Der Anbau am Rathaus könnte baulich gesperrt werden und damit der zweite, zwingend nötige Ausgang. Foto © BranczeiszDer Anbau am historischen Moritzburger Rathaus könnte baulich gesperrt werden und damit der zweite, zwingend nötige Rettungsweg. Foto © Branczeisz
Die Wendeltreppe im Anbau wäre damit nicht mehr nutzbar.
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Die Wendeltreppe im Anbau wäre damit nicht mehr nutzbar. Foto © Branczeisz
In den nächsten Jahren müsste auch an der Schlossallee 3a saniert werden. Also lieber verkaufen?
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In den nächsten Jahren müsste auch an der Schlossallee 3a saniert werden. Also lieber verkaufen? Foto © Foto Branczeisz
Dieses Wappen am Rathaus wird Katrin Sontag von ihrem Geburtstagsgeld für knapp 800 Euro aufarbeiten lassen, weil es dafür kein Fördergeld gibt.
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Dieses Wappen am Rathaus wird Katrin Sontag von ihrem Geburtstagsgeld für knapp 800 Euro aufarbeiten lassen, weil es dafür kein Fördergeld gibt. Foto © Branczeisz

Moritzburg. Wofür soll die Gemeinde Moritzburg das Geld aus dem Sondervermögen ausgeben? Eine politische Grundsatzfrage muss der Gemeinderat daraus eigentlich nicht machen – auch wenn das „Sondervermögen“ streng genommen kein Vermögen ist, sondern vom Bund schuldenfinanziert wird. Denn lehnt eine Kommune die Mittel ab, werden sie auf andere Kommunen verteilt. Also stellt sich überall dieselbe Frage: Was macht man sinnvollerweise mit so viel Geld? Zumal eine Einzelmaßnahme mindestens 250.000 Euro kosten muss. Luftschlösser lassen sich schnell bauen, repräsentative Projekte ebenfalls planen. Entscheidend aber ist: Was ist wirklich sinnvoll – und vor allem notwendig?

Die Mittel werden in drei Vier-Jahres-Tranchen vergeben. Für Moritzburg stehen bis 2028 insgesamt 796.567,40 Euro bereit. Bis dahin muss das Geld allerdings auch ausgegeben sein. Es braucht also Projekte – und zwar die richtigen. Bislang lagen kaum konkrete Vorschläge auf dem Tisch. Lediglich die SPD-Fraktion hatte angeregt, Mittel für den TSV einzusetzen.

In dieser Situation überraschte die neue Bürgermeisterin Katrin Sontag mit gleich vier Vorschlägen. Nummer eins: der Lindengarten. Dort liegt inzwischen ein Schlauchboot auf dem Dach, um eindringendes Regenwasser aufzufangen – so groß ist das Loch. Ja, richtig gelesen. Die Technischen Dienste müssen das Boot regelmäßig leeren. „Das ist kein Zustand“, machte Sontag deutlich. Der erste angefragte Handwerker habe bereits abgewunken: Das Dach sei ihm schlicht zu lawede, um darauf noch herum zu klettern. Klar ist: Hier muss dringend etwas passieren. Nicht besser sieht es beim zweiten Vorschlag aus: dem Rathaus. Bei einer Begehung durch den Arbeitsschutz wurde angekündigt, dass die marode Wendeltreppe auf der Rückseite als zweiter Fluchtweg wegen des baufälligen Anbaus gesperrt werden könnte. Im schlimmsten Fall wäre damit das Rathaus behördlich nicht mehr nutzbar. Dass auf dem Dach bereits Eimer und Schüsseln stehen, um Regenwasser aufzufangen, rundet das Bild eines erheblichen Sanierungsstaus ab.

Sontags Vision: ein funktionaler Neubau auf der Rückseite, verbunden mit dem historischen Rathaus durch einen Glasdurchgang. Dieser könnte weitgehend unabhängig vom Denkmalschutz entstehen und zugleich alle Mitarbeiter und Ämter an einem Standort bündeln. Denn auch das Haus des Gastes in der Schlossallee 3a ist nach Angaben der Bürgermeisterin inzwischen deutlich sanierungsbedürftig. Wer um das Gebäude geht, kann die Wasserschäden kaum übersehen. Die früher als Wohnungen genutzten Räume seien zudem für eine moderne Verwaltung kaum geeignet. Perspektivisch könnte das Gebäude verkauft werden. Die Aussage, das Haus des Gastes sei ein Sanierungsfall, sorgte im Gemeinderat allerdings für Diskussionen und Irritationen. Dennoch bleibt die Frage: Soll die Gemeinde dort erneut viel Geld investieren – oder grundsätzlich neu denken?

Als vierten Vorschlag brachte Sontag schließlich eine neue Sportanlage mit Tartanbahn für den TSV ins Spiel.

Die Fülle der Probleme und Ideen überraschte den Gemeinderat sichtbar. Eine Entscheidung aus dem Stand war kaum möglich. Deshalb sollen sich die Fraktionsvorsitzenden zeitnah mit Katrin Sontag zusammensetzen und die Optionen beraten. Denn bloßes Vertagen bringt Moritzburg nicht weiter. Für die neue Bürgermeisterin ist es gleich zu Beginn ihrer Amtszeit ein ziemlich dickes Brett – und eines, bei dem die Zeit mitbohrt.

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