ist das Familienzentrum Radebeul. Die Johanniter stellen dafür die Kursleiter. Es gibt Grund- und Fortgeschrittenenkurse, denn alle drei Jahre ist eine neue Schulung Pflicht. Die Themen reichen von der Abrechnung über Erste Hilfe bis hin zu Krankheitsbildern, Sturzprävention und Erfahrungsberichten langjähriger Helfer. Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten, privat Versicherte reichen die Rechnung bei ihrer Kasse ein.

Wer Nachbarschaftshelfer werden will, muss sich registrieren und eine Haftpflichtversicherung nachweisen. Manche nutzen die Sammelversicherung des Landes Sachsen, andere bringen eine eigene Police mit. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: zuhören, einkaufen gehen, mit dem Hund spazieren, vielleicht Betten beziehen oder mal durchsaugen, zu Terminen begleiten oder einfach über den neuestens Tratsch schwatzen. Dieses Spektrum überschneidet sich durchaus auch mit gewerblichen Haushaltshilfe-Firmen, die oft auch die Hilfen für den Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich beim Pflegegrad 1 anbieten. Wichtig ist Petra Dornblut daher: Nachbarschaftshelfer sind keine „billigeren Putzen“ als professionelle Haushaltsdienste und vor allem keine Pflegedienste. Nur die übernehmen z.B. Körperpflege, Wundversorgung und Medikation. Nachbarschaftshelfer sind Herzensmenschen. Die Vertrauensperson gegen Einsamkeit. Wenn es gut läuft, bald ein Stück Familie.

In den vergangenen vier Jahren haben sich rund 300 Menschen in der Region Radebeul als Nachbarschaftshelfer registrieren lassen. Die meisten Nachbarschaftshelfer aber stehen kurz vor dem Ruhestand oder sind bereits mittendrin. Vielleicht, weil sie Zeit haben – vielleicht aber auch, weil sie das Thema eher nachempfinden können.

Kontakt Petra Dornblut, Johanniter-Unfall-Hilfe, RV Meißen/Mittelsachsen, Leiterin für Breitenausbildung: 03523/ 5357 700

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