René Kuhnt sitzt zufrieden am Kamin. Noch ist der ein Provisorium, was viel wichtiger ist - der Schornstein ist original restauriert. Foto: © BranczeiszRené Kuhnt sitzt zufrieden am Kamin. Noch ist der ein Provisorium, was viel wichtiger ist - der Schornstein ist original restauriert. Foto: © Branczeisz

René Kuhnt sitzt im Stuhl am Kamin. Der ist zwar noch ein Provisorium – aber das Feuer flackert. Nach 130 Jahren Kälte atmet der Raum wieder Geschichte. Es ist eine denkwürdige Szene, ein Meilenstein für den Bauherrn. Das „Zimmer des Herren“ wird wieder zu dem, was es einmal war: Arbeits- und Wohnzimmer in einem, ein Ort der Gründerzeit, voller Erinnerungen.

Der Kamin auf einem historischen Foto soll möglichst genauso wiedererstehen. Kuhnt zeigt Reste der alten Kacheln aus seiner Sammlung – dunkelgrün, mit golden eingebrannten Verzierungen. Gefunden hat er sie im Kamin in der Lobby – offenbar wurden sie abgeschlagen und dort hineingeworfen. Damals gefertigt von Oscar Titels Kunsttöpferei, wie Kuhnt herausfand. Der Ofenbaumeister fertigte zur Kaiserzeit auch die Kamine in sämtlichen Ministerien, wie er in Erfahrung gebracht hat. Sogar eine Scheibe zum Herunterziehen hatte der Kamin schon.

Überhaupt war vieles so annehmlich, dass es auch heute wieder seinen Platz finden soll: das Gitter im Rundbogen, gegenüber direkt am Fenster die Sitznische mit Tisch und Jugendstilsofas – einst die Essecke. In der Mitte: der doppelseitige Schreibtisch, dahinter ein Bücherschrank, der vielleicht in die Wand eingelassen war. Die klingt beim Abklopfen hohl. „Da wartet vielleicht noch eine Überraschung, wenn der Putz abkommt“, sagt Kuhnt.

Ein Gemälde aus Dresden, heute noch im Besitz der Familie Kohlmann, derzeit in der Gemäldegalerie Dresden, gehörte ebenfalls dazu. Aber erst mal soll ein zur Zeit des Hauses passender Kamin zurückkehren – mit Hilfe von Schornsteinfeger Gerald Preuß scheint das Projekt „Kamin“ zu gelingen. Bis Ende nächsten Jahres. Die sogenannte „Hosenträger“-Essenführung, die bereits wieder original hergestellt wurde, ist keine gerade Esse, wie man sie heute überall sieht, sondern zieht sich verschlungen durch die Wände und über Vorsprünge – wie es damals war. Eine Esse hat sogar ein Fenster, die Züge gehen oben wieder zusammen. „Wahnsinn!“ Das Denkmalamt sagte nur: „Versuchen Sie das mal hinzubekommen, Herr Kuhnt.“ – „Und wir haben’s hinbekommen. Das war eine irre Arbeit“, antwortet Kuhnt heute.

Die Esse mit der Pickelhaube raucht wieder über der Villa. Eine weitere wird für die Gasheizung hergestellt, eine andere für die Lobby. Drei Schornsteine also. Die anderen Essen sind innen längst ausgebaut. „Show-Essen“, sagt Kuhnt. Bis August soll nun alles fertig sein, nicht erst Ende 2026 – das Dach inklusive: Gold, Sandstein, Schiefer. Ein Dach aus englischem Rotschiefer, mit Essen, die mit kleinen Pagoden abgedeckt sind, für Türmchen und Fahnen – und die allesamt vergoldet. „Das ist ein Kunstwerk, kein Dach“, sagt Kuhnt.

Übrigens: Die große Wetterfahne kommt im Februar! Auf ihr wird auch das Signet „VK – Villa Kolbe-Kohlmann-Kuhnt“ zu sehen sein. „Kann man lesen, wie man will“, sagt Kuhnt und schmunzelt. Verewigt hat sich der Bauherr mit einem kleinen Namenszug „Kuhnt“ darunter. „Aber das sieht man von unten nicht.“

Ob die Villa Kuhnt eine der ersten Zentralheizungen Radebeuls hatte? Kuhnt winkt ab: „Da müsste man in der Historie nochmal graben.“ Verbürgt ist eine andere, beklemmende Geschichte: Ein weißer Kamin aus „Meissner“ – ziemlich kaputt zwar, aber in Fragmenten da – erzählt sie. In diesem Raum musste sich die Frau von Dr. Kohlmann aufhalten, wenn „bestimmte“ Patienten kamen. Sie war Jüdin und durfte dann die Praxisräume oben nicht betreten. Der stille Kompromiss, den die Nazis dem Mediziner zugestanden.

Weithin sichtbar ist dagegen der originale Fahnenmast der Villa Kolbe, den René Kuhnt tatsächlich in einer Ecke auf dem Boden gefunden hat. Jetzt hängt ein Herrnhuter Stern dran – und an Feiertagen vielleicht die Radebeuler Stadtfahne.

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