Dresden. Ein Tal, das Hofleute, Maler und Komponisten begeisterte, soll endlich wieder zu Fuß erlebbar werden: Der Wanderweg durch den Dresdner Keppgrund ist seit Oktober 2010 gesperrt. Nun steht die Sanierung der maroden Treppen und Stützmauern bevor. Damit kehrt eine wichtige Verbindung am Elbhang und im Umfeld des Fernsehturms zurück.
Den Weg frei macht auch das Engagement vor Ort. Am 14. Oktober übergab die Bürgerinitiative Keppgrund der Stadt Dresden eine Spende über 90.000 Euro. Der Ortschaftsrat Schönfeld-Weißig steuert 75.000 Euro bei. Von den 495.000 Euro Gesamtkosten trägt die Stadt damit rund 330.000 Euro. Losgehen soll es im ersten Quartal 2027, sofern das Wetter mitspielt. Rund fünf Monate sind eingeplant. Zuerst sichern Fachleute die Stützmauer an der Keppmühle und die seitliche Treppenwange am oberen Podest. Ein Hohlraum wird verfüllt. Danach werden Fugen erneuert, Stufen stabilisiert, ausgerichtet oder repariert und Fehlstellen mit Spritzbeton ergänzt. Ein Geländer nach historischem Vorbild samt Knieleiste schließt die Arbeiten ab. Der Charakter des Weges bleibt erhalten.
Vom höfischen Landschaftspark zur Künstlerkulisse
Seine Geschichte reicht weit über den Wanderbetrieb hinaus. Camillo Graf Marcolini (1739–1814), enger Vertrauter des sächsischen Kurfürsten, erwarb 1774 das Gelände des späteren Keppschlosses mit Weinberg und Weinpresse. Er ließ die Umgebung mit geschwungenen Wegen und einer künstlichen Ruine zum romantischen Landschaftspark formen. Um 1800 kam der Aussichtshügel Zuckerhut hinzu. So wurde das Tal auch zum beliebten Spazierziel des Dresdner Hofes.
Später fanden Künstler wie der Landschaftsmaler Adrian Zingg und der Arzt und Maler Carl Gustav Carus hier Anregungen. Besonders eng ist der Keppgrund mit Carl Maria von Weber verbunden. Der Hofkapellmeister verbrachte zwischen 1818 und 1824 mehrere Sommer in einem Winzerhaus in Hosterwitz und wanderte häufig zur Keppmühle. Nach Angaben der Bürgerinitiative spielte er dort am Klavier auch seine „Aufforderung zum Tanz“.
Die dunklen Felsen und engen Schluchten könnten Weber zudem zur berühmten Wolfsschlucht-Szene seiner Oper „Der Freischütz“ inspiriert haben. Belegt ist das nicht; die Szene wurde nicht nachweislich im Keppgrund geschrieben. Sicher ist aber, dass der Komponist diese Landschaft liebte. Auch Richard Wagner kannte den Keppgrund und erinnerte sich später an Wanderungen durch das Tal. Im nahen Graupa arbeitete er 1846 an „Lohengrin“. Über den Elbtal-Panoramaweg reicht diese Musik- und Wanderlandschaft bis nach Radebeul.



