Es ist mehr als nur ein Bauprojekt – es ist ein Stück Identität, das zurückkehrt. Wenn am 19. April zwischen 11 und 13 Uhr der feierliche Baustart am Pavillon des Mohrenhauses erfolgt, beginnt für Initiator Robert Bialek und den Verein für Denkmalpflege und Neues Bauen Radebeul e.V. ein Herzensprojekt Gestalt anzunehmen. Der Verein freut sich darauf, gemeinsam mit den Unterstützern bei Kammermusik und einem Glas Sekt anzustoßen.
Bereits 2021 hatte Bialek die Sicherung begleitet, als die markante Kuppel neu aufgesetzt wurde. Seitdem lässt ihn der achteckige Bau nicht mehr los. Den entscheidenden Impuls gab der Tag des offenen Denkmals: Über 200 Besucher kamen damals zum verwunschenen Ort – ein deutliches Signal, dass der Pavillon nicht länger im Dornröschenschlaf bleiben soll. Ziel ist ambitioniert: Schon zum diesjährigen Denkmaltag soll das Bauwerk weitgehend präsentiert werden, auch wenn die aufwendige Ausmalung womöglich noch fehlt. Die größte Herausforderung liegt ohnehin im Detail – in der Modellarbeit und der engen Abstimmung mit dem Denkmalamt.
Die Arbeiten beginnen grundlegend: Der Sockel wird freigelegt und trockengelegt, das Mauerwerk saniert und das Bauwerk wieder stärker vom Gelände abgegrenzt. Auch Spuren jüngerer Geschichte treten zutage – etwa ein Stromkabel für eine frühere Kuppellampe, deren historische Belege bislang fehlen. Hier richtet sich ein Aufruf an die Radebeuler: Wer alte Fotos besitzt, könnte entscheidende Hinweise liefern!
Dass der Pavillon bewegte Zeiten hinter sich hat, lassen Anekdoten aus der DDR-Zeit ahnen. Damals wurde am heimlichen „Jugendtreff“ noch gegogelt, also nicht gegoogelt, sondern mit Feuer gespielt. Dabei blieb die originale Substanz erstaunlich detailreich erhalten. Besonders eindrucksvoll sind die Zementfliesen von Villeroy & Boch: ein kompliziertes Oktogon-Muster mit präzisen Fugen, gefertigt im 19. Jahrhundert ohne moderne Schneidtechnik. Für die Restaurierung werden zahlreiche Modelle erstellt, geborgene Originalteile dienen als Vorlage. Beauftragt ist die Dresdner Firma Arcaneum. Im Inneren soll die Kuppel wieder ihre historische Pracht entfalten – mit dunkler grün-grauer Fassung und goldbronzener Banderole. Die Eisenguss-Säulen werden schonend gereinigt, nicht mit Sand, sondern mittels feiner Strahlverfahren wie Glasgranulat – vergleichbar mit moderner Zahnreinigung. Auch Ziergitter und ein schützendes Doppeltor entstehen wahrscheinlich neu, während Stuckelemente wie Kranzgesimse rekonstruiert werden.
Historisch reicht die Geschichte des Ensembles bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1861 erwarb der aus Manchester stammende Textilkaufmann Johann Daniel Souchay das Anwesen. Sein Dresdner Wohnsitz, Schloss Eckberg, wurde stilistisches Vorbild für den späteren neugotischen Umbau des Mohrenhauses unter Wilhelm Theodor Demiani zwischen 1868 und 1871. Der Pavillon selbst entstand um 1877 unter dem Kaufmann Albert Jordan – im charakteristischen Tudorstil, der in Radebeul so kein zweites Mal zu finden ist. Einst bot der Pavillon freie Sicht ins Tal, heute ist der Park zugewachsen. Doch mit der Sanierung soll nicht nur die Architektur zurückkehren, sondern auch das Leben: vielleicht Sommerkonzerte, Lesungen – neue Ideen werden sich finden.
Finanziert wird das Projekt durch ein Zusammenspiel aus Engagement und Förderung. Über 100.000 Euro Gesamtkosten sind veranschlagt. Der Verein steuert 20.000 Euro bei, die Stadt eine ähnliche Summe, ergänzt durch Fördermittel des Landesamts für Denkmalpflege. Weitere Unterstützung ist willkommen: Spender ab 500 Euro erhalten ein hochwertiges Präsent und eine Einladung zum gemeinsamen Anstoßen – vielleicht schon bald im wiedererstandenen Pavillon.
Die Bankverbindung für Spenden lautet: Verein für Denkmalpflege und Neues Bauen Radebeul e.V., IBAN DE45 8505 5000 3011 0054 69 bei der Sparkasse Meißen, Verwendungszweck Pavillon Mohrenhaus.



