v. l.: Olaf Lier, Leiter des Fachbereichs Ordnungswesen, und Steffen Spindler, ehemaliger Lehrer, heben den Hungerstein in die Elbe. Foto © Coswig v. l.: Olaf Lier, Leiter des Fachbereichs Ordnungswesen, und Steffen Spindler, ehemaliger Lehrer, heben den Hungerstein in die Elbe. Foto © Coswig

Ein besonderer Stein liegt seit kurzem verborgen in der Elbe bei Coswig-Kötitz. In der Nähe des Fähranlegers wurde ein neuer Coswiger Hungerstein zu Wasser gelassen. Eingeschlagen ist die Jahreszahl 2026. Zu sehen sein wird das neue Zeitzeichen allerdings erst dann, wenn der Pegel der Elbe deutlich sinkt und der Stein aus dem Wasser auftaucht.

Hungersteine sind an der Elbe keine Seltenheit. Bekannte Exemplare gibt es unter anderem in Dresden, Radebeul und Meißen. In Coswig fehlte ein solches historisches Zeichen bislang. Das wollte Olaf Lier, Fachbereichsleiter Ordnungswesen der Großen Kreisstadt Coswig, ändern. Unterstützung bekam er von Steffen Spindler, ehemaligem Lehrer am Gymnasium Coswig und ehrenamtlichem Betreiber der Camera Obscura im Fährhaus Kötitz. Spindler stiftete den Stein und schlug die Jahreszahl 2026 selbst ein.

Die Tradition reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Große Steine im Flussbett wurden bei extremem Niedrigwasser sichtbar und erinnerten mit Jahreszahlen oder Inschriften an Trockenperioden und schwere Zeiten. Früher galten sie als Warnzeichen für schlechte Ernten, schwierige Lebensbedingungen und drohende Hungersnöte. Mit dem neuen Hungerstein führt Coswig diese Elbtradition nun fort. Wann das jüngste Stück Coswiger Elbgeschichte erstmals wieder sichtbar wird, entscheidet künftig der Wasserstand.

Barrierefreiheit