Künftig könnten Monocams überwachen, ob der Autofahrer das Handy am Ohr hat. Foto © ArchivKünftig könnten Monocams überwachen, ob der Autofahrer das Handy am Ohr hat. Foto © Archiv

Beim 64. Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar macht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) klare Ansagen. Das sind die Forderungen:

Führerschein billiger? Ja – aber nur mit Qualität

DVR-Präsident Manfred Wirsch warnt davor, die Fahrausbildung durch Preisdruck zu entwerten. Seine Forderung: Ein bundesweiter, verbindlicher Lehrplan für alle Fahrschulen. Damit soll der Unterricht transparenter, die Ausbildung effizienter werden. Fahrsimulatoren sollen künftig regulär eingesetzt werden – zum Beispiel für gefährliche Manöver wie Überholen oder Fahren auf Landstraßen. Ergänzt wird das Konzept durch digitale Lerneinheiten im Theorieunterricht. Wer besser ausgebildet ist, besteht die Prüfung schneller – das spart Kosten und verhindert Unfälle. „Abstriche bei der Sicherheit sind indiskutabel“, betont Wirsch.

Begleitetes Fahren: Mehr Zeit am Steuer

Früh übt sich: Der DVR will ein erweitertes Begleitetes Fahren ab 17. Jugendliche sollen bereits mit 16 den Führerschein beantragen und Theorie sowie Praxis vor dem 17. Geburtstag absolvieren. Danach folgt eine volle zwölfmonatige Begleitphase – mit Sicherheitseffekt. Wer diese erfolgreich abschließt, soll einen finanziellen Bonus erhalten. Ein Modellprojekt zum Begleiteten Fahren ab 16 wird ebenfalls gefordert – mit dem Ziel, die Regelung später bundesweit zu verankern.

Handy am Steuer: Monocams sollen überwachen

Rheinland-Pfalz setzt sie bereits ein – jetzt fordert der DVR den flächendeckenden Einsatz von Monocams. Die KI-Kameras erkennen Handys am Steuer automatisch. Wer sich nicht an die Regeln hält, soll künftig zuverlässiger erwischt werden. Zudem soll die Fahrzeugindustrie mehr Verantwortung übernehmen: Sprachsteuerung, echte Tasten statt Touchscreens und Systeme zur Ablenkungswarnung sind gefragt. Die EU schreibt solche Funktionen bereits vor – der DVR verlangt deren konsequente Umsetzung.

Alkohol auf dem Rad: Gesetzeslücke schließen

Radfahrer dürfen aktuell mit bis zu 1,6 Promille unterwegs sein – ohne Strafe, solange nichts passiert. Das ist ein Risiko für alle. Der DVR fordert deshalb: Alkoholgrenze runter auf 1,1 Promille und klare Sanktionen. Außerdem soll ein generelles Alkoholverbot für alle Kraftfahrer kommen.

Unfallzahlen müssen präziser werden

Für mehr Verkehrssicherheit braucht es bessere Daten. Der DVR will, dass künftig alle schwer verletzten Unfallopfer nach europäischem Standard erfasst werden – und nicht nur stichprobenartig wie bisher. Kliniken und Polizei sollen Pilotprojekte starten, um eine vollständige Statistik vorzubereiten.

Verkehrsverstöße im Ausland: Schlupflöcher schließen

Wer aus dem EU-Ausland kommt und in Deutschland gegen Verkehrsregeln verstößt, geht oft straffrei aus. Das liegt an der fehlenden Halterhaftung. Der DVR fordert: Fahrerbenennungspflicht einführen oder die Verfahrenskosten dem Fahrzeughalter auferlegen.

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