Katja Kulisch, Gleichstellungsbeauftragte Radebeul und Eva Helms, Leiterin vom Infopunkt Demenz und Pflege. Foto © SchinewKatja Kulisch, Gleichstellungsbeauftragte Radebeul und Eva Helms, Leiterin vom Infopunkt Demenz und Pflege. Foto © Schinew

Radebeul. Pflege beginnt oft lange vor dem Frühstück und endet nicht mit Feierabend. Medikamente richten, beim Waschen helfen, Termine organisieren, nachts aufstehen, zuhören, trösten – und nebenbei Beruf, Familie und den eigenen Alltag stemmen. Genau diese Menschen will Radebeul beim Danke-Tag für pflegende Angehörige sichtbar machen.

Wie groß ihre Leistung ist, zeigen die Zahlen: In Sachsen waren Ende 2023 rund 363.000 Menschen pflegebedürftig. Mehr als 313.000 von ihnen wurden zu Hause betreut – das sind gut 86 Prozent. Nur ein Teil erhält dabei Unterstützung durch ambulante Pflege- und Betreuungsdienste.

Auch im Landkreis Meißen ist häusliche Pflege längst ein strukturelles Thema. Bereits für einen früheren Berichtsstand wurden rund 16.930 Pflegebedürftige ausgewiesen. Etwa die Hälfte wurde ausschließlich mit Pflegegeld und damit im häuslichen Umfeld durch Angehörige oder nahestehende Personen versorgt, weitere rund 30 Prozent gemeinsam mit oder durch ambulante Dienste. Zugleich dürfte der Druck in den kommenden Jahren wachsen: Mehr Pflegebedürftige treffen auf weniger Angehörige, die Pflege übernehmen können.

Pflege zu Hause bedeutet dabei nicht nur Hilfe beim Anziehen oder Essen. Sie umfasst Körperpflege, Betreuung, Haushalt, Fahrten und Organisation – häufig über Jahre. Besonders Frauen tragen diese Arbeit: Bundesweit sind rund 85 Prozent der 1,7 Millionen über die Rentenversicherung abgesicherten Pflegepersonen Frauen.

Und Pflege kann finanziell nachwirken. Wer wegen eines Angehörigen Arbeitszeit reduziert oder den Beruf aufgibt, zahlt entsprechend weniger aus eigener Erwerbsarbeit in die Rentenkasse ein. Einen Ausgleich gibt es unter bestimmten Bedingungen: Ab Pflegegrad 2 kann die Pflegekasse Rentenbeiträge übernehmen, wenn mindestens zehn Stunden an zwei Tagen pro Woche gepflegt werden und die Erwerbsarbeit 30 Wochenstunden nicht überschreitet.

Der Radebeuler Danke-Tag setzt deshalb bewusst einen anderen Akzent: Für ein paar Stunden sollen einmal die Pflegenden im Mittelpunkt stehen. Zwischen 80 und 100 Gäste werden erwartet. Bei einem Buffet gibt es Raum für Gespräche, Begegnungen und Informationen. Unterstützt wird der Tag unter anderem von Dr. Akustik, Diakonie, Familienzentrum, Johannitern, Volkshochschule des Landkreises Meißen, Volkssolidarität, Rehatechnik Carpe Diem und Pflegediensten.

Dazu kommt Kultur: Die Landesbühnen Sachsen zeigen mit einem Tanztheater zu den „Vier Jahreszeiten“, was an diesem Abend vielleicht besonders wertvoll ist – zwei Stunden zurücklehnen, den Alltag kurz draußen lassen und einfach Gast sein.

Radebeul gehört damit zu den wenigen Kommunen, die pflegenden Angehörigen ganz bewusst eine eigene Bühne geben. Aus einem Dankeschön wird so mehr als eine freundliche Geste: Es macht eine Gruppe sichtbar, ohne deren tägliche, meist unbezahlte Arbeit die Pflege zu Hause in diesem Umfang kaum möglich wäre.

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