Alle denken, Schloss Moritzburg wäre völlig symmetrisch, aber das stimmt eben nicht. Foto: © BranczeiszAlle denken, Schloss Moritzburg wäre völlig symmetrisch, aber das stimmt eben nicht. Text & Foto: © Branczeisz

Es leuchtet weithin: Ein riesiges weißes Planensegel über dem Back-Thurm des Moritzburger Schlosses kündet seit Monaten von einem Großprojekt. Die historische Kuppel ist eingerüstet, eingehaust – und wird aufwendig restauriert. Was viele nicht wissen: Dieser Turm ist ein Stück barocke „Mogelpackung“.

August der Starke war kein Mann halber Sachen. Der Kurfürst von Sachsen ließ sein Jagdschloss im 18. Jahrhundert persönlich umbauen – nach seinen Skizzen und Vorstellungen. Die Umsetzung übernahm Stararchitekt Matthäus Daniel Pöppelmann. Vier Türme sollten das neue Schloss rahmen, monumental und gleichmäßig. Doch in Wirklichkeit wurden die Pläne nie vollständig umgesetzt. Das Geld ging aus…

Der Back-Thurm – einst über der Schlossbäckerei – zeigt heute deutliche Gebrauchsspuren. Schon in den 1990er-Jahren wurde das Dach notdürftig saniert. Die jetzige Sanierung geht tiefer: Risse, undichte Stellen, brüchige Gauben – all das wird nun grundlegend angegangen. Der barocke Dachstuhl bleibt, wird aber teilweise neu aufgelattet und repariert. Alte Balken mit Beil behauen treffen auf jüngere, maschinell gesägte. In den Decken und den beiden unteren Etagen des Dachstuhles sind ca. 20 Kubikmeter Holz ausgetauscht und neu verbaut.

Außerdem wurde gleich die Laterne des Backturmes einschließlich Wetterfahne instand gesetzt. Überraschend und erfreulich war, dass die Arbeiter in der Kugel der Wetterfahne zwei Schriftstücke von unseren Vorgängern fanden, einmal von Arbeiten am Ende des 19.Jh. und einmal vom Ende der 1990er Jahre. Nachdem die Vergoldung der Wetterfahne instandgesetzt und die mechanische Beweglichkeit geprüft worden war, wurde die Wetterfahne wieder aufgesetzt. Natürlich haben auch die Restauratoren von heute Dokumente in der Kugel hinterlassen.

Aktuell laufen die Dachdeckerarbeiten. Das Frost behindert das gerade etwas. Denn die Dachlatten für die Deckung des runden Turmes müssen vorher im Wasser eingeweicht werden, damit sie sich biegen lassen.

Was der Öffentlichkeit aber eben bisher verborgen blieb: Die Turmhauben unterscheiden sich. Die Prunkseite Richtung Auffahrt hat mehr Gauben als die Rückseite. Ein optischer Trick, kein bauliches Versehen. Die Denkmalpflege entschied nun, keine Ideale wiederherzustellen, sondern die gewachsene Realität zu erhalten – mit all ihren charmanten Brüchen.

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