Dr. Jörg Müller und Silvio Kockentiedt mauern die Zeitkapsel im neuen Hort Oberlößnitz ein. Foto © BranczeiszDr. Jörg Müller und Silvio Kockentiedt mauern die Zeitkapsel im neuen Hort Oberlößnitz ein. Fotos © Branczeisz
So soll der neue Hort aussehen.
So soll der neue Hort aussehen.
Hängematte, Spielen, leckeres Essen - die Kinder hatten genaue Vorstellungen.
Hängematte, Spielen, leckeres Essen – die Kinder hatten genaue Vorstellungen.
Ungewöhnlich, aber nett: Neben den üblichen Dingen wurde der Speiseplan des Tages in die Zeitkapsel gesteckt.
Ungewöhnlich, aber nett: Neben den üblichen Dingen wurde der Speiseplan des Tages in die Zeitkapsel gesteckt.

Radebeul. Wo wird heute noch eine komplett neue Kindereinrichtung gebaut? In Radebeul. Und zwar für 8,7 Millionen Euro. Am Augustusweg wächst ein Haus, auf das Kinder, Erzieher und Stadt ziemlich lange warten mussten. Denn der Hort Oberlößnitz war bisher ein Provisorium mit Dauerzustand: Ein Teil der Kinder wurde im alten, sanierungsbedürftigen Hortgebäude am Augustusweg 62b betreut, ein anderer direkt in Räumen der Grundschule Oberlößnitz am Augustusweg 42. Dort mussten sich Schule und Hort Räume teilen. Pädagogisch umständlich, organisatorisch schwierig – und auch wirtschaftlich keine überzeugende Lösung. Genau diese Trennung soll nun Geschichte werden.

Neu ist die Idee allerdings keineswegs. Schon 2009 plante Radebeul an diesem Standort deutlich größer: Grundschule, Hort, Jugendtreff und Sporthalle sollten gemeinsam neu entstehen. Die damals gesetzte Kostenobergrenze von 8,5 Millionen Euro wurde in der Planung jedoch deutlich überschritten – auf 12,9 Millionen Euro. Dazu kam die Finanzkrise. Das große Gesamtprojekt verschwand wieder in der Schublade. 2016 startete die Stadt einen neuen Anlauf, diesmal in einzelnen, unabhängig realisierbaren Bausteinen. Der Hort bekam Priorität.

2017 gewann schließlich das Berliner Büro Kolb Ripke Architekten um Prof. Henry Ripke gemeinsam mit Landschaftsarchitektin Birgit Hammer den Wettbewerb. 26 Entwürfe lagen auf dem Tisch. Danach wurde geplant, gerechnet, Fördergeld gesucht – und noch einmal gerechnet. Erst 2024 kam der entscheidende Förderbescheid. 4.278.560 Euro steuert die Sächsische Aufbaubank aus Bundesmitteln bei. Oberbürgermeister Bert Wendsche machte damals deutlich, dass das Projekt ohne diese Förderung kaum umsetzbar gewesen wäre.

Jetzt wird tatsächlich gebaut. Zur Grundsteinlegung am 6. Oktober waren auch die Bürgermeister Dr. Jörg Müller und Silvio Kockentiedt mit den Hortkindern dabei. Und der Rohbau zeigt bereits, wohin die Reise geht. Die Baugesellschaft Großenhain um Christoph Böhme hat große Teile des Erdgeschosses hochgezogen, insgesamt werden rund 30 Firmen an dem Projekt beteiligt sein.

Architektonisch soll sich der Neubau unterhalb der Wachschen Villa möglichst in die historische Weinberglandschaft einfügen. Ein klassisches Dach, wie es die Kinder auf ihrem Wunschplakat gemalt haben, bekommt das Haus allerdings nicht. Der langgestreckte moderne Bau sitzt auf einem massiven Sockel, darüber öffnen sich die Bereiche zu umlaufenden Terrassen. Wichtig für Henry Ripke und Birgit Hammer: Der Blick vom Augustusweg hinauf zur Villa Wach bleibt frei. Unten entstehen ein offenes Foyer, Ausgabeküche, Atelier, Werkstatt und weitere Funktionsräume. Oben teilen Treppen das Gebäude in drei Themenhäuser: Kunst, Sport und Kontemplation. Dazu kommen großzügige Außenbereiche.

Und die Kinder? Die haben erstaunlich konkrete Vorstellungen: Hängematten, einen tollen Spielplatz und leckeres Essen. Für Letzteres können die Architekten zwar keinen Bauplan liefern. Hängematten und Spielflächen sind dagegen machbar. Der heimliche Star steht ohnehin schon fest: eine zehn Meter lange Rutsche.

Im Frühjahr 2028 sollen rund 250 Kinder, 17 pädagogische Fachkräfte, ein Hausmeister und Hortleiterin Manuela Claus einziehen. Dass inzwischen gleichzeitig über sinkende Geburtenzahlen gesprochen wird, gehört zur langen Geschichte dieses Projektes dazu. Der Neubau löst jedoch vor allem ein Problem, das Radebeul seit vielen Jahren mit sich trägt: einen verschlissenen Hort, ausgelagerte Kinder und geteilte Räume. Nach fast zwei Jahrzehnten Diskussion, Wettbewerb, Planung und Finanzierung bekommt die Oberlößnitz damit endlich das, was ursprünglich einmal ganz simpel gedacht war: einen Hort, der tatsächlich für einen Hort gebaut wurde.

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