Die Akteure v.l.: Jan Dietl, Silvia Guhr, Ines Wenzel, Gabi Köckritz, Susanne Hanke. Foto © Uwe GuhrDie Akteure v.l.: Jan Dietl, Silvia Guhr, Ines Wenzel, Gabi Köckritz, Susanne Hanke. Foto © Uwe Guhr

Anzeige

Wenn das Theater selbst sprechen könnte, hätte es viel zu erzählen. Seit Jahrzehnten zieht es durch Radebeul und darüber hinaus, sucht sich Bühnen, findet Publikum und bringt Geschichten zum Leben. Am 18. März 2026 um 18 Uhr schlägt das Radebeuler Amateurtheater Heiterer Blick erneut sein literarisches Kapitel auf – diesmal im Kulturbahnhof Radebeul Ost, Sidonienstraße 1. Der Eintritt ist frei.

Zu „Radebeul liest“ lädt das Ensemble zu einer besonderen Begegnung mit dem Schriftsteller Peter Hacks ein. Die Akteure des Theaters lesen ausgewählte Geschichten des gefeierten Autors und lassen seine Figuren, Dialoge und Szenen lebendig werden. Wer den feinsinnigen Humor, die pointierten Dialoge und die überraschenden Wendungen von Peter Hacks schätzt, kann sich auf einen literarischen Abend freuen – zum Zuhören, Mitfühlen und Genießen.

Das Theater Heiterer Blick gilt als ältestes Theater Radebeuls. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1946 zurück, als die Theatergruppe im Radebeuler Mohrenhaus gegründet wurde. Noch im selben Jahr fand der erste öffentliche Auftritt mit Schwänken von Hans Sachs statt. In den 1950er- und 1960er-Jahren stand das Theater unter der Trägerschaft des Jugendverbandes sowie der Radebeuler Schuhfabrik Raschufa und betrieb zeitweise sogar eine Freilichtbühne am Kinderheim Oberlößnitz.

Eine besonders produktive Phase erlebte die Gruppe ab 1969 als Jugendtheater Planeta, benannt nach dem Druckmaschinenwerk PLANETA, das heute zu König und Bauer gehört. Unter der Leitung von Klaus Kunick, geboren 1933 und gestorben am 6. August 2007, wuchs das Ensemble zeitweise auf über hundert Mitglieder an und brachte bis zu vier Inszenierungen pro Jahr auf die Bühne. In dieser Zeit prägten auch bekannte Namen das Theaterleben, darunter Rolf Ludwig, Klaus Kunick, Friedemann A. Nawroth und Ruth Kelker. Ab 1971 spielte das Ensemble im umgebauten Klubhaus Heiterer Blick. Nach der politischen Wende setzte die Gruppe ihre Arbeit ab 1991 als Theater Heiterer Blick e.V. fort. 1992 kam es zur Fusion mit dem Theater Grüne Gans aus dem AWD-Klubhaus. Seit 1993 befinden sich Probenräume und Fundus im Vereinshaus Radebeul.

Die Bühne selbst wechselte im Laufe der Jahre immer wieder den Ort. Auftritte gab es unter anderem im Auftritt-Theater am Anger, in der Stadtgalerie, im Museum Hoflößnitz, im ehemaligen Klub Noteingang, in der Erlebnisbibliothek und im Studiotheater der Landesbühne Sachsen. Auch überregional ist das Ensemble aktiv: Seit 1993 war das Theater fast jährlich bei den Internationalen Amateurtheatertagen in Hanau vertreten. Der Name des Theaters erinnert an das frühere Radebeuler Gasthaus Heiterer Blick mit Saal und Bühne. Nachdem das Gebäude im Oktober 2005 abgerissen wurde, verlor das Ensemble seine feste Spielstätte. Doch statt zu verschwinden, wurde das Theater zu einer mobilen Gruppe, die überall auftreten kann – ein echtes Wandertheater.

Heute besteht das Ensemble aus sechs festen Mitgliedern und mehreren Gästen. Hinter den Rollen stehen Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufen, darunter Ingenieure, Mediengestalter, eine Hebamme, ein Hausmeister und ein Veranstaltungsorganisator. Gemeinsam tragen sie die lange Tradition des Radebeuler Amateurtheaters weiter – und sorgen dafür, dass Geschichten auch ohne feste Bühne ihren Weg zum Publikum finden.

Barrierefreiheit