Jeannine und René Kuhnt laden zum ersten Sommer OpenAir nach Radebeul. Foto © BranczeiszJeannine und René Kuhnt laden zum ersten Sommer OpenAir nach Radebeul. Foto © Branczeisz

Auf der Felsenbühne Rathen gilt bis Ende August Betretungsverbot. Für die Landesbühnen Sachsen bedeutet das nicht nur: keine Vorstellungen. Sie können derzeit nicht einmal ihre eigenen Sachen aus Rathen holen. Doch während anderswo noch über Probleme gesprochen wird, wird in Radebeul bereits eine neue Bühne aufgebaut. „René Kuhnt war einer derjenigen, die sofort gesagt haben: Wo kann ich helfen, was kann ich tun?“, erzählt Gastspielmanagerin Jane Taubert. Die Antwort steht nun fest: „Im Weißen Rößl“ zieht in die Villa Kolbe an der Zinzendorfstraße 16. Gespielt wird am 22. August um 18 Uhr. Bereits gekaufte Karten für die Vorstellung auf der Felsenbühne können dort eingelöst werden.

„Wir sind ja quasi Nachbarn“, sagt René Kuhnt. Und weil Nachbarn bekanntlich nicht nur Zucker, sondern offenbar auch ganze Operetten ausleihen, denkt er schon weiter: „Vielleicht kauft man irgendwann gemeinsam eine Bühne, die wir zusammen nutzen können.“ Die Kosten für das erste Sommer-Open-Air seien schließlich enorm. Für die nächsten zwei Wochen ist der Spielplan der Landesbühnen dennoch abgesichert. Gespielt wird unter anderem auch in der Jungen Garde in Dresden.

Neue Pläne wachsen bereits auf dem vermutlich grünsten Rasen Radebeuls: Am 4., 5. und 6. Juni 2027 soll in der Villa Kolbe ein „Sommernachtstraum“ mit Schauspiel, Tanz und Kammerorchester entstehen. Das Motto lautet Sommer-White, alle Gäste kommen in Weiß. Karten soll es ab September geben. Auch das Konzert der Dresdner Philharmonie ist als musikalisches Picknick gedacht – und zwar wörtlich. Picknickkorb, Decke und gern auch historische Kleidung dürfen mitgebracht werden. Kuhnt rechnet entspannt mit „Zaungästen“. Was dem Kaiser einst die Brückengäste am Elbufer waren, könnten Radebeul nun die Zaungäste an der Villa Kolbe werden. „Das gehört alles dazu“, sagt er.

Gleichzeitig wird auf der Terrasse ein VIP-Bereich für Philharmonie, Landesbühnen und Kreuzchor getestet. Die Karte kostet 170 Euro, erste Buchungen gibt es bereits. Für junge Leute bis 30 Jahre bietet die Philharmonie zudem ermäßigte Preise an. Kuhnt sieht die Villa Kolbe mitten in einer Findungsphase. Die Gesamtsanierung wird 6 bis 12 Jahre dauern. Stillstand bedeutet das nicht. Unterschiedliche Formate sollen zeigen, was an diesem Ort funktioniert. Dafür ruht die Baustelle jeweils 14 Tage vor dem Open-Air. Dann werden 500 Stühle gestellt, die Bühne aufgebaut und der Park vorbereitet.

Auf den Rat, doch erst einmal etwas fertigzumachen, antwortet Kuhnt gewohnt direkt: „Da hab ich aber keinen Bock. Wir entdecken uns jetzt.“ Das Interesse ist längst da: 7.000 Menschen kamen zum Tag des offenen Denkmals, zweimal jeweils 6.000 zum Anglühen und 6.000 zum Osterspaziergang. Die „Blutgräfin“ der Landesbühnen sahen 50 Zuschauer, „Kunst geht in Gärten“ lockte 400 Interessierte an, „Jazz im Park“ mit Eintritt 300 Gäste. Der Rasen hinter der Villa wird dabei nicht zum unberührbaren Heiligtum. „Ich bin kein Museum, wo überall Sperrbänder sind“, sagt Kuhnt. Gepflegt wird er trotzdem gründlich – anders als der neue Rollrasen im Dresdner Zwinger, der bereits vertrocknete.

„Ich bin von Haus aus kein Veranstalter“, gibt Kuhnt offen zu. Nun stemmt er das Sommer-Open-Air vom 20. bis 23. August mit 15 Mitarbeitern aus seinen 5 Restaurants und Bistros. Die Anforderungen sind beachtlich: Der Kreuzchor reist mit 60 Knaben an und braucht sichere Räume sowie Blickschutz. Die Philharmonie kommt mit 35 Akteuren; neben den Musikern müssen auch die Instrumente trocken und sicher untergebracht werden. Deshalb baut Kuhnt das Kutscherhaus mit den Remisen im hinteren Garten zur Künstlergarderobe und zum Lager um. Dort finden künftig auch das riesige Osterei, Deko-Instrumente, das Gehirn und zahlreiche Kostüme ihren Platz.

Gebucht sind Tom Pauls, Andreas Sauerzapf, die Landesbühnen Sachsen, die Dresdner Philharmonie und der Dresdner Kreuzchor. Die Links zu Tickets und Preisen stehen auf der Webseite der Villa Kolbe, denn jeder Akteur bietet seine Karten selbst an. Sollten nach den hohen Anfangsinvestitionen Erlöse übrig bleiben, fließen sie vollständig in die Sanierung der Villa Kolbe.

www.villakolbe.de

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