Der Raum Radeburg oder der Raum Moritzburg/Weinböhla/Coswig/Niederau - zur Debatte stehen diese Trassen-Varianten. Quelle © 50HertzDer Raum Radeburg oder der Raum Moritzburg/Weinböhla/Coswig/Niederau - zur Debatte stehen diese Trassen-Varianten. Quelle © 50Hertz

Der Widerstand wächst. Die Petition von Mario Howard gegen Korridor E der geplanten 380-kV-Leitung zählt nach Angaben des Initiators mehr als 1.800 Unterschriften. Am Dienstag trafen sich Moritzburgs Bürgermeisterin Katrin Sontag, Coswigs Oberbürgermeister Thomas Schubert sowie Thomas Claus aus Niederau und Siegfried Zenker aus Weinböhla. Alle vier unterschrieben und schickten Stellungnahmen an die Landesdirektion Sachsen.

Denn geopfert würde nicht nur die Moritzburger Kleinkuppenlandschaft als Kulturgut, die Strommasten wären vom Schloss Moritzburg zu sehen – es würde auch 100 Hektar Wald gefällt – ohne die nötigen Zufahrtsstraßen. Im Friedewald zu roden, wenn entlang der Autobahn bereits Naturraum in Anspruch genommen ist, das entbehrt gesundem Menschenverstand. Ob diese Industrialisierung rund um Dresden für den geplanten Chip-Boom im Dresdner Norden am Ende des Tages wirklich gerechtfertigt ist, wird man in einigen Jahren wissen. Doch diese Fakten werden jetzt geschaffen.

Korridor E würde westlich und südwestlich von Moritzburg verlaufen, an Großdobritz vorbei, nördlich oder südlich um den Dippelsdorfer Teich und weiter durch die Wälder von Weinböhla, Niederau und Coswig. Zunächst lag Korridor A auf dem Tisch: entlang bereits belasteter Räume an der A13 über Thiendorf. Nun soll eine Verbindung A+D über den Raum Radeburg vertieft untersucht werden – auf Höhe Bärnsdorf, Berbisdorf, Bärwalde und Rödern. Parallel prüft 50Hertz Korridor E. Der Netzbetreiber schreibt selbst, diese Alternative sei „im Zuge der Beteiligung eingereicht“ worden. Vom NABU, wie in einer öffentlichen Vorstellung zu erfahren war.

Wer sich die Karte einmal anschaut, wo geografisch diese Gruppe beheimatet ist Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf: NABU, dann ist zumindest naheliegend, wer NABU-intern auf die Idee kam, da die ursprünglichen Trassenvarianten genau dieses Gebiet berühren. „Hier wird eindeutig Vogelschutz gegen Waldschutz ausgespielt und die Bürger bleiben auf der Strecke“, so Mario Howard.

Der Nabu rudert seitdem zurück. Tarik Güzel vom NABU: „Der NABU Sachsen hatte die Prüfung einer Alternative westlich von Moritzburg gefordert und den späteren konkreten Trassenvorschlag aus naturschutzfachlichen Gründen abgelehnt. Keine der Trassenalternativen ist aus Sicht des NABU Sachsen naturverträglich umsetzbar.“ Der Initiator der Petition, Mario Howard, antwortet: „Der NABU Sachsen, gezeichnet von Matthias Vetter soll die Variante westlich Moritzburg ins Spiel gebracht haben, bzw. kritisch angemerkt,  dass eine Variante westlich Moritzburg nicht geprüft worden sei, was dazu führte, dass 50Hertz eine solche Variante noch in die Planung  integrierte. Aktenzeichen: VO-SN-2025-29281-NABU 

In der Gutachterlichen Stellungnahme der Landesdirektion Sachsen vom 13. Mai 2026, gibt es ausdrücklich ein eigenes Kapitel: „4.1.7 Alternativvorschlag 8 ‚weitere Trassenvariante westlich von Moritzburg‘“. Die Landesdirektion schreibt: „Der vom NABU beschreibend, d.h. ohne kartographische Darstellung eingebrachte Alternativvorschlag 8 …“

„Das Schlimme daran ist, dass der Friedewald aus Einzelinteressen heraus aufgegeben wird“, sagt Mario Howard. Dass dabei ausgerechnet mitten um die Autobahn A13 ein großes Vogelschutz-Gebiet ausgewiesen ist, wirkt heute wie Ironie der Geschichte. Denn inzwischen ist der Status „Natura-2000“ eines der höchsten Ausschlusskriterien. Trotz Autobahn, Industrie und 110-KV-Leitung. Gleichzeitig gibt es für solche Bau-Vorhaben aber ein „Bündelungsgebot“ – unberührte Landschaft soll nicht zerschnitten werden, wenn es anderswo schon Trassen gibt. Und der Dippelsdorfer Teich hat seinerseits die höchste Dichte von weiteren Schutz-Gebieten. Etwa 100 Meter entfernt befindet sich jetzt der planerische Korridor E.

Hier bahnt sich ein Konflikt mit Reichweite an. Was ist mehr Wert? Der Wald, der Mensch, die Vögel? Allein die Fragestellung ist unsinnig, zeigt aber, dass unser Natur- und Kulturraum ausgereizt ist. Dass Menschen und Regionen auf diese Weise ausgespielt werden und sich unter dem Nimbus korrekter Verfahren vom Schreibtisch aus lebensferne, möglicherweise preiswerte Entscheidungen durchsetzen, ist die große Gefahr.

Zur Petition geht`s hier: openpetition.org/friedewald

Die Vorgeschichte der Trassenführung: https://rdbl-aktuell.de/30um

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