Die Natur spielt bei Theresa Scholz eine Schlüsselrolle -die Praxis stimmt darauf ein. Foto © BranczeiszDie Natur spielt bei Theresa Scholz eine Schlüsselrolle - die Praxis stimmt darauf ein. Foto © Branczeisz
Adieu Hauptstraße.
Adieu Hauptstraße.
Willkommen Meißner Straße.
Willkommen Meißner Straße.

Radebeul. Theresa Scholz hat in den vergangenen Tagen nicht nur behandelt, sondern gemalert, Kartons geschleppt und Möbel gerückt. Jetzt ist der Umzug geschafft: Die Heilpraktikerin arbeitet künftig in der Meißner Straße 108. Wo vorher eine Hebammenpraxis war, bleiben die Räume damit in medizinischer Hand. „Erst war hier der Ort, wo das Leben beginnt – und ich mache jetzt was daraus“, sagt sie lachend.

Mit der neuen Adresse soll sich allerdings mehr ändern als nur die Anschrift. Theresa möchte künftig auch einen Online-Raum schaffen, in dem Frauen miteinander ins Gespräch kommen können – über Dinge, die nach außen oft niemand sieht. Ein neues Angebot trägt den Titel „Nach außen stark und innerlich ausgebrannt“. Geplant ist ein Online-Programm für Frauen, die im Alltag funktionieren, organisieren, arbeiten, Familie zusammenhalten – und dabei irgendwann merken, dass die eigene Kraft längst nicht mehr hinterherkommt. „Wie geht’s dir?“ – „Gut.“ Für Theresa ist genau diese automatische Antwort ein Thema. „Man sagt das einfach. Aber manchmal ist es eben nicht gut.“ Viele Frauen versuchten lange, allen Erwartungen gerecht zu werden: leistungsfähig sein, freundlich bleiben, im Beruf funktionieren und zu Hause möglichst auch noch alles im Griff haben. Erst wenn jemand zusammenbreche, seien Umfeld und Betroffene plötzlich erschrocken.

Eine eigene Umfrage habe ihr gezeigt, wie wichtig dabei Anonymität ist. Deshalb möchte sie geschützte Gruppen schaffen, in denen niemand sofort seine ganze Geschichte erzählen oder sich erklären muss. „Es geht auch darum zu merken: Anderen geht es genauso.“ Die Gruppe soll dabei kein Ort sein, an dem Frauen dauerhaft „betreut“ werden. Im Gegenteil. Theresa möchte ihnen helfen, wieder mehr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Wer möchte, kann sich später auch mit anderen Teilnehmerinnen vernetzen.

Dass sie heute so arbeitet, hat viel mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. Theresa Scholz war 16 Jahre pharmazeutisch-technische Assistentin. Ursprünglich wollte sie Ärztin werden, entschied sich damals aber zunächst für ihre Familie. Irgendwann spürte sie, dass ihr die Arbeit in der Apotheke nicht mehr reichte. Kurz vor der Corona-Zeit kündigte sie und begann einen neuen Weg.

Sie ließ sich zur Heilpraktikerin ausbilden und beschäftigte sich intensiv mit Körperarbeit, Akupunktur, Stoffwechsel, Umweltmedizin sowie Narbenbehandlung. Ein persönlicher Verlust spielte dabei eine wichtige Rolle: Nach dem Tod ihrer Großmutter ließ sie sich ein kleines Tattoo hinter das Ohr stechen – Herz, Kleeblatt und Anker. Später entwickelte sie dort anhaltende Beschwerden. Für Theresa wurde diese Erfahrung zum Ausgangspunkt dafür, sich intensiver mit körperlichen und emotionalen Folgen von Narben und belastenden Erfahrungen auseinanderzusetzen.

Heute kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Beschwerden zu ihr – etwa Erschöpfung, anhaltendem Stress oder körperlichen Symptomen, für die sie nach weiteren Zusammenhängen suchen. Theresa betrachtet dabei nicht nur einzelne Beschwerden, sondern fragt nach Alltag, Belastungen und wiederkehrenden Mustern. Ein Satz ist ihr dabei wichtig: Veränderung soll nicht ausschließlich von außen kommen. Deshalb gibt es bei ihr manchmal sogar ein „grünes Rezept“. Darauf steht kein Medikament, sondern ganz konkret, was jemand selbst im Alltag verändern oder ausprobieren kann.

Mit den neuen Räumen will Theresa Scholz genau diesen Gedanken weiterführen: auch einen virtuellen Ort schaffen, an dem Frauen nicht erst zusammenbrechen müssen, bevor sie sagen dürfen, dass gerade nicht alles gut ist.

www.ganzheitlich-therapie.de

Barrierefreiheit