Lokführer Ronny Lantzsch und Heizer Jakob Lindner auf "ihrem" Lößnitzdackel. Foto © BranczeiszLokführer Ronny Lantzsch und Heizer Jakob Lindner auf "ihrem" Lößnitzdackel. Foto © Branczeisz

„157.000 Fahrgäste in 2025 – das sind 13 Prozent weniger als im Jahr zuvor.“ Mirko Froß, Betriebsleiter der SDG, redet nicht drum herum. Die Bilanz der Lößnitzgrundbahn ist diesmal schwächer ausgefallen. „Das Ferienwetter hat etwas die Bilanz verhagelt“, sagt er. Vor allem aber hat 2025 nicht das alle 2 Jahre stattfindende Schmalspurfestival stattgefunden. Und dann kam noch der harte Einschnitt: „Es gab Kürzungen, wie die Abendtour zu Wochenenden und Feiertagen, weil der Freistaat Gelder in erheblichem Umfang im Haushalt gestrichen hat.“

Die Zahlen dahinter: Über 800.000 Euro für beide – Weißeritztal- und Lößnitzgrundbahn“ – sind 2025 gestrichen worden. 2026 sind es wegen der fehlenden Dynamisierung schon über 900.000 Euro. Für Froß ist klar: „Das hatte Folgen.“ Sichtbar für alle sei gewesen: „Fahrplan eingedampft, Abendzug nur noch am Wochenende und an Feiertagen.“

Noch gravierender sind aber die Folgen in der Werkstatt. „Loks sind nicht zur Hauptuntersuchung gekommen, stehen still. Das heißt, weniger Fahrzeuge.“ Froß formuliert es offen, aber nicht resigniert: „Wir können nur auf 2027/2028 hoffen, denn es wurden ja auch andere wichtige Instandhaltungen verschoben, irgendwann kann man den Betrieb nicht aufrechterhalten.“ Die Lage ist angespannt: „Wir sind ja jetzt schon fast ausschließlich nur mit einem Zug unterwegs.“ Seine Botschaft: „Der Freistaat muss letztlich zum Kulturgut Schmalspurbahn, zu diesem besonderen touristischen Juwel stehen.“

Die Begeisterung für die Bahn ist ungebrochen. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie stark die Schmalspurbahn emotional verankert ist. Bei den Tickets liegt Gruppe „Tageskarte mit dem Historik-Zuschlag“ vorn. Danach folgen „die Gruppen und die Familien“. Einen echten Lichtblick gab es im Advent: „Ausreißer nach oben in der Bilanz war die Tageskarte ‚Bimmelbahn & Lichterglanz‘.“ Auf der Weißeritztalbahn kamen mit über 8 Prozent Plus rund 14.000 Gäste. Für Froß ist klar: „Das Konzept mit den Vereinen passt.“

2026 soll trotz allem zeigen, was in den beiden Bahnen steckt. Christian Schlemper, Pressesprecher vom VVO, blickt mit Vorfreude voraus: „Über 100 Veranstaltungen auf beiden Bahnen. 30 Sonderfahrten.“ Das große Highlight werde „das Schmalspurfestival auf der Lößnitzgrundbahn“ am „19./20. September auf der Strecke Radebeul/Ost bis Radeburg“. Besonders für Fans dürfte der „sehr begehrte ‚Foto-Freitag‘ für Enthusiasten, Träumer und Technikfreaks“ ein Magnet sein“, sagt Schlemper.

Allein auf der Lößnitzgrundbahn stehen 59 Veranstaltungen im Kalender. Dazu gehören der Sonderzugverkehr zu Himmelfahrt & Pfingsten sowie ein Zug im Reichsbahn-Design vom 5. bis 11. Oktober. Richtig gefragt sind inzwischen Genuss- und Erlebnisfahrten wie der ‚Whiskeyzug‘ mit vier Terminen. Dazu kommen „Abendfahrten“ im Dezember mit Glühweinverkostung, „Weingenuss auf schmaler Spur“ mit 14 Terminen“ und „die Touren mit Mühlen-Wanderung“ entlang der Strecke. Schlemper weiß: „Solche Angebote sind schnell ausgebucht.“

Auch Familien werden 2026 wieder voll auf ihre Kosten kommen. „Für Familien lohnt sich besonders der ‚VVO-Entdeckertag‘ am 10. April: bis 14 Jahre kostenlos, Erwachsene ermäßigt.“ Und: „Am Juni zum Kindertag haben Kinder in Begleitung natürlich freie Fahrt.“ Dazu wird es saisonale Höhepunkte geben: Der Osterhase fährt vom 4. bis 6. April mit und am 6. Dezember steigt der Nikolaus ein. Extra-Fahrten sind wie bewährt zum Karl-May-Fest und zum Fisch- und Waldfest mit der Traditionsbahn Radebeul geplant.

Hinter all dem steckt viel Arbeit. Froß beschreibt den Alltag in der Werkstatt: „Es wird geputzt und gereinigt, entlang der Strecke, aber auch an Bahnhöfen.“ Dazu kommen Ausbildungsfahrten auf der Diesellok auf der Weißeritztalbahn – auch das gehört dazu. Der technische Schwerpunkt bleibt jedoch der Unterbau. Die Holzschwellen müssen schleunigst ausgetauscht werden. Die Lebensdauer ist längst ein Problem: „Liegedauer 20-25 Jahre – mit neuzeitlichen Tränkungsverfahren erreichen die Schwellen nicht einmal diese Liegedauer“, so Froß.

Mindestens 8 Kilometer auf jeder der beiden Bahnstrecken sind noch fällig. Was machbar ist, beschreibt Froß nüchtern: „Wir wollen 300 bis 400 Meter schaffen, denn wir reden hier von Preisen pro Stück von 250 bis 300 Euro.“ Der VVO stellt 315.000 Euro Fördermittel für Lößnitzgrundbahn und Weißeritztalbahn bereit. Auf der Lößnitzgrundbahn geht es auf dem Abschnitt „Friedewald-Bad/Moritzburg“ los, „dem sanierungsbedürftigste Abschnitt“. „Das passiert „unterm rollenden Rad, nicht mit Sperrzeiten, weil wir die Firmen nicht anders bekommen.“ Was passieren würde, wenn nichts geschieht, formuliert Froß drastisch: „Das Szenario ohne Schwellentausch wäre: Geschwindigkeit runter – dann technische Sperrung.“

Auch im Detail wird weiter angepackt: „Im Lokschuppen die Leuchten tauschen, der Rauchabzug in der Werkstatt in Radebeul muss erneuert werden. Es gibt immer was zu tun. Und natürlich die Lok polieren!“ Genau dieser Mix aus Alltag, Improvisation, Technikliebe und Leidenschaft macht die Lößnitzgrundbahn aus. Aber ohne die nötige „Schmiere“ vom Freistaat dampft nichts!

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