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Ein Dreirad für Erwachsene – das klingt erst einmal zum Schmunzeln. Für manche Menschen bedeutet es aber Freiheit. Es ermöglicht ihnen, weiter am Leben teilzunehmen, nicht ständig auf andere angewiesen zu sein und selbst zu entscheiden, wohin sie fahren möchten.
Nach einem Schlaganfall, durch Krankheiten wie Multiple Sklerose oder durch Beeinträchtigungen von Geburt an verändert sich das Leben oft grundlegend. Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen oder fehlende Gliedmaßen schränken die Beweglichkeit ein. Hinter jedem Fall steht ein persönliches Schicksal. Und oft ist solch ein vermeintlich seltsames Gefährt keine Marotte, sondern eine notwendige Lebenshilfe.
In der Tretmühle Radebeul finden Betroffene Unterstützung – ganz gleich, ob es sich um Kinder, Jugendliche oder Erwachsene handelt. Für viele ist es das erste Mal, dass ihnen jemand auf ihrem schweren Weg zurück in ein selbstbestimmteres Leben helfen kann. Dazu gehört nicht nur das passende Rad, sondern auch eine dauerhafte Beratung. Dass sich solche Fahrräder nicht einfach per Mausklick bestellen lassen, zeigt schon ein Blick in den Laden. Die Tretmühle widmet dieser Sparte eigene Räume an der Großenhainer Straße. Allein dort stehen rund 20 Räder unterschiedlichster Art. Zu sehen sind Liegeräder mit verschiedenen Sitzen und Sitzhöhen, unterschiedliche Tretvarianten, Lenker, Rahmengrößen und Modelle für verschiedene Gewichtsklassen.
Dazu gehört ein einfaches Laufrad für Erwachsene, das sein Erfinder sogar in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt hat. Hinter der Idee steckt der Hamburger Albrecht Schnitzer. Mit 88 Jahren trat er als bislang ältester Gründer in der Geschichte der Sendung auf. Gemeinsam mit seinem Sohn Heinrich entwickelte er ein ultraleichtes Laufrad aus Carbon. Es soll eine moderne und stilvolle Alternative zum klassischen Rollator sein und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Auch der Name des Rades entstand nicht am Schreibtisch. Als Vater und Sohn mit einem Prototyp im Hamburger Schanzenviertel unterwegs waren, fragten Passanten beim Anblick des ungewöhnlichen Gefährts: „Kaputt oder soll so?“ Damit war der Name „Sollso“ geboren.
Auch bei den Liegerädern ist die Auswahl groß. Es gibt leichte Modelle für Kinder, die damit vielleicht zum ersten Mal selbstständig zum Spielplatz fahren können. Plötzlich sind sie nicht nur mobil, sondern mit ihrem besonderen Kinderliegerad möglicherweise auch noch die Coolsten auf dem Platz.
Am anderen Ende der Auswahl stehen schwere, stabile Modelle für große Erwachsene. Sie verfügen über starke Motoren, angepasste Sitzsysteme und praktische Transportboxen. Wer sich einmal genauer mit dem Thema beschäftigt, staunt schnell darüber, wie viele Varianten es gibt. Jedes Rad passt zu einer anderen körperlichen Voraussetzung und einer individuellen Lebenssituation. Hinzu kommen Tandems, die auch Menschen mit stärkeren Einschränkungen gemeinsame Ausfahrten ermöglichen. Ein gehandicapter oder blinder Partner kann vorne in liegender Position in die Pedale treten. Die zweite Person sitzt dahinter, lenkt das Rad und tritt ebenfalls mit. So wird eine gemeinsame Fahrradtour möglich, obwohl sie mit einem normalen Fahrrad ausgeschlossen wäre.
In der Tretmühle betreut Maximilian Richter speziell diese Kundinnen und Kunden. Seine Arbeit endet nicht beim Verkauf. Er schaut genau hin, hört zu, probiert verschiedene Lösungen aus und sucht das Rad, das wirklich zum Menschen passt. Besonders bewegend sind die Momente, in denen ein gehandicaptes Kind zum ersten Mal auf einem solchen Rad sitzt. Es beginnt zu treten, fährt plötzlich selbst los und merkt, dass es sich ohne fremde Hilfe bewegen kann. Dann breitet sich das Lachen über das ganze Gesicht aus. Bei den Eltern fließt in solchen Augenblicken oft manche Träne. Und Maximilian Richter weiß: Er hat seinen Job gut gemacht.
Kontakt:
Maximilian.Richter@tretmuehle.de
0351/ 895 63 63


