In der jüngsten Radebeuler Stadtratssitzung hatte OB Bert Wendsche verkündet, die Stadt habe dem Betreiber des Jugendhauses „Weißes Haus“ die Fremdvermietung für private Feiern untersagt. Acht Stadträte haben jetzt einen offenen Brief an den Ob geschrieben und einen Runden Tisch vorgeschlagen. Das White House sei mehr als nur ein Veranstaltungsort, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung: Es ist ein zentraler Ort für die Jugendkultur Radebeuls. Hier lernen junge Menschen Selbstorganisation, sammeln Erfahrungen, finanzieren ihre Abiklassen – und dürfen auch mal feiern. Ein Verbot der Untervermietung würde dieses gewachsene kulturelle Angebot massiv einschränken.
Hintergrund der Debatte sind wiederholte Lärmbeschwerden eines Anwohners. Wie häufig und in welchem Ausmaß es dabei tatsächlich zu Überschreitungen kam, sei aus ihrer Sicht aber unklar. Die Stadträte betonen jedoch, dass sowohl die Interessen der Anwohnerschaft als auch die Rechte der Jugendlichen ernst genommen werden. Maßgeblich bleiben jedoch die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen – etwa das OWiG, das Bundesimmissionsschutzgesetz und die örtliche Polizeiverordnung.
Schon beim Umbau des Lößnitzbachs, der den Abriss eines Schuppens am White House notwendig machte, war der Konflikt Thema. Eine mögliche Zunahme der Lärmbelastung soll nun durch den Bau einer Lärmschutzwand aufgefangen werden – der Beschluss dafür liegt bereits vor und müsse zügig umgesetzt werden.
Für die Übergangszeit bis zur Fertigstellung der Wand fordern die Stadträte eine sachliche und ausgewogene Lösung. Ein pauschales Verbot sei dafür ungeeignet. Es könne die Jugendkultur nachhaltig beschädigen, ohne den Lärmkonflikt wirklich zu lösen. „Wir müssen realistisch bleiben: Jugendliche werden sich auch weiterhin am White House treffen – auch ohne Vermietung“, heißt es. Lautstärke müsse in Einzelfällen durch Gespräche, Kontrollen oder notfalls durch die Polizei reguliert werden.
Statt eines Verbots plädieren die Unterzeichner für das mildeste mögliche Mittel. Denkbar seien etwa monatliche Veranstaltungsgrenzen oder Einschränkungen bei der Art der Events. Um eine tragfähige Kompromisslösung zu finden, fordern sie die Einrichtung eines Runden Tisches – gemeinsam mit Jugendlichen, Anwohnern sowie dem Trägerverein JUCO.
Unterzeichnet haben die Erklärung:
Leonhard Weist (SPD), Angelika Didrikeit (DIE LINKE), Oliver von Gregory und Eva Oehmichen (Bündnis 90/Die Grünen), Hans Kraske (Freie Wähler), Jana Bachmann (DIE LINKE), Maximilian Speidel (CDU) und Thomas Weist (SPD).



