Für Menschen ohne Wohnung kann eine kalte Nacht draußen lebensgefährlich werden. Dresden stockt deshalb die Notfallkapazität auf 50 Plätze auf. Ab Sonntag, 1. November, öffnen außerdem sieben ökumenische Nachtcafés. In zwölf städtischen Heimen gibt es 420 Betten, in 33 Wohnungen weitere 71 Plätze. Aktuell nutzen 435 Menschen diese Angebote mit Aufenthaltsräumen, Duschen, Kochmöglichkeiten und Beratung. Sozialamtsleiter Christian Knappe mahnt, schon bei Mietschulden oder drohendem Wohnungsverlust Hilfe zu suchen – nicht erst vor der Räumung.
Für Radebeul und die Stadt Meißen liegen keine gesondert veröffentlichten Zahlen vor. Dresden 1.190. Dresden meldet aktuell 435 Menschen in ihren eigenen Unterkünften. Wichtig: Menschen, die tatsächlich auf der Straße schlafen oder vorübergehend bei Bekannten unterkommen, fehlen in dieser Statistik. Die tatsächliche Zahl wohnungsloser Menschen kann deshalb höher liegen.
Radebeul verfügt laut städtischer Satzung von 2024 über zwei Standorte zur Unterbringung obdachloser Menschen: an der Serkowitzer Straße 35c und der Gohliser Straße 1. Aktuelle Platzzahlen liegen nicht vor. Meißen hat 2026 eine neue, barrierefreie Obdachlosenunterkunft an der Niederauer Straße eingerichtet. Sie ersetzt das bisherige Heim an der Erlichtstraße und bietet 29 Plätze – 15 für Meißen und 14 für weitere Kommunen im Landkreis. Wie viele Menschen aktuell in den Einrichtungen untergebracht sind, ist öffentlich nicht ausgewiesen.
Schlafplätze: erst Kontakt aufnehmen
Städtische Unterkünfte in Dresden erfordern grundsätzlich eine Zuweisung der Wohnungslosenhilfe: Sozialamt, Junghansstraße 2, 01277 Dresden, Tel. 0351 4884981. Sprechzeiten: Di 8–12 und 14–18 Uhr, Do 8–12 und 14–16 Uhr, Fr 8–12 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten vermittelt die Notaufnahme im Übergangswohnheim, Hechtstraße 10, 01097 Dresden, Tel. 0351 30980195, einen Notschlafplatz. Die 50 Notfallplätze verteilen sich auf mehrere Standorte: unbedingt vorher anrufen.
Vier kostenfreie Beratungsstellen
Pieschen: Diakonisches Werk – Stadtmission Dresden gGmbH, Mohnstraße 43, 01127 Dresden, Tel. 0351 8038728.
Striesen: Gemeinnützige Gesellschaft Striesen Pentacon e. V., Ludwig-Hartmann-Straße 40, 01277 Dresden, Tel. 0351 3122423.
Löbtau: Radebeuler Sozialprojekte gGmbH, Schillingstraße 7, 01159 Dresden (Eingang Reisewitzer Straße), Tel. 0351 4207831.
Plauen: Verein für Soziale Rechtspflege e. V. für straffällig gewordene Menschen, Karlsruher Straße 36, 01189 Dresden, Tel. 0351 4020822.
Alle beraten vertraulich, auch wenn die Wohnung noch nicht verloren ist.
Nachtcafés, Tagestreffs und Hilfe auf der Straße
Vom 1. November 2026 bis 31. März 2027 öffnen sieben Kirchgemeinden im Wechsel ihre Nachtcafés: geschützter Platz für die Nacht, warme Mahlzeit, Frühstück, teilweise Duschen und Wäschewaschen. Ehrenamtliche organisieren das Angebot mit Unterstützung der Diakonie Dresden. Adressen und Zeiten: www.kirche-dresden.de/nachtcafes-der-dresdner-kirchgemeinden.
Tagestreff „Schorsch“ der Diakonie Dresden, Mohnstraße 43, Pieschen: Aufenthalt, Duschen, Wäsche, Kleiderkammer und Posthilfe; Mo/Fr 8–13, Mi 10–18 Uhr, Tel. 0351 8038728.
Begegnungscafé der Heilsarmee, Reicker Straße 89, Reick: Essen, Beratung, Duschen, Wäsche, Lebensmittelausgabe; Mo–Fr 10–14 Uhr, Tel. 0351 3179246. Im Winter fährt die Heilsarmee zudem mit ihrer Kältestreife durch Dresden.
„Safe DD“ vom SZL-Suchtzentrum, St. Petersburger Straße 14: Straßensozialarbeit, Di 12.30–15, Do 11–12.30 Uhr; weitere Sprechzeit in Gorbitz, Amalie-Dietrich-Platz 3, Do 14–16 Uhr. Tel. 0351 48436969.
Ökumenische Bahnhofsmission, Wiener Platz 4, Zugang Bayrische Straße 15 (Südseite Hauptbahnhof): Hilfe ohne Anmeldung, Mo–Fr 9.30–18 Uhr, Tel. 0351 45195990.
Wer bei Kälte einen hilfsbedürftigen Menschen sieht, kann ihn respektvoll ansprechen und Unterstützung vermitteln. Bei Bewusstlosigkeit, fehlender Ansprechbarkeit oder Anzeichen von Unterkühlung sofort 112 wählen. Weitere Infos: www.dresden.de/obdach und www.dresden.de/wohnungslosigkeit.



