Dresdner Umland. Die Chipindustrie im Dresdner Norden bringt Arbeitsplätze – und hat ihre Kehrseite. Die geplante Elbe-Oberlausitz-Leitung zwischen Dresden und Streumen ist ein Vorbote. Von der neuen 380-kV-Stromtrasse sind elf Gemeinden und Dresden betroffen. Ausgangspunkt ist Altwilschdorf, wo das neue Umspannwerk entsteht. Weiter geht`s mit der Stromtrasse: Im Westen stehen im Endeffekt zwei Areale zur Debatte: Korridor A an der Autobahn über Thiendorf in Richtung Großenhain. Eine Verbindung zu B soll erneut geprüft werden. Auch A+D über Radeburg bleibt trotz Kritik im Rennen. Besonders betroffen wären hier durch die Querung Bärnsdorf, Berbisdorf, Bärwalde und Rödern. Korridor E läuft süd-westlich von Moritzburg, an Großdobritz vorbei, nördlich oder südlich um den Dippelsdorfer Teich und südwestlich des Schlosses Moritzburg, schließlich durch die Wälder von Weinböhla, Niederau und Coswig. Weil das Wind-Vorranggebiet Naunhof westlich umgangen werden müsste, rückt die Trasse näher an Großdobritz: Windräder und Höchstspannungsleitung würden denselben Raum belasten.
Fakten und Hintergründe
Bei der Einwohnerinformation im Gasthof Großdobritz informierte Lisa-Marie Wollny von 50Hertz über den Stand der Öffentlichkeitsbeteiligung.
Korridor E spielt deshalb eine Rolle, weil andere Varianten „Natura-2000-Gebiete“ tangieren. Ironie der Geschichte: In den 1990er-Jahren wurde die Unterschutzstellung von Landschaftsräumen vielfach kritisiert, heute könnten genau das zum entscheidenden Hindernis gegen die weitere Industrialisierung der Landschaft werden. Denn gleichzeitig wurden die Möglichkeiten von Bürgern, gegen Großprojekte zu widersprechen, z.B. bei Windpark-Verfahren, in den vergangenen Jahren deutlich eingeschränkt.
Noch ist nicht entschieden, ob Korridor E kommt, wie vom NABU vorgeschlagen, oder ob die Leitung doch am Ende als Korridor A entlang der Autobahn verläuft und bei Radeburg auf Korridor D wechselt. Geprüft werden inzwischen etwa 200 Meter breite Trassenbänder. Im Rennen befinden sich Korridor E, die Kombination A+D sowie Korridor D als weitere Variante. Dafür laufen Kartierungen, unter anderem zu Brutvögeln etc.. Im Frühjahr 2027 soll 50Hertz die Daten für die vorgeschlagenen Korridore vollständig vorliegen haben. Danach wird entschieden, welcher Verlauf als verträglichster weitergeplant wird.
Was ist zulässig? Für die Bürger heißt „verträglich“ nicht unsichtbar. Vorgesehen sind 380-kV-Freileitungen mit sogenannten Donaumasten und zwei Traversen, wie sie heute bereits um Streumen stehen. Je nach Ausführung erreichen diese Masten etwa 70 Meter, teilweise werden für das Projekt Höhen bis 75 Meter genannt.
Bei Wohngebäuden gilt ein Überspannungsverbot. Einen pauschalen gesetzlichen Mindestabstand von bspw. 400 Metern zu Wohnsiedlungen gibt es dagegen nicht. Entscheidend sind die Grenzwerte der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung. Für Wechselstromleitungen gelten maximal 5 Kilovolt pro Meter elektrische Feldstärke und 100 Mikrotesla magnetische Flussdichte. Bei neuen Trassen gilt zusätzlich ein Minimierungsgebot. Die Belastungen im Umfeld von Wohnungen müssen so weit wie möglich reduziert werden, etwa durch Mastformen oder eine optimierte Phasenanordnung.
Als harte oder besonders gewichtige Kriterien kommen außerdem Siedlungsbereiche, bestimmte streng geschützte Gebiete und Biotope, technisch ungeeignete beziehungsweise instabile Flächen, sensible Großinfrastruktur, militärische Sicherheitsbereiche und Bauschutzbereiche von Flughäfen hinzu. Natura-2000-Flächen sind nicht grundsätzlich absolut ausgeschlossen, besitzen aber einen hohen Schutzstatus und verlangen besonders weitgehende Prüfungen.
Der weitere Zeitplan ist bereits abgesteckt: Frühjahr 2028 sollen die Planfeststellungsunterlagen eingereicht werden, für Herbst 2029 ist der Beschluss vorgesehen. 2029 soll nach bisheriger Planung der Bau beginnen, Anfang 2032 die Leitung in Betrieb gehen.



