Janka Seifert hat Holdine Krause (94) aus Radebeul und Helga Grützke (87) aus Coswig heute Schaf und Ziege mitgebracht. Foto: © Alexa LangerJanka Seifert hat Holdine Krause (94) aus Radebeul und Helga Grützke (87) aus Coswig heute Schaf und Ziege mitgebracht. Foto: © Alexa Langer

Ein Tag in der Johanniter-Tagespflege an der Meißner Straße 84 fühlt sich nicht an wie Pflege. Wer hierherkommt, kommt nicht nur zum Sitzen. Hier wird gelebt, gelacht, erzählt, geknobelt. Mittendrin: Holdine Krause (94) aus Radebeul – mit ihren 94 Jahren die älteste Besucherin. Seit zwei Jahren ist sie einmal wöchentlich dabei, genau wie Helga Grützke (87) aus Coswig, die seit August 2025 einen festen Platz im Herzen der Runde hat.

Dass der Besuchstag flexibel bleibt, ist Gold wert – „wenn mal was anderes ansteht, wird eben geschoben“, sagt Holdine Krause. Hier zählt, dass man nicht allein ist. Es wird Rommé gespielt, gerätselt, Bingo gezockt – Rummikub ist besonders beliebt, denn das Karten festhalten fällt vielen schwer, mit den Steinen lässt es sich leichter spielen.

Für tierisch gute Stimmung sorgt diesmal Janka Seifert aus Friedewald. Aus besonderem Anlass: Die Tagespflege der Johanniter feiert ihren dritten Geburtstag. Mit „Freude im Kopf“ – unter diesem Logo hat sich die Friedewalderin selbstständig gemacht – ist sie heute mit einem Schaf und einer Ziege – Siglinde und Sigor – bei den Senioren in der Meißner Straße 84 angereist. Zuhause in Friedewald warten insgesamt zwei Ziegen, zwei Schafe, ein Pferd, ein Muli, ein Chihuahua und etliche Kaninchen auf ihren tierischen Einsatz. „Die großen Tiere bleiben lieber bei mir auf dem Hof, die Kleinen reisen mit“, lacht sie. Im Sommer kommen noch Hühner und Enten zur illustren Gesellschaft dazu. Die werden von klein auf an den Kuschelzoo gewöhnt und sind auch leichter zu transportieren. Heute ist Fellkraulen angesagt, auch wenn es etwas müffelt vor lauter Ziege. Aber auch Gerüche bringen Erinnerungen. Und plötzlich erzählen die Senioren: von früher, von eigenen Tieren, von glücklichen Tagen.

Eine Betreuerin erzählt, dass ihr Kollege Vogelspinnen hält. Ob er die auch mal mitbringen soll? Alle schrecken zurück – und lachen herzhaft. Endlich mal wieder laut. Manche das erste Mal in dieser Woche.

„Wir machen viel mit Tieren – wir fahren Kutsche in Moritzburg, besuchen das Wildgehege, gehen in den Zoo“, erzählen die Betreuer. Es gibt spontane Miniausflügen je nach Wetter, z.B. in der Hoflößnitz einen Glühwein trinken, zum Spitzhaus und es gibt natürlich geplante Ausflüge wie in die Porzellanmanufaktur nach Meißen, ins Verkehrsmuseum und in den warmen Monaten natürlich raus, zum Beispiel ins Wildgehege, Kutsche fahren in Moritzburg und kleine Spaziergänge hier – meistens zur Villa Kolbe, denn die wollen alle sehen und schon wieder sprudeln die Erinnerungen.

Wer nicht raus mag, bleibt kreativ: Weihnachtsdeko basteln, backen oder Geschichten aus alten Radebeul-Zeiten lauschen. Oder: Musikbox an, Schlager los, dann wird gemeinsam gesungen. Und wer möchte, macht mit bei Sitzgymnastik oder lässt sich morgens aus der Zeitung vorlesen, wenn die Augen nicht mehr mitmachen.

Geöffnet ist die Tagespflege Montag bis Freitag, ab 8 Uhr. Dann trudeln die Gäste ein – viele mit Fahrdienst. Frühstück, Tageszeitung, Programm, Mittagessen, Mittagsruhe, Vesper. Um 15 Uhr geht’s wieder nach Hause. Etwa 15 Gäste sind täglich da, betreut von fünf Mitarbeitern. Die Leitung hat Maria Westphal – am besten einmal bei ihr vorbeischauen und sich selbst ein Bild machen.

Oder gleich einen Tag lang reinschnuppern, auch das wird angeboten. Ab Pflegegrad 2 übernimmt die Kasse 12 Tage im Monat.

Johanniter-Tagespflege Radebeul: 0351 440 354 70

Tiergestützte Arbeit: www.freudeimkopf.de

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