Juliette Singer und Andrea Seidel haben aufgesattelt - die Karl-May-Feststage haben Radebeul schon fest im Griff. Mit einer Weltpremiere und zwei Radebeuler Jubiläen. Foto © BranczeiszJuliette Singer und Andrea Seidel haben aufgesattelt - die Karl-May-Feststage haben Radebeul schon fest im Griff. Mit einer Weltpremiere und zwei Radebeuler Jubiläen. Foto © Branczeisz

Wenn sich vom 15. bis 17. Mai wieder Dampflok-Romantik, Pferdegetrappel, Lagerfeuerstimmung und Abenteuerlust im Lößnitzgrund vereinen, dann sitzt Radebeul einmal mehr „Fest im Sattel“. Die Karl-May-Festtage holen den Wilden Westen zurück nach Sachsen – mit jeder Menge Lebensfreude, Kultur, Musik und einem Programm, das größer und vielfältiger kaum sein könnte.

Das Motto „Fest im Sattel“ ist dabei ganz bewusst doppeldeutig gewählt. Es geht nicht nur um Cowboys, Pferde und den klassischen Sattel, sondern auch um festen Lebensmut, Optimismus und die Freude daran, Karl Mays Erbe modern weiterzudenken. Genau das will Radebeul ausstrahlen: Abenteuerlust, Offenheit und eine dem Leben zugewandte Weiterentwicklung des berühmten Schriftsteller-Erbes. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Nostalgie. Auch aktuelle Fragen werden diskutiert: Was ist die Radebeuler Sammlung wert? Wie soll sich das Karl-May-Museum künftig ausrichten? Welche Rolle spielt indigene Kultur heute? Gespräche, Diskussionen und Begegnungen gehören deshalb genauso zu den Festtagen wie Action und Show.

Besonders viel Vorfreude herrscht in diesem Jahr auf mehrere Premieren. Eine davon bringt internationale Starpower direkt nach Radebeul. Mit Christian Takes Gun Parrish alias „Supaman“ kommt erstmals ein indigener Rapper, DJ und Pow-Wow-Tänzer der Apsáalookw Nation aus Montana nach Deutschland. Der Künstler gewann bereits einen MTV-Award, trat in Stockholm auf und verbindet traditionelle indigene Kultur mit modernem Hip-Hop, Rap und Performance. Gleichzeitig gilt er als Aktivist und gefragter Speaker. Für Robin Leipold, wissenschaftlicher Direktor des Karl-May-Museums, und Björn Reinemer, künstlerischer Leiter der Festtage, ist dieser Auftritt ein echtes Highlight.

Neu dabei sind außerdem Satin Sarrasani & Freunde. Erstmals wird gemeinsam mit den Dresdner Filmnächten außerdem der Kultfilm „Vier Fäuste für ein Halleluja“ gezeigt. Auch das Thema indigener Filmkunst bekommt in diesem Jahr eine große Bühne: Der Cree-Filmemacher Neil Diamond aus Kanada präsentiert gleich zwei Produktionen indigener Völker. Vision Maker Media aus Lincoln zeigt ebenfalls zwei aktuelle Filme. Überhaupt wird das Karl-May-Fest 2026 internationaler und kulturell vielfältiger denn je. Indigene Tänze, Musik, Gespräche am Lagerfeuer, indianische Kunst und Veranstaltungen an neun Schulen verleihen dem Fest einen volkskundlichen Anspruch mit menschlicher Nähe und einer Authentizität, die in dieser Form wohl einmalig ist.

Und die Zahlen sprechen ohnehin für sich: Mehr als 20 Bands, acht Theaterstücke, fünf Filme, über 500 Mitwirkende, 40 Firmen, 80 Händler, 150 Pferde, mehr als 50 Fahrten mit dem Santa-Fé-Express, 20 Acts und Gäste aus zwölf Nationen verwandeln Radebeul in ein riesiges Abenteuerdorf voller Musik, Kultur und Lebensfreude. Auch im Lößnitzgrund selbst verändert sich einiges. Der Karl-May-Orient zieht erstmals zentral ans „Weiße Ross“. Dort wird unter anderem erstmals ein Derwisch-Tänzer aus Ägypten auftreten. Gleichzeitig wandert das Eisenbahnercamp mitsamt Schmiede an den Haltepunkt Lößnitzgrund. Besucher können von dort bequem mit einem halbstündlichen Shuttle ab der Bushaltestelle „Alte Meierei“ nach Alt-Wahnsdorf ins Reitercamp fahren.

Dort warten unter anderem Juliette Singer mit ihrer Freiheitsdressur oder Andrea Seidel mit Workshops im Bogenschießen. Pferdegeschichten, Stunts, die große Sternreiter-Parade, der Santa-Fé-Express und sogar der Zeitungsjunge mit den neuesten Meldungen zum Museumsneubau gehören selbstverständlich ebenfalls wieder zum Programm. Und nach fünf Jahren gibt es erstmals wieder ein Salutschießen am „Weißen Ross“ – auch wenn der berühmte Überfall weiterhin eher musikalischer Natur bleibt. Mitten im Trubel feiern die Karl-May-Festtage außerdem zwei besondere Jubiläen. „100 Jahre Villa Bärenfett“ wird mit Schätzen aus dem Museumsdepot gewürdigt, präsentiert vom Ethnologen Martin Schultz aus Göteborg. Gleichzeitig erinnert die Ausstellung „Ein Leben im Banne Karl Mays“ an den 150. Geburtstag von Patty Frank. Besucher dürfen sich auf Kurzführungen durch die „Villa Bärenfett“ freuen – mit Museumsgründer Patty Frank höchstpersönlich, dargestellt von Roland Wichmann.

Und noch eine prominente Persönlichkeit sitzt in diesem Jahr „Fest im Sattel“: Schauspielerin Nadine Menz übernimmt erstmals die Schirmherrschaft der Karl-May-Festtage. Bekannt wurde sie unter anderem durch die TV-Serie „Unter uns“. Karl-May-Erfahrung bringt sie ebenfalls mit: Bereits 2003 spielte sie bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg die Rolle der Nscho-tschi, Winnetous Schwester – eine der bekanntesten Figuren im gesamten Karl-May-Kosmos. Für sie steht Karl May bis heute für große Gefühle, Abenteuer und Hoffnung. Genau diese Stimmung soll auch in Radebeul wieder spürbar werden.

Alle Infos und das komplette Programm gibt es unter:
www.karl-may-fest.de

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