Platz zwei des Gedicht-Wettbewerbes „Dresdner Frühling im Palais“ geht an Rico Berthold aus Radebeul. Seine Verse haben sich ihren Platz erobert – zwischen Blüten, Licht und kunstvoller Floristik. Alle prämierten Gedichte werden beim Dresdner Frühling im Palais im Großen Garten und anschließend in der Zentralbibliothek im Dresdner Kulturpalast präsentiert.
Für den 51-Jährigen ist es ein stiller, aber bedeutender Moment. Denn er ist kein Mensch der großen Gesten – fast schüchtern erzählt er von seinem Hobby: Gedichte schreiben. Rico Berthold, Dr. der Chemiker, wohnt in Radebeul und arbeitet in einem Recyclingwerk in Brandenburg. Präzision, Analyse, Stoffkreisläufe bestimmen seinen Berufsalltag. Und er hat viel Zeit, sich Gedanken zu machen auf dem langen Arbeitsweg. Gedanken, die sich ordnen, verdichten, in Worte fügen.
Verse haben es ihm seit seiner Studentenzeit angetan. Er liest viel – nicht nur Physik und Mathematik, sondern auch Tolkien, zahlreiche Gedichtbände, Moby Dick, Sherlock Holmes oder Märchen wie „Das bucklige Pferdchen“, nach einem alten russischen Trickfilm. Literatur ist für ihn eine zweite Welt, die genauso nach Struktur und Rhythmus verlangt.
„Der Reiz des Dichtens? Es ist vielleicht wie stricken, es entspannt. Ich kann im Kopf die Silben verschieben – wie Tetris“, sagt er lächelnd. Auf Arbeit sind es die Kristalle, zu Hause eben Silben – so unähnlich ist sich das gar nicht. Wo Moleküle sich ordnen, ordnen sich auch Worte.
Wo er die Ideen hernimmt? Entweder erzählt ihm jemand etwas oder er liest eine Geschichte. Dann schreibt er einen kurzen Prosatext, der wird anschließend „verreimt“ zum Gedicht. Zurzeit schreibt er lange Balladen aus Grimms Märchen.
Rico Berthold hat das erste Mal bei einem Literaturwettbewerb mitgemacht. Eine Bekannte hatte ihm die Ausschreibung geschickt und gesagt: Mach doch mal mit! Über die Resonanz ist er selbst überrascht – und erfreut. Denn bislang stehen seine Gedichte nur auf seinem Blog https://soloforone.blogspot.com.
Es gibt einen Instagram-Account mit unzähligen Frühjahrsblühern und Fotos im „Forum Naturfotografie“ – denn die Naturfotografie ist seine zweite große Leidenschaft. Zu sehen sind Bilder voller Anmut und Schönheit, Momentaufnahmen von Blüten und Licht, so fein beobachtet wie seine Verse.
Vielleicht bringt er ja irgendwann auch ein Buch mit seinen Gedichten heraus – jetzt als Preisträger, warum eigentlich nicht. Doch da ist er wieder ganz der Naturwissenschaftler: Er will noch zehn Jahre Gedichte und Prosa sammeln, bevor er diesen Schritt wagt.
Aber er würde gern Anschluss an einen Literaturzirkel finden. Austausch, Resonanz, gemeinsames Ringen um Worte – das wäre ein Schritt.



