Am 3. Oktober zieht der erste größere Winzerzug seit 2015 durch die Oberlößnitz. Vereine, Festwagen und historische Traktoren sorgen für ein buntes Bürgerfest. Foto © HoflößnitzAm 3. Oktober zieht der erste größere Winzerzug seit 2015 durch die Oberlößnitz. Vereine, Festwagen und historische Traktoren sorgen für ein buntes Bürgerfest. Foto © Hoflößnitz

Schon das Öffnen des Kostümfundus klingt nach einem Fest: Gut 450 Gewänder sind frisch gewaschen und warten in der Hoflößnitz auf ihren großen Auftritt. Samt, Spitze, Dreispitz, Schürze und Uniform dürfen endlich wieder hinaus in die Weinbergsgassen. Am Sonnabend, dem 3. Oktober, erlebt Radebeul den ersten größeren Winzerzug seit 2015 – farbenfroh, lebenslustig. Gegen 11 Uhr soll sich der Zug in der Oberlößnitz in Bewegung setzen. Rund drei Kilometer und etwa zwei Stunden lang geht es durch die historischen Gassen der Weinberge.

Start oberhalb der Hoflößnitz, in der Hoflößnitzstraße, weiter zum Weingut Karl-Friedrich Aust, dann links in die Weinbergstraße bis hinter zur Eduard-Bilz-Straße und dann den Bogen nehmen über Bilzstraße, Augustusweg zum Hörningplatz. „Den Augustusweg können wir wegen der Buslinie nicht ganz laufen, wir biegen an der Oberlößnitzer Schule auf die Bennostraße ein – bis zum Hörningplatz mit Festplatz, Gastronomie und Kultur. Ein Bürgerfest in der Oberlößnitz“, erzählt Frank Andertund verspricht einen neuen Auftakt für eine feste Tradition.

Anschließend wird weitergefeiert: Das 10. Churfürstliche Weinbergfest öffnet am 3. und 4. Oktober jeweils von 12 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt. Musik, Gastronomie, Museum, Händlermarkt und Angebote für Kinder machen aus dem Wochenende ein Fest für die ganze Familie. Museumsleiter Frank Andert bremst die Vorfreude dabei keineswegs, wenn er betont: Geplant ist „ein großer Winzerzug – nicht der große Winzerzug“. Die Dimensionen von 2015 lassen sich heute kaum wiederholen. Damals kamen mehrere Jubiläen, eine besondere Förderkulisse und deutlich andere Sicherheitsbedingungen zusammen. Mehr als 1000 Mitwirkende gestalteten rund 50 Bilder, Zehntausende Menschen säumten die Strecke.

Nach kleinen Winzerzügen rund um die Hoflößnitz in den Jahren 2024 und 2025 geht die Hoflößnitz nun wieder bewusst weiter hinaus. Die großen historischen Festwagen kommen zurück auf die Straße, Vereine ziehen mit und private Teilnehmer sind ausdrücklich willkommen. Feuerwehren, Lößnitzchor, Landesbühnen, Schloß Wackerbarth, Weinbauvereine, Volkssolidarität, Kinderarche und Freunde des historischen Silberbergbaus haben ihr Interesse bereits signalisiert.

Das Vorbild für all diese Figuren stammt aus dem Jahr 1840. Damals organisierte die Sächsische Weinbau-Gesellschaft in der Lößnitz ein großes Winzerfest. Der Maler und Winzer Moritz Retzsch hielt den Zug anschließend auf acht miteinander verbundenen Blättern fest. Das berühmte Leporello zeigt 16 Szenen aus Weinbau, Handwerk, Ernte und Mythologie – mit Böttchern, Weinbergsmeistern, Winzerinnen, dem Herbst sowie Bacchus und Amor. Diese Bilder wurden ab 2011 mit aufwendig geschneiderten Kostümen und nachgebauten Wagen wieder lebendig.

Und genau diese Wagen bekommen 2026 einen neuen, bodenständigen Antrieb: Statt Pferden ziehen historische Traktoren die Kutschen und Festaufbauten durch die Oberlößnitz. Die Entscheidung hat praktische Gründe. Die Straßen auf dem geplanten Kurs sind eng, geeignete Pferde sind schwerer zu bekommen und mehrere Anbieter sagten ab. Gleichzeitig sind die verkehrsrechtlichen Anforderungen an Kutschen strenger geworden. Ein kostspieliger Umbau der Wagen wäre nötig gewesen.

Die alten Schlepper sind deshalb weit mehr als eine Notlösung. Mit ihrem Knattern, den blank geputzten Hauben und ihrer eigenen Geschichte bringen sie einen neuen Farbtupfer in den Zug. Sie passen zum Weinbau, zur Landwirtschaft und zum handwerklichen Charakter der historischen Bilder. Wo früher Hufe klapperten, tuckert diesmal liebevoll gepflegte Technik – langsam genug, damit das Publikum jedes Kostümdetail und jeden geschmückten Wagen genießen kann.

Ob wirklich alle gut 450 Kostüme getragen werden, entscheidet sich erst, wenn möglichst viele Radebeulerinnen und Radebeuler mitmachen. Der Fundus ist da, der Aufruf läuft und die Vorfreude wächst. Der Winzerzug 2026 soll einen neuen Anfang setzen: als Bürgerfest für die Oberlößnitz, als Bühne für die Vereine und als lebendige Tradition, die künftig wieder einmal im Jahr durch Radebeul ziehen kann.

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