Eine Rechnung von 1962 und gesperrte Theaterfotos? Andreas Schwarze erzählt. Foto © SchinewEine Rechnung von 1962 und gesperrte Theaterfotos? Andreas Schwarze erzählt. Foto © Schinew

Radebeul. Ein paar historische Fotos von Theaterfahrzeugen – was kann daran schon kompliziert sein? Für Andreas Schwarze wurden die Suche zur Geduldsprobe. In einer Mappe des Kraftfahrzeughofs aus den 1960er-Jahren entdeckte er Bilder des Fuhrparks der Landesbühnen Sachsen. Doch die Akte war gesperrt. Der Grund: Zwischen den Aufnahmen lag eine Rechnung eines Kfz-Meisters von 1962. Erst nach langen Diskussionen kam die verblüffend einfache Lösung: Rechnung herausnehmen, Fotos freigeben. „So bin ich an die Bilder gekommen“, erzählt Schwarze bei der Midissage im Radisson Blu in Radebeul. „Geschichte muss Spaß machen.“

Genau das ist sein Antrieb: Vergangenes nicht hinter Glas verschwinden zu lassen, sondern Geschichten zu erzählen, die hängen bleiben. Im Radisson Blu Park Hotel & Conference Centre gibt er Einblicke in seine Ausstellung zur Geschichte der Landesbühnen Sachsen. Das Ensemble feierte 2025 seinen 80. Geburtstag. Für die Jubiläumsschau hatte Schwarze historische Dokumente, Bilder und Biografien zusammengetragen. Als die Landesbühnen ihn fragten, ob sein Archiv etwas hergebe, war die Antwort ein klares Ja.

Die Reise führt weit vor 1945 zurück: bis 1821, als die Gastwirtschaft „Zur Weintraube“ einen neuen Wirt bekam. Aus dem Haus wurde später das Radebeuler Stammtheater. Ein weiterer Strang gehört Maximus und Franziska René. Sie prägten die „Sächsische Landesbühne“, die ab 1922 Theater auch außerhalb der Großstädte zugänglich machte. Besonders fasziniert Schwarze, was die Künstler damals unter schwierigen Bedingungen leisteten. Nach dem Krieg begann 1945 in Dresden-Gittersee die Geschichte der heutigen Landesbühnen als „Volksoper Dresden“. 1950 zog das Ensemble nach Radebeul.

Für den gebürtigen Meißner ist das keine fremde Geschichte. 1977 begann er als Requisiteur an den Landesbühnen. Später studierte er Regie in Berlin, arbeitete an der Staatsoperette Dresden unter anderem als Regisseur, Dramaturg und Autor und unterrichtete von 1992 bis 2013 Operette, Musical und Chanson an der Dresdner Musikhochschule. Auch ein eigenes Musiktheaterstudio leitete er. Heute schreibt er Bücher, gestaltet Lesungen und rezensiert die Dresdner Kulturszene, unter anderem für die Dresdner Neuesten Nachrichten.

Mit seinem 2012 gegründeten privaten Theaterarchiv Schwarze Dresden bewahrt er Programmhefte, Fotos und Lebensgeschichten vor dem Vergessen. Seit 2024 gehört dessen Webpräsenz zum Webarchiv der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB). Sein Buch „Mythos Central-Theater“ wurde 2024 mit einem dritten Preis beim Sächsischen Landespreis für Heimatforschung ausgezeichnet.

Warum die Geschichte ausgerechnet in einem Hotel erzählen? Weil dort auch Gäste auf Radebeuls Kulturszene aufmerksam werden, die bislang vielleicht noch nie eine Vorstellung besucht haben. Das Radisson Blu ist Partner der Landesbühnen, das Theater nur wenige Gehminuten entfernt. Und Schwarze hat längst am nächsten Kapitel mitgeschrieben: Zum 90. Geburtstag der Felsenbühne Rathen 2026 gestaltete er 25 Tafeln für einen historischen Pfad. So wird aus einer mühsam freigegebenen Fotomappe eine Geschichte, die weiterlebt.

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