Lisa Geißler und Claudia Wittich zeigen im REWE-Markt, wie SB-Kassen funktionieren. Foto: © BranczeiszLisa Geißler und Claudia Wittich zeigen im REWE-Markt, wie SB-Kassen funktionieren. Foto: © Branczeisz

„Radebeul-aktuell“ wollte wissen, wie die SB-Kassen wirklich ankommen und schaut bei Lisa Geißler im REWE-Markt vorbei. Die stellvertretende Marktleiterin und ihre Kollegin Claudia Wittich wissen es genau.
Der Markt hat 6 SB-Kassen und 4 herkömmliche. Die Kunden nutzen beides – an der SB-Kasse stehen Kunden mit zwei, drei Artikeln, aber auch mit vollen Körben und scannen geduldig ihre Artikel ein. Spart der Markt dadurch? „Nein, der Markt spart weder Personal noch Kosten – es geht schneller, der Kunde kann selbst aktiv werden, statt in der Schlange zu stehen“, sagt Lisa Geißler.

Anfangs haben die Kunden tatsächlich die SB-Kassen gemieden, weil sie dachten, dadurch würden Mitarbeiter gekündigt und außerdem sei das alles viel zu kompliziert. Inzwischen haben sich viele daran gewöhnt, „ihr eigenes Ding“ zu machen. Es geht einfach schneller. Solange der Kunde nicht in eine Kontrolle gerät. Dann heißt es im schlimmsten Fall: Alle Waren aufs Band legen und alles noch mal einscannen lassen! Das nervt. Aber sind die Kontrollen wirklich zufällig oder werden die Kunden doch irgendwie überwacht?

Nicht per Gesichtserkennung, aber eine Kamera registriert die Handbewegungen, welche Artikel ein Kunde einscannt, und zeigt die Liste mit den Preisen auf einem Display neben den Kassen, der von einer Mitarbeiterin im Auge behalten wird. Die konzentriert sich nur auf die großen Posten, zum Beispiel von der Fleisch- und Wursttheke oder die Getränke. Taucht das nicht auf den gescannten Posten auf, wird kontrolliert. Von der Servicetheke wird auch angezeigt, wenn teurere Pakete zur Kasse kommen.

Und dann gibt es natürlich Zufallskontrollen. Mancher empfindet das als Schikane. Die Praxis zeigt: Tatsächlich wird mal etwas „vergessen“ zu scannen. Absicht oder nicht? Schwierig. Juristisch ist ein Versehen kein Ladendiebstahl. Absicht dagegen schon. Wer mehrmals erwischt wird, muss mit einer Anzeige rechnen.

In der Zukunft wird es keine Kassierer mehr geben. Schon heute gibt es in Schweden Testmärkte ohne Kassierer, in denen Einkaufswagen mit Magnetfeld alles scannen. Übrigens auch das, was in der Tasche wäre.

Wer übrigens einen Hand-Scanner mit in den Supermarkt nimmt, um die Artikel schon zu scannen, wenn er sie in den Korb legt um sich damit das Auspacken an der Kasse erspart – der liefert zusätzliche wertvolle Daten. Denn die verraten dem Markt Interessantes, zum Beispiel: Welche Wege nimmt der Durchschnittskunde durch die Regalreihen? Und wie ist er eigentlich, der Durchschnittskunde? Welche Produkt-Kombinationen werden gern genommen, wo bleiben Kunden stehen und was interessiert sie überhaupt nicht?

Überwachung oder Marktforschung – die Märkte bekommen so Muster geliefert, wie sie mit neuem Waren-Layout das Kaufverhalten gestalten. Im Netz nennt man das Tracking. Die KI entwickelt sich weiter rasant, oft ohne dass uns das bewusst ist.

Eines hat sich auf alle Fälle durch die SB-Kassen geändert: War es früher üblich, Kunden mit ein, zwei Artikeln mal schnell vorzulassen, wird das jetzt seltener gemacht. Denn wer sich der neuen Technik nicht stellt, hat eben Pech und muss warten.

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