Weinprinzessin Joséphine Sander, Erster Bürgermeister Dr. Jörg Müller und Weinkönigin Luise Puhlmann als die "Pillnitz" anlegte. Zum Anglühen wird sie wieder erwartet. Foto © BranczeiszWeinprinzessin Joséphine Sander, Erster Bürgermeister Dr. Jörg Müller und Weinkönigin Luise Puhlmann als die "Pillnitz" anlegte. Zum Anglühen wird sie wieder erwartet. Foto © Branczeisz

Radebeul. Manche Ideen brauchen Jahre. Andere schlagen beim ersten Mal ein wie eine heiße Glühweintasse in kalte Hände. Das Radebeuler Anglühen gehört zur zweiten Sorte: 2025 eine Premiere, die Tausende in die Weinhöfe lockte – 2026 schon ein Stadtfest im XXL-Format. Am 7. und 8. November wird wieder angeglüht. 47 Destinationen machen mit, 19 mehr als im Vorjahr. Radebeul hat Geschmack an seiner Idee gefunden.

Der Clou: Niemand muss auf einem Platz denselben Glühweinstand umrunden. Die ganze Stadt wird zur Genussroute. Mal ein Winzerhof, mal ein Kulturort, mal eine Tür, an der man sonst vorbeigeht. Man trifft Bekannte, entdeckt Neues – und aus „nur mal kurz einen Glühwein trinken“ wird ein kleiner Radebeul-Urlaub.

Der Star kommt über die Elbe geschippert: Der historische Schaufelraddampfer „Pillnitz“ macht in Altkötzschenbroda fest. „Eine tolle Idee, eine super Zusammenarbeit mit Radebeul, um das Format auszuprobieren“, sagt Anke Bär von der Weißen Flotte Sachsen GmbH. Sie bringt nicht nur Dampferromantik mit, sondern einen Kindertreff: Knoten binden, spielen, das Schiff erkunden. Kleine Landratten willkommen! Die Besichtigung an Bord ist während des Aufenthalts kostenlos.

Fast noch schöner ist, wer an Land mitzieht. Die Druckerei Krause lädt zum Selberdrucken ein, die Jugendherberge öffnet ihre Türen. In der Villa Kolbe treffen Swing und Glüh-Gin auf Feuerschalen, erstmals wird auch die städtische Tourist-Information zum Anlaufpunkt. Orte, die sonst nicht auf der Glühwein-Landkarte stehen, sind plötzlich mittendrin. Genau darin liegt der Reiz: nicht nur Becher, sondern Begegnungen.

Natürlich mischen die Weingüter kräftig mit: Hoflößnitz, DREI HERREN, Haus Steinbach, Aust, Kretschko oder Schloss Wackerbarth. Dazu kommen Livemusik, gutes Essen, Führungen und Einblicke hinter die Kulissen – etwa bei den Landesbühnen Sachsen. Wer mag, entdeckt einen historischen Wagen der Lößnitzgrundbahn oder schaut beim Karl-May-Museum vorbei. Kein Weihnachtsmarkt von der Stange, sondern Radebeul zum Durchstreifen. Beim Auftakt 2025 war der Andrang so groß, dass spontan ein zweiter Shuttlebus einspringen musste. Diesmal fährt ein zweiter Bus von Anfang an fest mit, beide kostenlos. Die Organisatoren bitten trotzdem darum, auch S-Bahn und Straßenbahn zu nutzen. Schließlich soll sich alles ums Anglühen drehen – nicht um die Parkplatzsuche.

Das ist wohl der eigentliche Knaller: Hier feiert eine Stadt nicht bloß den ersten Glühwein, sondern ihre besonderen Orte und die Menschen dahinter. Und 2026 legt sogar ein Dampfer dafür an.

Radebeuler Anglühen 2026 – offizielles Programm

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