Wann wird aus einem feinen Riss ein teurer Straßenschaden? Dresden will diese Frage künftig nicht mehr allein durch Sichtkontrollen beantworten. Im Smart-City-Projekt „Strategisches Erhaltungsmanagement“ sammelt die Stadt deshalb präzise Belastungs-, Temperatur- und Zustandsdaten. Eine neue Messstelle entsteht auf der B170/Bergstraße stadteinwärts zwischen Südhöhe und Böllstraße. Das Herzstück bilden acht balkenförmige Achslastsensoren, die direkt in den Asphalt eingelassen werden. Dafür fräsen Fachleute 1,75 Meter lange Rinnen in die Fahrbahn und verkleben die Sensoren mit einer widerstandsfähigen Epoxidharzmasse. Beim Überrollen wirkt das Gewicht eines Fahrzeugs auf einen Piezo-Kristall. Dieser wandelt den Druck in einen elektrischen Impuls um.
Ein Datenlogger im Schaltschrank am Straßenrand verarbeitet die Signale getrennt nach Fahrspur und Radlast. Eine Kontaktschleife erkennt, wann ein Fahrzeug die Messstelle erreicht und wieder verlässt. So kann das System einzelne Achsen einem Auto oder Lastwagen zuordnen, das Gesamtgewicht berechnen und anhand der zeitlichen Abstände sogar die Geschwindigkeit ermitteln. Bevor der reguläre Betrieb beginnt, fährt ein zuvor gewogener Lastwagen zehnmal mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten über die Sensoren. Die Messwerte werden dabei mit dem bekannten Gewicht abgeglichen. Erst danach liefert die Anlage belastbare Daten.
Zusätzliche Sensoren messen die Temperatur an der Oberfläche und im Inneren der Fahrbahn. Wettertechnik erfasst außerdem Lufttemperatur, Wind und Niederschlag. Damit lässt sich untersuchen, wie Schwerverkehr, Sommerhitze, Frost und Feuchtigkeit gemeinsam auf den Asphalt wirken und seine Alterung beschleunigen.
Die Technik an der Bergstraße kostet rund 60.000 Euro, für den Einbau kommen etwa 50.000 Euro hinzu. Damit liegt der Preis dieser Messstelle bei insgesamt rund 110.000 Euro. Bereits aktiv sind Anlagen an Tharandter, Dohnaer und Washingtonstraße. Im August soll die Stauffenbergallee folgen, eine sechste Station ist geplant. Parallel fährt bis September 2026 ein Spezialfahrzeug das gesamte Dresdner Straßennetz ab. Seine Messtechnik erkennt Schlaglöcher, Spurrinnen, Verformungen und Risse ab 0,5 Millimetern Breite. Eine Software soll diese Zustandsbilder später mit den dauerhaft erhobenen Verkehrs- und Wetterdaten verbinden.
Ziel ist eine Prognose, welche Straße wann saniert werden muss und wo eine frühe Reparatur größere Schäden verhindert. So sollen Baugelder gezielter eingesetzt, Baustellen besser gebündelt und Sperrzeiten reduziert werden. Das Gesamtprojekt kostet rund 1,3 Millionen Euro. Der Bund übernimmt über die KfW-Förderung 65 Prozent. Für Dresden verbleibt damit rechnerisch ein Eigenanteil von rund 455.000 Euro. Verlässliche Prognosen erwartet die Stadt allerdings erst, wenn über mehrere Jahre kontinuierlich Daten gesammelt wurden.



