Die Freiwilligen Paola und Benjamin mit ihrem Anleiter Martin Zwilling (Mitte) an ihrem Arbeitsplatz hoch über den Dächern von Meißen. Foto © MeißenDie Freiwilligen Paola und Benjamin mit ihrem Anleiter Martin Zwilling (Mitte) an ihrem Arbeitsplatz hoch über den Dächern von Meißen. Foto © Meißen

Meißen. Wer morgens am Meißner Dom zur Arbeit geht, betritt keinen gewöhnlichen Arbeitsplatz. Jahrhunderte alte Sandsteine, gotische Architektur, Bleiglasfenster und Kunstwerke prägen den Alltag. Genau hier verbringen Paola, 19 Jahre, und Benjamin, 16 Jahre, nun ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Beide gehören zur Jugendbauhütte Sachsen und bekommen die Chance, Denkmalschutz nicht nur aus Büchern kennenzulernen, sondern direkt am Bauwerk mitzuerleben. Der Dom zu Meißen ist ab sofort offizielle Einsatzstelle für ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege. Möglich macht das die Jugendbauhütte Sachsen, ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste.

Paola und Benjamin arbeiten unter Anleitung von Dombaumeister Dr. Knut Hauswald und Martin Zwilling. Dabei geht es nicht nur ums Zuschauen. Die beiden sollen Schritt für Schritt selbst mitarbeiten und erleben, wie aufwendig der Erhalt eines historischen Bauwerks ist. Das FSJ in der Denkmalpflege beginnt regulär am 1. September und dauert zwölf Monate. In Meißen wartet ein ungewöhnlich breites Aufgabenfeld. Dazu gehört die Schadenskartierung der Porzellanepitaphien in der Nikolaikirche ebenso wie die Mitarbeit bei der Sanierung der Westtürme des Doms. Auch restauratorische Arbeiten an Wandgemälden und Bleiglasfenstern stehen auf dem Programm.

Die Tätigkeiten reichen von einfachen Reinigungsarbeiten bis zum Verfugen von Sandstein. In den Wintermonaten will Restaurator Martin Zwilling zusätzlich Räume der Stadtgärtnerei in der Wiesengasse nutzen. So können praktische Arbeiten auch dann weitergehen, wenn das Wetter Einsätze am Dom erschwert. Zum FSJ gehört aber mehr als der Alltag auf der Baustelle. Insgesamt sechs Seminarwochen sind über das Jahr verteilt. Dafür reisen die Freiwilligen nach Görlitz oder zu anderen historischen Lernorten. Dort beschäftigen sie sich unter anderem mit Kunstgeschichte, Baustilkunde und ökologischen Baustoffen. Gleichzeitig treffen sie andere junge Menschen, die ebenfalls ein Jahr in der Denkmalpflege verbringen.

Besonders spannend dürfte für Paola und Benjamin die aktuelle Sanierung der Westtürme werden. Das Hochstift Meißen trägt als Eigentümer die Verantwortung für den Erhalt des Doms. In den vergangenen Jahren haben sich an den Westtürmen verstärkt Risse gebildet, zudem kam es zu Sandsteinabbrüchen. Ursachen sind unter anderem Verwitterung, temperaturbedingte Spannungen im Sandstein und rostende Stahlverbinder aus der Bauzeit der obersten Turmebene. Für die kommenden drei Jahre ist deshalb ein umfangreiches Sanierungsprogramm vorgesehen. Dabei werden Fugen ausgebessert und erneuert, gerissene Steine ausgetauscht sowie Putzflächen kontrolliert, gepflegt und erneuert. Auch die Bleiabdeckungen auf Höhe der Glocken und auf der Plattform müssen dringend saniert werden. Geplant ist zusätzlich eine begehbare Nutzschicht aus witterungsbeständigem Holz.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Stahlbauteilen im Inneren. Durch das Verschließen von Fugen und Rissen soll verhindert werden, dass Feuchtigkeit an Ringanker und Zuganker gelangt und dort weitere Korrosion verursacht. Die Kosten für die geplante Sanierung der Westtürme liegen bei rund 620.000 Euro. Spenden für den Erhalt des Meißner Doms sind möglich. Weitere Informationen gibt es unter www.dom-zu-meissen.de

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