René Kuhnt zeigt das Kamingitter, das nach 76 Jahren wieder zurück in der Villa Kolbe ist. Foto © BranczeiszRené Kuhnt zeigt das Kamingitter, das nach 76 Jahren wieder zurück in der Villa Kolbe ist. Foto © Branczeisz
Ob das Gitter so schwarz oder vielleicht doch grau-grün die andere Gitter und Fenster war - vielleicht sogar mit goldenen Blüten - das muss sich zeigen. Foto © Branczeisz
Ob das Gitter so schwarz oder vielleicht doch grau-grün wie andere Gitter und Fensterrahmen war – vielleicht sogar mit goldenen Blüten – das muss sich zeigen. Foto © Branczeisz
René Kuhnt konnte das Kamingitter selbst in Lindenau abbauen. Foto © privat
René Kuhnt konnte das Kamingitter selbst in Lindenau abbauen. Foto © privat
Eine Zeichnung vom "Zimmer des Herrn" in der Villa Kolbe: rechts oben im Bild ist das Kamingitter zu erkennen. Quelle © Denkmalamt
Eine Zeichnung vom „Zimmer des Herrn“ in der Villa Kolbe: rechts oben im Bild ist das Kamingitter zu erkennen. Quelle © Denkmalamt
Die sogenannte "Pickelhaube" auf den Kamin mit der wiederhergestellten Blüten-Verzierung. 
Foto © Branczeisz
Die sogenannte „Pickelhaube“ auf den Kamin mit der wiederhergestellten Blüten-Verzierung. Foto © Branczeisz

Radebeul. „Die Dinge Dich René“, sagt meine Frau, erzählt René Kuhnt. Und manchmal denke ich selbst: Da muss wirklich etwas dran sein. Denn nun ist wieder ein Stück Villa Kolbe zu mir zurückgekehrt, mit dem ich so nicht gerechnet hatte: das opulent geschmiedete Kamingitter aus dem einstigen Zimmer des Herrn. Einen Monat nach dem ersten Tag des offenen Denkmals bekam ich einen Hinweis. In Lindenau, hieß es, stehe in einem Garten genau dieses Gitter – allerdings nicht mehr vor einem Kamin, sondern als Ziergitter. Natürlich musste ich mir das ansehen. Und tatsächlich: Es war das Kamingitter aus der Villa Kolbe.

Wie es dort gelandet ist, lässt sich erstaunlich genau erzählen. Als in der Villa Kolbe der hintere Anbau zu einem Arztzimmer ausgebaut wurde, störte das Kamingitter offenbar. Also wurde es demontiert und stand zunächst eine Weile herum. Schließlich fragte eine Krankenschwester, ob sie es haben könne. Sie durfte das schwere Stück gegen einen Obolus mit nach Hause nehmen. Das ist heute 76 Jahre her.

Von dem Moment, in dem ich wusste, wo das Gitter steht, bis zu seiner Rückkehr verging allerdings noch einmal fast ein Dreivierteljahr. So lange hat es gedauert, bis ich es schließlich kaufen konnte. Ich durfte es sogar selbst ausbauen. Und dann war dieser Moment da: Das Kamingitter war wieder zu Hause. Nach 76 Jahren zurück in der Villa Kolbe.

Für mich ist das nicht einfach irgendein Stück Metall. Dieses Gitter ist ein Kunstwerk der Schmiedekunst. Es gehört zu den schönsten Arbeiten von August Kühnscherf & Söhne, jener Firma, die vom sächsischen „Schlosserkönig“ Carl Friedrich August Kühnscherf gegründet wurde. Kühnscherf hat auch an der Villa Kolbe seine gestalterische Handschrift hinterlassen – und wenn man vor solchen Details steht, versteht man erst, mit welchem Anspruch dieses Haus einst ausgestattet wurde.

Nun wird das Kamingitter restauriert. Diese Arbeit übernimmt erneut die Metallfirma Ehnert. Dass es am Ende wieder so schwarz aussehen wird wie heute, bezweifle ich allerdings. Ich halte einen grau-grünen Farbton für wesentlich wahrscheinlicher – ähnlich dem Ton der Fenster der Villa, möglicherweise kombiniert mit golden verzierten Blütenblättern. Aber genau das wird sich erst in der Werkstatt zeigen. Dort kann man Schicht für Schicht herausarbeiten, wie das Gitter ursprünglich tatsächlich gestaltet war. Und während dieses Stück nun seine nächste Restaurierungsetappe beginnt, wächst auch an anderer Stelle die historische Villa wieder sichtbar zusammen. Das Dach ist inzwischen eine Kunstlandschaft für sich. Ende September soll es fertig sein – und das ist für mich eine grandiose Leistung.

Gerade beim Dach zeigt sich immer wieder, wie entscheidend historische Detailaufnahmen sind. Jetzt sind erneut Bilder aufgetaucht, auf denen Feinheiten zu erkennen sind, die man sonst kaum hätte rekonstruieren können. So wissen wir inzwischen: Selbst die sogenannte Pickelhaube besaß hinten und vorn ganz feine Gitter. Auch diese werden jetzt wieder hergestellt. Für die Arbeiten musste die Pickelhaube sogar mit einem Flaschenzug angehoben werden. Anders wäre man an den darunterliegenden Essenkopf kaum herangekommen, der saniert werden musste. Und dabei sprechen wir nicht von einem kleinen Dachaufsatz: Die Pickelhaube wiegt fast 400 Kilogramm. Wenn man sie dort oben schweben sieht, wird einem noch einmal bewusst, welchen Aufwand die Wiederherstellung jedes einzelnen Details bedeutet.

Zum Tag des offenen Denkmals möchte ich den Besuchern nun zwei besondere Rückkehrer zeigen. Das Kamingitter wird zu sehen sein – und auch das jüngst wieder aufgetauchte Sonnenrad. Beide Stücke werde ich auf einem Sandsteinsockel präsentieren.

Solche Funde sind für mich immer besondere Momente. Man sucht nach alten Plänen, Fotos und Spuren, versucht Details zu verstehen und verloren Geglaubtes wieder sichtbar zu machen. Und dann gibt es diese anderen Momente, in denen plötzlich jemand anruft und sagt: Da steht etwas in einem Garten.

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